Eine Erinnerungsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
In Erinnerung an

Dr. med.
Emil Liebrecht
1872 - 1952

Dissertation. Quelle: Staatsbibliothek Berlin
Dissertation. Quelle: Staatsbibliothek Berlin

Studium in Berlin

Spezialarzt für Magen- und Verdauungskrankeiten in Chemnitz

Flucht nach Südafrika

Reichsmedizinalkalender 1898
Reichsmedizinalkalender 1898
Spezialarzt für Magen,- Darm- und Stoffwechselkrankheiten
Spezialarzt für Magen,- Darm- und Stoffwechselkrankheiten
Reichsmedizinalkalender 1903. Das Magensymbol weist auf den Facharzt
Reichsmedizinalkalender 1903. Das Magensymbol weist auf den Facharzt
Reichsmedizinalkalender 1937. Der Doppelpunkt stigmatisiert Emil Liebrecht als Jude.
Reichsmedizinalkalender 1937. Der Doppelpunkt stigmatisiert Emil Liebrecht als Jude.

Dr. med. Emil Liebrecht

  • 0‌9‌.‌0‌3‌.‌1‌8‌7‌2‌, Hamburg
  • 2‌2‌.‌1‌2‌.‌1‌9‌5‌2‌, Kapstadt, Südafrika
  • Geflohen 1939, Südafrika
  • Chemnitz
  • Spezialarzt für Magen-, und Darmkrankheiten

„Verfasser, Emil Liebrecht, wurde als Sohn des Lehrers Dr. Eduard Liebrecht am 9.März 1872 in Hamburg geboren. Im Sommer 1873 siedelten seine Eltern nach Berlin über. Daselbst trat er Michaelis 1878 in die Vorschule, Ostern 1881 in die Sexta des Sophien-Gymnasiums ein. Nachdem er  dasselbe mit dem Zeugnis der Reife verlassen, liess er sich Ostern 1890 an der Berliner Universität immatrikuliren, um Medizin zu studiren. Am 4. Mai 1892 bestand er die ärztliche Vorprüfung, am 17.Juni 1895 das Staatsexamen.“ So Emil Liebrecht im Lebenslauf seiner 1896 an der Universität Leipzig eingereichten Dissertation „Über Icterus und acute gelbe Leberatrophie in der Frühperiode der Syphilis“.

Emil Liebrecht wurde in einer jüdischen Familie geboren. Der Vater Eduard Liebrecht studierte Mathematik und Philologie in Breslau, heute Wroclaw (Polen), und war seit 1856 Lehrer an der jüdischen Schule in Gleiwitz, heute Glivice (Polen). Er übernahm 1863 die Leitung der jüdischen Schule in Altona. Von 1871 bis 1873 unterrichtete er an einer höheren Schule in Hamburg. Ab 1. Juni 1874 wurde er Lehrer an der Knabenschule der jüdischen Gemeinde in Berlin. Er starb 1907 und wurde auf dem jüdischen Friedhof Berlin Weissensee beerdigt. Emil Liebrechts Mutter war die 1843 geborene Johanna, geborene Landsberger.

 

Ausbildung und Wirkungsstätte

Nach seinem Studium reiste Emil Liebrecht als Schiffsarzt nach Südamerika. Er lies sich nach seiner Rückkehr am 26. Februar 1896 in Britz bei Berlin als Arzt nieder. Britz gehört heute zum Bezirk Gropiusstadt.

Reichsmedizinalkalender 1898
Reichsmedizinalkalender 1898

Über seine weitere Ausbildung ist wenig bekannt. 1903 lässt er sich als Facharzt für Magen- und Verdauungskrankheiten in Chemnitz in der Kronenstraße 8 (teilweise 9 angegeben) nieder. Im Reichsmedizinalkalender 1903  ist dies erstmals gekennzeichnet mit dem Magensymbol.

Spezialarzt für Magen,- Darm- und Stoffwechselkrankheiten
Spezialarzt für Magen,- Darm- und Stoffwechselkrankheiten
Reichsmedizinalkalender 1903. Das Magensymbol weist auf den Facharzt
Reichsmedizinalkalender 1903. Das Magensymbol weist auf den Facharzt

Er gehört somit zu den ersten, die sich für das neue Spezialgebiet ausgebildet und als Facharzt niedergelassen hatten. 20 Jahre später lässt sich ein weiterer Magen-Darm-Spezialist, Paul Holzer, in Chemnitz nieder, ebenfalls in der Kronenstraße.

Emil Liebrecht heiratete Else Cohn aus Frankfurt a. O., die am 14.5. 1879 geborene Tochter von Sally Cohn und Rosalie, geb. Stargardt. 1912 wurde die Tocher Lotte geboren.

Nach 1933

Schon bald nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten wurden die Maßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung in Chemnitz durchgesetzt. Emil Liebrecht wurde wie andere jüdische Ärzte auf die Liste der jüdischen Geschäfte gesetzt, die die Bevölkerung zum Boykott aufrief. Diese Liste wurde in den Tageszeitungen von Chemnitz Anfang April 1933 veröffentlicht.

Liste der jüdischen Geschäfte in Chemnitz. Quelle: Chemnitzer Tagesblatt und Anzeiger vom 2.4.1933
Liste der jüdischen Geschäfte in Chemnitz. Quelle: Chemnitzer Tagesblatt und Anzeiger vom 2.4.1933

Es folgten der Entzug der Kassenzulassung, der Approbation und die Pflicht zur Vermögensabgabe. Die NS-Behörden ordneten an, dass der Familie nur eine geringe monatliche Summe zur Verfügung gestetllt wurde. Jede weitere Ausgabe z.B. zur Vorbereitung ihrer Ausreise musste Else Liebrecht vorab bei der NS-Vermögensverwaltung beantragen.

Reichsmedizinalkalender 1937. Der Doppelpunkt stigmatisiert Emil Liebrecht als Jude.
Reichsmedizinalkalender 1937. Der Doppelpunkt stigmatisiert Emil Liebrecht als Jude.

Emil und Else Liebrecht flohen im Januar 1939 nach Südafrika. Die Tochter Lotte (Charlotte), verheiratet mit Otto Hartung Spohr, war bereits 1936 mit ihrem Ehemann über England nach Südafrika geflohen.

Ob Emil Liebrecht in Südafrika ärztlich tätig sein konnte, ist unbekannt. Er starb 80jährig am 22. 12. 1952 in einem jüdischen Altersheim in Kapstadt, Südafrika und wurde auf dem Pinelands 1 Jewish Cemetery in Kapstadt bestattet. Seine Ehefrau Else nahm sich 1941 in Bulawayo, Rhodesien, heute Simbawne, selbst das Leben

Emil Liebrechts 1873 geborene Schwester Anna floh mit ihrem Ehemann Barned Stern in die USA, ebenso die jüngere Schwester Ella Moser, geboren 1878.

 

Beitrag von Dr. med. Cornelie Haag, Dresden. Stand 8.6.2026


Quellen und Literatur
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Quellen/Literatur/Weblinks

Biografie von Dr. med. Emil Liebrecht

Quellen:

Emil Liebrecht. Dissertation 1896. Verlag Th. F. Semmler, Leipzig. Staatsbibliothek Berlin

Bundesarchiv: R9347 Kassenärztliche Vereinigung Deutschlands, Reichsarztregister, Liebrecht, Emil

Literatur:

Peter Ambros und Reinhard Kühn: Juden in medizinischen Berufen. In; Juden in Chemnitz Hrg: Nitsche, Jürgen, Röche, Ruth. Sandstein Verlag, 2002, Dresden. Seite 104 – 115

Weintroub, Jill. ‚Some Sort of Mania‘: Otto Hartung Spohr and the Making of the Bleek Collection. Kronos [online]. 2006, vol.32, n.1 [cited  2026-06-08], pp.114-138. Available from: <http://www.scielo.org.za/scielo.php?script=sci_arttext&pid=S0259-01902006000100006&lng=en&nrm=iso>. ISSN 2309-

Sächsisches Staatsarchiv, 20206 Oberfinanzpräsident Leipzig, Nr. 0869. Registratursignatur S 272/38, 273, 4648

Chemnitzer Tagesblatt und Anzeiger vom 2.4.1933

Weblinks:

https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/freimann/content/pagetext/257989 (Festschrift zur Feier des hundertjährigen Bestehens der Knabenschule der jüdischen Gemeinde in Berlin). Zugriff 8.6.2026

https://sachsen.digital/sammlungen/historische-zeitungen (Sachsen digital. Historische Zeitungen) Zugriff 4.6.2026

https://digital.zbmed.de/medizingeschichte/periodical/structure/4948689 (Reichsmedizinalkalender)

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