Dr. med. Emil Liebrecht
- 09.03.1872, Hamburg
- 22.12.1952, Kapstadt, Südafrika
- Geflohen 1939, Südafrika
- Chemnitz
- Spezialarzt für Magen-, und Darmkrankheiten
„Verfasser, Emil Liebrecht, wurde als Sohn des Lehrers Dr. Eduard Liebrecht am 9.März 1872 in Hamburg geboren. Im Sommer 1873 siedelten seine Eltern nach Berlin über. Daselbst trat er Michaelis 1878 in die Vorschule, Ostern 1881 in die Sexta des Sophien-Gymnasiums ein. Nachdem er dasselbe mit dem Zeugnis der Reife verlassen, liess er sich Ostern 1890 an der Berliner Universität immatrikuliren, um Medizin zu studiren. Am 4. Mai 1892 bestand er die ärztliche Vorprüfung, am 17.Juni 1895 das Staatsexamen.“ So Emil Liebrecht im Lebenslauf seiner 1896 an der Universität Leipzig eingereichten Dissertation „Über Icterus und acute gelbe Leberatrophie in der Frühperiode der Syphilis“.
Emil Liebrecht wurde in einer jüdischen Familie geboren. Der Vater Eduard Liebrecht studierte Mathematik und Philologie in Breslau, heute Wroclaw (Polen), und war seit 1856 Lehrer an der jüdischen Schule in Gleiwitz, heute Glivice (Polen). Er übernahm 1863 die Leitung der jüdischen Schule in Altona. Von 1871 bis 1873 unterrichtete er an einer höheren Schule in Hamburg. Ab 1. Juni 1874 wurde er Lehrer an der Knabenschule der jüdischen Gemeinde in Berlin. Er starb 1907 und wurde auf dem jüdischen Friedhof Berlin Weissensee beerdigt. Emil Liebrechts Mutter war die 1843 geborene Johanna, geborene Landsberger.
Ausbildung und Wirkungsstätte
Nach seinem Studium reiste Emil Liebrecht als Schiffsarzt nach Südamerika. Er lies sich nach seiner Rückkehr am 26. Februar 1896 in Britz bei Berlin als Arzt nieder. Britz gehört heute zum Bezirk Gropiusstadt.
Über seine weitere Ausbildung ist wenig bekannt. 1903 lässt er sich als Facharzt für Magen- und Verdauungskrankheiten in Chemnitz in der Kronenstraße 8 (teilweise 9 angegeben) nieder. Im Reichsmedizinalkalender 1903 ist dies erstmals gekennzeichnet mit dem Magensymbol.
Er gehört somit zu den ersten, die sich für das neue Spezialgebiet ausgebildet und als Facharzt niedergelassen hatten. 20 Jahre später lässt sich ein weiterer Magen-Darm-Spezialist, Paul Holzer, in Chemnitz nieder, ebenfalls in der Kronenstraße.
Emil Liebrecht heiratete Else Cohn aus Frankfurt a. O., die am 14.5. 1879 geborene Tochter von Sally Cohn und Rosalie, geb. Stargardt. 1912 wurde die Tocher Lotte geboren.
Nach 1933
Schon bald nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten wurden die Maßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung in Chemnitz durchgesetzt. Emil Liebrecht wurde wie andere jüdische Ärzte auf die Liste der jüdischen Geschäfte gesetzt, die die Bevölkerung zum Boykott aufrief. Diese Liste wurde in den Tageszeitungen von Chemnitz Anfang April 1933 veröffentlicht.
Es folgten der Entzug der Kassenzulassung, der Approbation und die Pflicht zur Vermögensabgabe. Die NS-Behörden ordneten an, dass der Familie nur eine geringe monatliche Summe zur Verfügung gestetllt wurde. Jede weitere Ausgabe z.B. zur Vorbereitung ihrer Ausreise musste Else Liebrecht vorab bei der NS-Vermögensverwaltung beantragen.
Emil und Else Liebrecht flohen im Januar 1939 nach Südafrika. Die Tochter Lotte (Charlotte), verheiratet mit Otto Hartung Spohr, war bereits 1936 mit ihrem Ehemann über England nach Südafrika geflohen.
Ob Emil Liebrecht in Südafrika ärztlich tätig sein konnte, ist unbekannt. Er starb 80jährig am 22. 12. 1952 in einem jüdischen Altersheim in Kapstadt, Südafrika und wurde auf dem Pinelands 1 Jewish Cemetery in Kapstadt bestattet. Seine Ehefrau Else nahm sich 1941 in Bulawayo, Rhodesien, heute Simbawne, selbst das Leben
Emil Liebrechts 1873 geborene Schwester Anna floh mit ihrem Ehemann Barned Stern in die USA, ebenso die jüngere Schwester Ella Moser, geboren 1878.
Beitrag von Dr. med. Cornelie Haag, Dresden. Stand 8.6.2026
Quellen und Literatur
zu den Quellen