Eine Erinnerungsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
In Erinnerung an

Dr. med.
Emil Medak
1890 - 1983

Emil Medak. Quelle: Bild www,myheritage.de. Unterschrift Landesarchiv Berlin B Rep. 025-07 3327 59
Emil Medak. Quelle: Bild www,myheritage.de. Unterschrift Landesarchiv Berlin B Rep. 025-07 3327 59

Mitglied seit 1929

Ausbildung 1. Medizinische Universitätsklinik Wien

Niederlassung in Bad Vöslau

Flucht nach Palästina

Emil Medaks Studienbuch © Familie Medak
Emil Medaks Studienbuch © Familie Medak
Biochemische Zeitschrift 1914; 59: 419-428
Biochemische Zeitschrift 1914; 59: 419-428
Berl. klin. Wchnschr 1915; 52: 706-709 und 740-743
Berl. klin. Wchnschr 1915; 52: 706-709 und 740-743
Emil Medak in seiner Bibliothek © Familie Medak
Emil Medak in seiner Bibliothek © Familie Medak
Zeichungen Emil Medaks der zwangsabgegebenen Wertgegenstände. Quelle: Landesarchiv Berlin B Rep. 025-07 3327 59
Zeichungen Emil Medaks der zwangsabgegebenen Wertgegenstände. Quelle: Landesarchiv Berlin B Rep. 025-07 3327 59
Emil Medaks Recept-Taschenbuch das er mit auf die Flucht genommen hat © Familie Medak
Emil Medaks Recept-Taschenbuch das er mit auf die Flucht genommen hat © Familie Medak
Grabstelle Emil Medaks. Quelle:  https//gravez.me.en
Grabstelle Emil Medaks. Quelle: https//gravez.me.en

Dr. med. Emil Medak

  • 0‌2‌.‌0‌2‌.‌1‌8‌9‌0‌, Wien
  • 2‌1‌.‌0‌4‌.‌1‌9‌8‌3‌, Tel Aviv, Israel
  • Mitglied seit 1929
  • Geflohen 1939, Palästina
  • Bad Vöslau
  • praktischer Arzt

Emil Medak wurde als zweites von fünf Kindern von Ludwig Medak und Johanna, geb. Korsower am 2.Februar 1890 in Wien geboren. Der Familie Medak gehörte seit 1909 das Café Dobner in Wien, eines der größten Kaffeehäuser der Stadt. Das Café wurde im Juni 1938 von den Nationalsozialisten arisiert. Dabei erhielt die Familie nur einen Bruchteil des eigentlichen Kaufwertes.

Briefpapier und Briefumschlag Cafe Dobner. Quelle: Familie Medak
Briefpapier und Briefumschlag Cafe Dobner. Quelle: Familie Medak

Emil Medaks Vater Ludwig starb 1942, seine Frau Johanna wurde in das Ghetto   Theresienstadt deportiert, wo sie 1943 unter den Ghettobedingungen starb. Emil Medaks Schwester Selma (1895-1935) kam bei einem Unfall ums Leben. Seine drei anderen Schwestern konnten in die USA (Ella 1888-1972 und Bettina 1891-1972) bzw. England (Paula 1902 -1990) fliehen. Die Familie gehörte der jüdischen Glaubensgemeinschaft an. Ludwig und Emil Medak engagierten sich aktiv in jüdischen Gemeinden und Synagogen und waren zeitweise Vorsitzende ihrer Gemeinden.

Ausbildung und Wirkungsstätte

Emil Medak besuchte das Wiener k.k. Staatsgymnasium, legte am 9.7.1908 die Matura ab und studierte ab Wintersemester 1908/09 an der Medizinischen Fakultät Wien. Er legte seine Examina am 29.3.1911, 31.10.1913 und 15.1.1914 ab. Ein weiteres Semester hat er 1913/1914 an der Philosophischen Fakultät Physik und Chemie studiert. Am 23.1.1914 wurde er zum Dr. med. promoviert.

Emil Medaks Studienbuch © Familie Medak
Emil Medaks Studienbuch © Familie Medak

Emil Medak diente im Ersten Weltkrieg als Offizier im Sanitätskorps der österreichischen Armee, zunächst an der russischen Front, dann in Rumänien und schließlich an der italienischen Front. Er erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter das Karl-Truppenkreuz und die Militärverdienstmedaille „Signum laudis“ in Silber am Bande des Militärverdienstkreuzes mit Schwerter, ebenso die in Bronze.

Emil Medak im 1. Weltkrieg. © Familie Medak
Emil Medak im 1. Weltkrieg. © Familie Medak

Seine internistische Ausbildung erhielt Emil Medak in der 1. Medizinischen Universitätsklinik in Wien unter Karl Friedrich Wenckebach. In der Biochemischen Zeitschrift veröffentlichte er 1914 einen „Beitrag zur Chemie des Blutes bei anämischen Krankheitsbildern“.

Emil Medak als Fechter. © Familie Medak
Emil Medak als Fechter. © Familie Medak

Gemeinsam mit Bruno Oskar Pribram publiziert er 1915 in der Berliner Klinischen Wochenschrift die „Klinisch-pathologische Bewertung von Gallenuntersuchungen am Krankenbett“. Dieser Beitrag zur Analyse der über eine Duodenalsonde gewonnenen Galleflüssigkeit ist eine der frühen Arbeiten zum differentialdiagnostischen Wert dieser Methode bei den verschiedenen Erkrankungen. Ziel war die Abgrenzung z.B. von Lebererkrankungen zu hämatologischen Erkrankungen zu einem Zeitpunkt an dem die Physiologie des Bilirubins noch nicht bekannt war. In den Folgejahren wird diese Arbeit breit rezipiert.

Biochemische Zeitschrift 1914; 59: 419-428
Biochemische Zeitschrift 1914; 59: 419-428
Berl. klin. Wchnschr 1915; 52: 706-709 und 740-743
Berl. klin. Wchnschr 1915; 52: 706-709 und 740-743

Am 18. November 1919 heiratete Emil Medak Ida Cohn, die am 3. Dezember 1891 geborene Tochter einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie in St. Pölten und Wien.  Am 23. September 1920 wird die Tochter Gertrude geboren, am 25.August 1923 der Sohn Walter.

Familienbild Ende der 1920er Jahre. Sohn Walter vorne in der Mitte, direkt dahinter Ehefrau Ida und hinter ihr Emil Medak, daneben seine Eltern. © Familie Medak
Familienbild Ende der 1920er Jahre. Sohn Walter vorne in der Mitte, direkt dahinter Ehefrau Ida und hinter ihr Emil Medak, daneben seine Eltern. © Familie Medak

1925 lässt Emil Medak sich als praktischer Arzt in Bad Vöslau, Niederösterreich, nieder. Dieser kleine Kurort liegt im Bezirk Baden und gehört zu dessen israelitischen Kultusgemeinde. Emil Medak engagierte sich in der Kultusgemeinde in Ausschüssen als Vertreter der Liste Jüdische Arbeitsgemeinschaft

Emil Medak in seiner Bibliothek ca. 1930. ©  Familie Medak
Emil Medak in seiner Bibliothek ca. 1930. © Familie Medak

Nach 1933

Bereits vor dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 litten die Juden und Jüdinnen in Österreich unter einem zunehmenden Antisemitismus. Niederösterreich mit seinen 15 Israelitischen Kultusgemeinden war nach Wien das Land in Österreich mit den meisten Jüdinnen und Juden. Bad Vöslau gehörte zur recht großen Kultusgemeinde Baden und verzeichnete 1934 selbst aber nur 99 jüdische Mitbürger und ein Bethaus. Nach den Pogromen vom 11. und 12. März 1938 flohen viele Jüdinnen und Juden von Niederösterreich nach Wien. Bis Oktober 1938 waren die Hälfte der jüdischen Einwohner Niederösterreichs geflohen.  Am 25. Juli 1938 wurde den jüdischen Ärzten verboten, Nichtjuden zu behandeln und sie durften sich nur noch „Krankenbehandler“ nennen. Von den 1150 Ärzten in Niederösterreich waren 117 Juden und nach dem Ausschluss der jüdischen Ärzte hatten die Gemeinden in Niederösterreich erhebliche Probleme die Stellen zu besetzen. In Bad Vöslau mussten die Jüdinnen und Juden im Zuge der sogenannten Entjudung den Ort bis zum 1. Oktober 1938 verlassen.

Flucht nach Palästina

Die Kinder Emil Medaks fliehen nach Palästina die 17-jährige Gertrude Medak kommt dort am 13.September 1938 an, der 15-jährige Sohn Walter am 7. Oktober 1938. Emil Medak schließt seine Praxis in Bad Vöslau zum 30.September 1938 und zieht zusammen mit seiner Frau nach Wien in eines der Judenhäuser in der Köstlergasse 5. Sein Vermögen wird eingezogen und wertvolle Gegenstände müssen im Dorotheum (Auktionshaus in Wien) am 27. März 1939 abgegeben werden.

Zeichungen Emil Medaks der zwangsabgegebenen Wertgegenstände. Quelle: Landesarchiv Berlin B Rep. 025-07 3327 59
Zeichungen Emil Medaks der zwangsabgegebenen Wertgegenstände. Quelle: Landesarchiv Berlin B Rep. 025-07 3327 59
Zeichnungen Emil Medaks der zwangsabgegebenen Wertgegenstände. Quelle: Landesarchiv Berlin B Rep. 025-07 3327 59
Zeichnungen Emil Medaks der zwangsabgegebenen Wertgegenstände. Quelle: Landesarchiv Berlin B Rep. 025-07 3327 59

Emil Medak verlässt Österreich am 29. April1939. Er reist illegal mit dem Schiff S.S. Liesel nach Palästina ein.

Emil Medaks Recept-Taschenbuch das er mit auf die Flucht genommen hat © Familie Medak
Emil Medaks Recept-Taschenbuch das er mit auf die Flucht genommen hat © Familie Medak

Er kommt am 3. Juni 1939 (oder 4. Juni 1939) in Haifa an und wird sofort verhaftet. Ida Medak zieht in das Judenhaus Berggasse 13 um. Sie wird mit dem Transport 32 am 17.Juli 1942 von Wien nach Auschwitz deportiert und dort 1943 ermordet.

In den Jahren des britischen Mandats in Palästina war die Immigration stark begrenzt. Die meisten Jüdinnen und Juden beantragten vergebens ein Einreisevisum für Palästina. Mit der zunehmenden Judenverfolgung Ende der 30er Jahre kam es zu einer Zunahme der illegalen Einreise, organisiert durch die verschiedensten Organisationen. Die Passagiere der S.S. Liesel gehörten zu den Flüchtenden, die von Wien aus über die Donau nach Rumänien gelangten und von dort über das Schwarze Meer weiterreisten. Die Donau galt als internationales Gewässer, so dass nur Transitvisa für Rumänien erforderlich waren. Am Abend des 29. Aprils 1939 fuhren in Wien 720 Flüchtlinge mit organisierten Straßenbahnsonderzügen zur Station der Donaudampfschifffahrtgesellschaft bei der Reichsbrücke zur Fahrt nach Sulina (Rumänien). Mit weiteren 200 Passagieren stach das Schiff am 22. Mai 1939 von Rumänien aus in die See mit Ziel Palästina. Noch vor der geplanten -illegalen – Landung wurde sie von den Briten aufgebracht und von einem Kriegsschiff nach Haifa eskortiert.

Die Dauer der Inhaftierung Emil Medas ist unbekannt. Er arbeitete einige Monate lang im Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem, danach vom 22. November 1940 bis zum 31. März 1948 als Allgemeinmediziner in Givat Ada, einer kleinen Stadt zwischen Haifa und Tel Aviv, die heute zu Benymina gehört Givat Ada war zu der Zeit eine landwirtschaftliche Moshava, eine Siedlungsform im damaligen Palästina, bei der im Gegensatz zum Kibbuz die Bauern Einzelbauern mit eigenen Produktionsmitteln sind und es kein Kollektiveigentum gibt.

Emil Medak in späten Jahren in Israel © Familie Medak
Emil Medak in späten Jahren in Israel © Familie Medak

Ab dem 1. Juli 1948 lebt Emil Medak in Tel Aviv in der Pinskerstreet 23, dort hatte er über viele Jahre seine Praxis. Er heiratet 1956 Elsa Abramowicz (1904 bis 1979) und stirbt 93jährig  am 21. April 1983. Seine Grabstelle befindet sich auf dem Friedhof Kiryat Shaul in Tel Aviv.

Grabstelle Emil Medaks. Quelle:  https//gravez.me.en
Grabstelle Emil Medaks. Quelle: https//gravez.me.en

Eigene Publikationen (Auswahl)

  1. Beitrag zur Chemie des Blutes bei anämischen Krankheitsbildern. Biochemische Zeitschrift 1914; 59: 419-428
  2. Klinisch-pathologische Bewertung von Gallenuntersuchungen am Krankenbett. Berl. klin. Wchnschr 1915; 52: 706-709 und 740-743.
Danksagung

Dank an Dr. Ulrike Denk, Universitätsarchiv Wien, den MitarbeiterInnen des Landesarchivs Berlin, des Landesarchivs Niederösterreich und des Staatsarchivs Österreich in Wien.

Größter Dank gebührt Ada Medak, der Enkelin von Emil und Ida Medak, für wertvolle Informationen und die Überlassung und Abdruckgenehmigung der höchst eindrücklichen Fotographien aus dem Familienarchiv.

Dank an das Heeresgeschichtliches Museum, Abteilung Sammlungen und Ausstellung, Wien

Dr. med. Cornelie Haag, Dresden. Stand 13.10.205


Quellen und Literatur
zu den Quellen
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Quellen/Literatur/Weblinks

Biografie von Dr. med. Emil Medak

Quellen:

Adressbuch Wien (Lehmann’s allgemeiner Wohnungs-Anzeige)

Österreichisches Staatsarchiv (AT-OeStAAdR Finanzen VVSt VA 45.421)

United States Holocaust Memorial Museum (USHMM): Illegal Immigration to Palestine (RG 17) (ID: 15601)

Universitätsarchiv Wien

Niederösterreichisches Landesarchiv (RStH ND IVd-8 VA-M081)

Landesarchiv Berlin (B Rep. 025-07 3327 59)

Literatur:

Robert Lackner: Wie ein junger Anwalt tausende Juden rettete. Verlag Kremayr & Scheriau 2024. Seite 88, 164

Unfried, Berthold: „Arisierung“ und Restitution Wiener Cafés. In Felber, Ulrike:  Ökonomie der Arisierung. Seite 878-883. R. Oldenburg Verlag 2004

Christoph Lind: „Der letzte Jude hat den Tempel verlassen“. Juden in Niederösterreich 1938 bis 1945. Mandelbaumverlag Wien 2004

Weblinks

Internationales Zentrum über NS-Opfer – Arolsen Archiv.
https://collections.arolsen-archives.org/en/search/person/130502108?s=Johanna%20Medak&t=532999&p=0  15.5.2025
https://collections.arolsen-archives.org/en/search/person/130501867?s=Ida%20Medak&t=532991&p=0. 15.5.2025

https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=bzt&datum=19340627&seite=4&zoom=33Badener Zeitung (Badener Zeitung 27.6.1934, Seite 4) 15.5.2025

https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sto&datum=19381001&seite=6&zoom=33 (Stockerauer Zeitung vom 1. Oktober 1938, Seite 6), 15.5.2025

https://www.yadvashem.org/

https://genealogy.org.il/

www.ancestry.com

www.myheritage.de

https://www.memento.wien/address/8428/ (Wohnung Ida Medak, Judenhaus Berggasse 13). 15.5.2025

https://en.wikipedia.org/wiki/Binyamina-Giv%27at_Ada. 15.5.2025

https://gravez.me/en/deceased/366F9BBA-BCA0-47A8-94D7-B352B3B8C88E 20.5.2025