Dr. med. Ernst (Ernö) Egan
- 12.10.1885, Brünn, heute Brno, Tschechien
- 13.04.1945, Göstling, Österreich
- Mitglied seit 1925
- Deportiert im Jahre 1944
- Szeged
- Internist und Radiologe
Ernö Egan wurde als Ernst Engelsmann am 2. Oktober 1885 als Sohn des Kaufmanns Wilhelm Engelsmann und seiner Frau Therese, geb. Wertheimer in Brünn im damaligen Österreich-Ungarn geboren. Sein Großvater Adolf war Arzt in Wien. Seine Familie bekannte sich zur jüdischen Glaubensgemeinschaft.
Ernst Engelsmann studierte Medizin an der Königlich- Ungarischen Universität in Budapest. Sein Name ist dort in den Studierendenlisten von 1905 bis 1909 nachweisbar.
Ausbildung und Wirkungsstätte
1909 bis 1910 arbeitete er in der Augenklinik des Budapester Universitätsklinikums. Am 7. Oktober 1910 änderte Ernst Engelsmann seinen Familiennamen in Egan und nannte sich fortan Ernö Egan (Eintrag im Geburtsregister in Brünn).
Egan wechselte in die 3. Medizinische Universitätsklinik in Budapest unter der Leitung von Baron Sandor (Alexander) von Koranyi (1866 bis 1944), der über viele Jahre die Innere Medizin in Budapest prägte und wie Egan ebenfalls Mitglied der (D)GVS war.
In den Protokollen der Dekanatssitzungen der Budapester Medizinischen Fakultät ist nachzulesen, dass der Vertrag von Ernö Egan als unbezahlter Praktikant Jahr für Jahr bis 1919 verlängert wird. 1912 publiziert er zusammen mit Rudolf Balint zur veränderten Reizbarkeit der Muskeln bei verschiedenen Erkrankungen. Rudolf Balint war ein bekannter ungarischer Neurologe (1874 bis 1929) und Erstbeschreiber des Balint- Syndroms.
Während dieser Zeit in der 3. Medizinischen Klinik des Universitätsklinikums Budapest hielt Ernst Egan Kontakt zu Kollegen in Wien, möglicherweise hospitierte er zeitweise in der österreichischen Hauptstadt. In Zusammenarbeit mit dem Zentralen Röntgeninstitut des allgemeinen Krankenhauses in Wien unter der Direktion von Guido Holzknecht publiziert Egan eine Arbeit über „Azidität und Entleerung. Untersucht mittels Dauermagensonde und Durchleuchtung“ und in Zusammenarbeit mit Otto Porges eine Arbeit über die Mehlsuppe in der Diätbehandlung bei der Ulkuskrankheit.
Im Ersten Weltkrieg nahm er als Oberarzt im 1. Honvéd Budapest Infanterie-Regiment teil. Er arbeitete im Feldlazarett und leitete dort die Infektionsabteilung. In Russland erkrankte er an Malaria, führte aber bald seine Tätigkeit im Spital fort. Er wurde mehrmals befördert und erhielt Auszeichnungen. Egan wertete die Therapieergebnisse bei den erkrankten Soldaten wissenschaftlich aus. Aus dieser Arbeit resultierte die Publikation „Zur Klinik und Pathogenese der Ruhr“, die nach Kriegsende erschien.
1919 ließ sich Ernö Egan in Szeged in der Mikszáth Kálmán-Straße 4 als Internist und Radiologe nieder.
Am 19.12.1922 heiratete er die 1900 geborene Anna Fried, 1926 wird die Tochter Marianne geboren.
Neben der Praxis ist er Leiter der Röntgenabteilung im Toth-Sanatorium, einem kleineren Krankenhaus in Szeged, wenige Straßen entfernt von seiner Praxis.
Nach 1933
Der Antisemitismus manifestierte sich auch in Ungarn um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert deutlich. Änderungen von deutschen bzw. jüdisch klingenden in ungarische Namen kamen nicht selten vor. 1920 wurde an den Universitäten ein Numerus clausus eingeführt, der die Zahl der jüdischen Studierenden begrenzte. 1938 wurden in Ungarn antijüdische Gesetze erlassen (Beschränkung des Anteils von Jüdinnen und Juden in Banken, Industriebetrieben, im Journalismus). Nachdem die ungarische Regierung 1941 an der Seite Deutschlands der Sowjetunion den Krieg erklärt hatte, schob sie Tausende Jüdinnen und Juden aus der Karpatenukraine in den deutsch besetzen Teil der Ukraine ab. Dort wurden sie ermordet. Seit dem Herbst 1942 setzte Deutschland die ungarische Regierung unter Druck, die ungarischen Jüdinnen und Juden auszuliefern. Dieses wurde zunächst abgelehnt. 1943 wurden jedoch jüdische Arbeitsdienstsoldaten an Deutschland ausgeliefert.
Nachdem die deutsche Wehrmacht am 19.März 1944 Ungarn besetzt hatte, begannen systematisch die Deportationen der Jüdinnen und Juden nach Auschwitz und in andere Vernichtungslager. Etwa 200 000 wurden nicht sofort ermordet, sondern in Deutschland und den besetzen Gebieten als Zwangsarbeiter*innen eingesetzt, unter anderem in Österreich. Von den 825.000 Menschen, die in Ungarn innerhalb der Grenzen von 1941 bis 1945 lebten und nach der NS-Rassenideologie als Juden bezeichnet wurden, starben im Holocaust etwa 565.000 (68,5 %); die übrigen 260.000 überlebten.
Ab dem 17. Juli 1944 wurden 80 ungarische Jüdinnen und Juden (u.a. Ärzte, Tierärzte, Kaufleute, Bankdirektoren mit ihren Familien) nach Göstling, Niederösterreich deportiert und leisteten dort Zwangsarbeit. Darunter auch Ernö Egan mit seiner Frau Anna und Tochter Marianne.
Sie waren sogenannte Austauschjuden, die durch Verhandlungen gegen Kriegsgüter und Devisen gerettet werden sollten. Am 13.April 1945 befanden sich noch 76 Menschen in dem Lager, unter ihnen Ernö Egan sowie seine Ehefrau und Tochter, als eine Gruppe von lokalen Nationalsozialisten (Waffen -SS, Hitlerjugend) in den frühen Morgenstunden das „Judenlager liquidierte“, indem sie die Baracken in Brand setzten, Handgranaten warfen und mit Panzerfäusten in die Baracken schossen. Flüchtende wurden mit Maschinenpistolen erschossen.
Danach zog die Gruppe weiter und richtete in den Folgetagen zwei weitere Massaker an ungarischen Jüdinnen und Juden im Kreis Scheibbs in Randegg und Gresten an.
Die Toten werden zunächst an Ort und Stelle begraben. Einige Jahre später wurden sie dann exhumiert und auf dem Friedhof Göstling beigesetzt. Eine Gedenktafel erinnert an diese Menschen.
Auf der Gedenksäule auf dem Friedhof Göstling finden sich die Namen von Dr. Ernö Egan, seiner Frau Anna und der Tochter Marianne.
Danksagung
Dank an die Mitarbeitenden des Instituts für Militärgeschichte und Museum, Budapest.
Besonderen Dank an Klára Majoros, Ungarn, für wertvolle Informationen über Ernö Egan.
Beitrag von Dr. med. Cornelie Haag, Dresden. Stand 26.7.2025
Quellen und Literatur
zu den Quellen