Eine Erinnerungsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
In Erinnerung an

Dr. med.
Ernst Emanuel Ehrlich
1874 - 1942

Dissertation. Kopie Archiv H Je
Dissertation. Kopie Archiv H Je

Studium in Breslau

Promotion im Institut für Physiologie, Universität Breslau

Niederlassung in Erfurt

Deportation ins Ghetto Theresienstadt

Reichsmedizinalkalender 1937. Der Doppelpunkt stigmatisiert Ernst Ehrlich als Juden © Arch H Je
Reichsmedizinalkalender 1937. Der Doppelpunkt stigmatisiert Ernst Ehrlich als Juden © Arch H Je
Inhaftierungsdokument Ghetto Theresienstadt. Quelle: Arolsen Archiv
Inhaftierungsdokument Ghetto Theresienstadt. Quelle: Arolsen Archiv
Todesfallanzeige Ghetto Theresienstadt. Quelle: www.holocaust.cz
Todesfallanzeige Ghetto Theresienstadt. Quelle: www.holocaust.cz

Dr. med. Ernst Emanuel Ehrlich

  • 1‌3‌.‌0‌7‌.‌1‌8‌7‌4‌, Beuthen, heute Bytom, Polen
  • 1‌3‌.‌1‌0‌.‌1‌9‌4‌2‌, Ghetto Theresienstadt, heute Terezin, Tschechien
  • Deportiert im Jahre 1942
  • Erfurt
  • Facharzt für Magen,-Darm- und Stoffwechselkrankheiten

Ernst Ehrlich wurde als Sohn des Justizrates, Rechtsanwalts und Notars Max Ehrlich und seiner Ehefrau Charlotte, geb. Schlesinger, mosaischer Konfession, am 13. Juli 1874 zu Beuthen, Oberschlesien, heute Bytom, Polen, geboren. Er erhielt seine Schulbildung zuerst auf der Elementarschule, dann auf dem Gymnasium von Beuthen. Im Februar 1894 legte er die Reifeprüfung ab.

 

Ausbildung und Wirkungsstätte

Nach dem Abitur studierte Ehrlich Medizin an der Universität Breslau. Zu seinen Lehrern gehörten die Physiologen Rudolf Heidenhain und dessen Nachfolger Karl Hürthle, der bekannte Chirurg Johann von Mikulicz, der Internist Alfred Kast, der Dermatologe Albert Neisser, der Pharmakologe Wilhelm Filehne, der Neurologe Carl Wernicke sowie der Pädiater Adalbert Czerny. An der Breslauer Universität legte Ehrlich im Februar 1899 das medizinische Staatsexamen ab (vgl. Lebenslauf Ehrlichs in seiner Dissertationsschrift, S. 28 f). Im gleichen Jahr wurde er in Breslau mit der Arbeit „Stoffwechselversuche mit phosphorhaltigen und phosphorfreien Eiweisskörpern“ promoviert, die er im Chemischen Laboratorium des Breslauer Physiologischen Instituts (Leiter Karl Hürthle) angefertigt hatte. Seine ärztliche Approbation erhielt Ernst Ehrlich 1899.

Seit November 1899 diente Ehrlich als „Einjähriger-Freiwillger“ beim Militär als Arzt in Berlin. Die weiteren Stationen seiner medizinischen Weiterbildung und seiner frühen Spezialisierung sind bisher nicht dokumentiert.

Im Reichsmedizinalkalender 1903 wird Ehrlich erstmals als niedergelassener Spezialarzt für Magen- und Darmkrankheiten in Erfurt genannt. Seine Facharztpraxis wird er 35 Jahre bis zum September 1938 in Erfurt führen.

Am 29. Oktober 1913 heiratete Ernst Ehrlich in Beuthen die aus Berlin stammende Herta Henriette Cohn (geb. 20.12. 1890). 1914 wurde die Tochter Ruth Ursel geboren, 1917 der Sohn Werner.

Am Ersten Weltkrieg nahm Ehrlich aktiv im Sanitätsdienst teil.

 

 

Nach 1933

Ehrlich erlebte seit dem Frühjahr 1933 die antijüdischen Maßnahmen der Nationalsozialisten, so den Boykott der jüdischen Arztpraxen am 1. April 1933.

Er konnte als sogenannter Frontkämpfer im Ersten Weltkrieg („Frontkämpfer-Privileg“) zunächst weiterhin in der Erfurter Bahnhofstrasse 40 (seit 1933 Adolf Hitler Strasse) praktizieren.

Reichsmedizinalkalender 1937. Der Doppelpunkt stigmatisiert Ernst Ehrlich als Juden © Arch H Je
Reichsmedizinalkalender 1937. Der Doppelpunkt stigmatisiert Ernst Ehrlich als Juden © Arch H Je

Mit dem 30. September 1938 wurde ihm nach 35-jähriger fachärztlicher Tätigkeit in Erfurt die Approbation entzogen.

Nach dem Novemberpogrom wurde Ernst Ehrlich vom 10. bis 26. November 1938 im KZ Buchenwald inhaftiert. Seit Juli 1939 war er als „Krankenbehandler“ zur ausschließlichen Behandlung jüdischer Patient*innen zugelassen.

Ernst Ehrlich wurde am 20. September 1942 mit dem Transport XVI/1 aus Erfurt in das Ghetto Theresienstadt, heute Terezin, Tschechien, deportiert.

Inhaftierungsdokument Ghetto Theresienstadt. Quelle: Arolsen Archiv
Inhaftierungsdokument Ghetto Theresienstadt. Quelle: Arolsen Archiv

Er starb dort 68-jährig unter den Ghettobedingungen am 13.10.1942.

Todesfallanzeige Ghetto Theresienstadt. Quelle: www.holocaust.cz
Todesfallanzeige Ghetto Theresienstadt. Quelle: www.holocaust.cz

Herta Henriette Ehrlich-Cohn – die Ehe war 1933 geschieden worden, Herta Ehrlich übersiedelte danach zurück in ihre Geburtsstadt Berlin – wurde aus Berlin im März 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Sie wurde dort am 12.3.1943 ermordet.

Der ältere, 1869 geborene Bruder Ernst Ehrlichs, Franz Louis Ehrlich, ebenfalls Spezialarzt für Magen-, Darm- und Stoffwechselkrankheiten, war in Stettin niedergelassen. Er wurde im Februar 1940 in das Ghetto Głusk bei Lublin deportiert und starb 1942 im Ghetto an den Folgen einer Infektion mit Flecktyphus.

Die Tochter Ernst und Herta Ehrlichs, Ruth Ursel, geb. 1914, sowie der Sohn Werner Ehrlich (William Ellis), geb. 1917, konnten aus Deutschland fliehen und gelangten beide nach Australien.

Seit 2010 wird in Erfurt mit der Fünften DenkNadel im Erfurter Straßenbild an den jüdischen Arzt Dr. Ernst Ehrlich erinnert.

 

Beitrag von Dr. med. Harro Jenss, Worpswede, Stand 30. 12. 2025


Quellen und Literatur
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Quellen/Literatur/Weblinks

Biografie von Dr. med. Ernst Emanuel Ehrlich

Quellen

Reichsmedizinalkalender 1903 [Preussen, Prov. Sachsen, Reg.bez. Erfurt, S. 224], 1910, 1926 und 1937 [S. 285]

Literatur

Ehrlich E. Stoffwechselversuche mit phosphorhaltigen und phosphorfreien Eiweisskörpern. Med. Dissertation, Universität Breslau. Bayersische Staatsbibliothek (BSB), Diss.med. 336-68 [darin Lebenslauf, S. 28 f]

Hoschek J. Ausgelöschtes Leben: Juden in Erfurt 1933 – 1945, Biographische Dokumentation. Jena: Verlag Vopelius 2013, S. 104 – 105.

Wolf S. [ Redaktion] Juden in Thüringen 1933 – 45, biographische Daten. Band 1. [Hg] Europäisches Kulturzentrum in Thüringen, Erfurt, Forschergruppe „Geschichte der Juden im nationalsozialistischen Thüringen“, Erfurt, Eigenverlag 2000, S. 98

 Weblinks

https://www.geni.com/people/Ernst-Ehrlich/6000000045710341824 [contribution by Sharon Meen, Canada], Stand 30.12. 2025

 https://collections.arolsen-archives.org/de/search/person/4972005?s=Ernst%20Emanuel%20Ehrlich%20&t=2546976&p=0 [Inhaftierungsliste Ghetto Theresienstadt, Ernst Emanuel Ehrlich, geb. 13.7.1874], Stand 30.12.205

https://www.holocaust.cz/de/datenbank-der-digitalisierten-dokumenten/dokument/86087-ehrlich-ernst-todesfallanzeige-ghetto-theresienstadt/ [Dr. Ernst Emanuel Ehrlich, geb. 13.7.1874 in Beuthen], Stand 30.12. 2025

https://www.juedisches-leben-thueringen.de/gedenkbuch-1?add=1&no_cache=1&tx_jomuseoold_pi1009%5Bcontroller%5D=Museo&tx_jomuseoold_pi1009%5Blocation%5D=Erfurt [Erinnerung an Herta Henriette Ehrlich, geb. Cohn, geb. 20.12.1890], Stand 30.12.2025

https://collections.yadvashem.org/de/names/11491230 [Opferdatenbank Yad Vashem für Herta Henriette Ehrlich-Cohn mit Gedenkblatt durch die Tochter Ruth Ursel Ehrlich-Müller, 1981] Stand 30.12.2025

https://collections.arolsen-archives.org/de/search/person/131630111?s=Ehrlich%20Franz%201869&t=751750&p=0  Dr. med. Franz Louis Ehrlich, geb. 13.5.1869], Stand 30.12.2025

https://www.erfurt.de/ef/de/service/aktuelles/am/2010/104614.html [Erinnerung an den jüdischen Arzt Dr. Ernst Ehrlich in Erfurt 2010], Stand 30.12.2025

https://hoerstolpersteine.net/dr-ernst-ehrlich-erfurt/ [Erinnerung an Dr. med. Ernst Ehrlich, Erfurt, 2010], Stand 30. 12. 2025