Dr. med. Ernst Emanuel Ehrlich
- 13.07.1874, Beuthen, heute Bytom, Polen
- 13.10.1942, Ghetto Theresienstadt, heute Terezin, Tschechien
- Deportiert im Jahre 1942
- Erfurt
- Facharzt für Magen,-Darm- und Stoffwechselkrankheiten
Ernst Ehrlich wurde als Sohn des Justizrates, Rechtsanwalts und Notars Max Ehrlich und seiner Ehefrau Charlotte, geb. Schlesinger, mosaischer Konfession, am 13. Juli 1874 zu Beuthen, Oberschlesien, heute Bytom, Polen, geboren. Er erhielt seine Schulbildung zuerst auf der Elementarschule, dann auf dem Gymnasium von Beuthen. Im Februar 1894 legte er die Reifeprüfung ab.
Ausbildung und Wirkungsstätte
Nach dem Abitur studierte Ehrlich Medizin an der Universität Breslau. Zu seinen Lehrern gehörten die Physiologen Rudolf Heidenhain und dessen Nachfolger Karl Hürthle, der bekannte Chirurg Johann von Mikulicz, der Internist Alfred Kast, der Dermatologe Albert Neisser, der Pharmakologe Wilhelm Filehne, der Neurologe Carl Wernicke sowie der Pädiater Adalbert Czerny. An der Breslauer Universität legte Ehrlich im Februar 1899 das medizinische Staatsexamen ab (vgl. Lebenslauf Ehrlichs in seiner Dissertationsschrift, S. 28 f). Im gleichen Jahr wurde er in Breslau mit der Arbeit „Stoffwechselversuche mit phosphorhaltigen und phosphorfreien Eiweisskörpern“ promoviert, die er im Chemischen Laboratorium des Breslauer Physiologischen Instituts (Leiter Karl Hürthle) angefertigt hatte. Seine ärztliche Approbation erhielt Ernst Ehrlich 1899.
Seit November 1899 diente Ehrlich als „Einjähriger-Freiwillger“ beim Militär als Arzt in Berlin. Die weiteren Stationen seiner medizinischen Weiterbildung und seiner frühen Spezialisierung sind bisher nicht dokumentiert.
Im Reichsmedizinalkalender 1903 wird Ehrlich erstmals als niedergelassener Spezialarzt für Magen- und Darmkrankheiten in Erfurt genannt. Seine Facharztpraxis wird er 35 Jahre bis zum September 1938 in Erfurt führen.
Am 29. Oktober 1913 heiratete Ernst Ehrlich in Beuthen die aus Berlin stammende Herta Henriette Cohn (geb. 20.12. 1890). 1914 wurde die Tochter Ruth Ursel geboren, 1917 der Sohn Werner.
Am Ersten Weltkrieg nahm Ehrlich aktiv im Sanitätsdienst teil.
Nach 1933
Ehrlich erlebte seit dem Frühjahr 1933 die antijüdischen Maßnahmen der Nationalsozialisten, so den Boykott der jüdischen Arztpraxen am 1. April 1933.
Er konnte als sogenannter Frontkämpfer im Ersten Weltkrieg („Frontkämpfer-Privileg“) zunächst weiterhin in der Erfurter Bahnhofstrasse 40 (seit 1933 Adolf Hitler Strasse) praktizieren.
Mit dem 30. September 1938 wurde ihm nach 35-jähriger fachärztlicher Tätigkeit in Erfurt die Approbation entzogen.
Nach dem Novemberpogrom wurde Ernst Ehrlich vom 10. bis 26. November 1938 im KZ Buchenwald inhaftiert. Seit Juli 1939 war er als „Krankenbehandler“ zur ausschließlichen Behandlung jüdischer Patient*innen zugelassen.
Ernst Ehrlich wurde am 20. September 1942 mit dem Transport XVI/1 aus Erfurt in das Ghetto Theresienstadt, heute Terezin, Tschechien, deportiert.
Er starb dort 68-jährig unter den Ghettobedingungen am 13.10.1942.
Herta Henriette Ehrlich-Cohn – die Ehe war 1933 geschieden worden, Herta Ehrlich übersiedelte danach zurück in ihre Geburtsstadt Berlin – wurde aus Berlin im März 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Sie wurde dort am 12.3.1943 ermordet.
Der ältere, 1869 geborene Bruder Ernst Ehrlichs, Franz Louis Ehrlich, ebenfalls Spezialarzt für Magen-, Darm- und Stoffwechselkrankheiten, war in Stettin niedergelassen. Er wurde im Februar 1940 in das Ghetto Głusk bei Lublin deportiert und starb 1942 im Ghetto an den Folgen einer Infektion mit Flecktyphus.
Die Tochter Ernst und Herta Ehrlichs, Ruth Ursel, geb. 1914, sowie der Sohn Werner Ehrlich (William Ellis), geb. 1917, konnten aus Deutschland fliehen und gelangten beide nach Australien.
Seit 2010 wird in Erfurt mit der Fünften DenkNadel im Erfurter Straßenbild an den jüdischen Arzt Dr. Ernst Ehrlich erinnert.
Beitrag von Dr. med. Harro Jenss, Worpswede, Stand 30. 12. 2025
Quellen und Literatur
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