Eine Erinnerungsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
In Erinnerung an

Prof. Dr. med.
Ernst (Ernest, Ernö) Geiger
1896 - 1959

Portrait um 1939. Quelle: US-Einbürgerungsantrag www.ancestry.de
Portrait um 1939. Quelle: US-Einbürgerungsantrag www.ancestry.de

Mitglied seit 1927

Studium in Graz

Pharmakologisches Institut Pecs

Flucht in die USA

University of California, Los Angeles

Promotionsurkunde der Universität Graz. Quelle: Universitätsarchiv der Universität Graz mit freundlicher Genehmigung
Promotionsurkunde der Universität Graz. Quelle: Universitätsarchiv der Universität Graz mit freundlicher Genehmigung
Archiv für Experimentelle Pathologie und Pharmakologie 1922; 94: 52-73
Archiv für Experimentelle Pathologie und Pharmakologie 1922; 94: 52-73
Klinische Wochenschrift 1925; 4(40): 1912-1914
Klinische Wochenschrift 1925; 4(40): 1912-1914
Science 1950; 111: 594-599
Science 1950; 111: 594-599
Scrimshaw N. Memorial Lecture. The American Journal of Clinical Nutrition 1962; 11: 593-602
Scrimshaw N. Memorial Lecture. The American Journal of Clinical Nutrition 1962; 11: 593-602

Prof. Dr. med. Ernst (Ernest, Ernö) Geiger

  • 3‌1‌.‌0‌5‌.‌1‌8‌9‌6‌, Muraszombat, heute Murska Sobota, Slowenien
  • 0‌3‌.‌0‌6‌.‌1‌9‌5‌9‌, Los Angeles, USA
  • Mitglied seit 1927
  • Geflohen 1939, USA
  • Pécs
  • Arzt, Pharmakologe

Ernst (Ernö, Ernest) Geiger wurde am 31.5.1896 in Muraszomat, heute Murska Sobota, geboren, das bis 1920 zu Ungarn gehörte, danach zum Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS-Königreich). Ab 1929 wurde das Gebiet zum Königreich Jugoslawien und gehörte seit 1941 wieder zu Ungarn.  Nach 1945 wurde es Jugoslawien zugeordnet und ist heute Teil von Slowenien. Diese wechselvolle Geschichte seines Geburtsortes erklärt die unterschiedlichen Angaben zum Land der Geburt und der Nationalität (Ungarn, SHS, Jugoslawien, hebräisch, ungarisch, magyar).

Seine Eltern waren Dr. med. Vilmos (Wilhelm) Geiger und Czeczilla Geiger, geb. Moses. Die Familie bekannte sich zur jüdischen Glaubensgemeinschaft. Ernst Geiger legte die Matura nach den Unterlagen zu seinem Medizinstudium am 27.6.1914 in St. Gotthard ab. Wahrscheinlich ist damit die heutige Stadt Szentogotthardi gemeint, die nicht weit entfernt von Muraszomat liegt.

 

Ausbildung und Wirkungsstätte

Muraszomat liegt im äußersten Nordosten des heutigen Sloweniens nahe der Grenze zu Österreich. Ernst Geiger studierte Medizin in der nur etwa 100 km entfernt liegenden Universitätsstadt Graz. Er legte das erste Rigorosum am 27.11.1919 ab, das zweite am 1.3.1921. Am 30.4. 1921 wurde er promoviert.

In den Unterlagen der Universität Graz wird sein Geburtsdatum an einigen Stellen mit 21.5.1896 angegeben, bei anderen behördlichen Unterlagen mit dem 31.5.1896. In den Prüfungsurkunden der Universität Graz wird vermerkt und musste von ihm bestätigt werden, dass er wegen fehlender österreichischer Staatsangehörigkeit den Arztberuf in Österreich nicht ausüben darf.

Promotionsurkunde der Universität Graz. Quelle: Universitätsarchiv der Universität Graz mit freundlicher Genehmigung
Promotionsurkunde der Universität Graz. Quelle: Universitätsarchiv der Universität Graz mit freundlicher Genehmigung
Verzichtserklärung Ernst Geigers auf Ausübung des ärztlichen Berufs in Österreich. Quelle: Universitätsarchiv der Universität Graz mit freundlicher Genehmigung
Verzichtserklärung Ernst Geigers auf Ausübung des ärztlichen Berufs in Österreich. Quelle: Universitätsarchiv der Universität Graz mit freundlicher Genehmigung

Er arbeitete gemeinsam mit Adolf Jarisch junior am Pharmakologischen Institut der Universität Graz und publizierte mit ihm eine Arbeit über die Wirkung des Strophantins auf das Froschherz.

Archiv für Experimentelle Pathologie und Pharmakologie 1922; 94: 52-73
Archiv für Experimentelle Pathologie und Pharmakologie 1922; 94: 52-73

Zu dieser Zeit war der spätere Nobelpreisträger Otto Loewi Lehrstuhlinhaber für Pharmakologie in Graz, der 1938 nach Großbritannien und in die USA fliehen musste. Adolf Jarisch leitete ab 1924 das Pharmakologische Institut in Innsbruck.

Am 16.8. 1928 heiratet Ernst Geiger die 1903 in Budapest geborene Dr. med. Lilly Amalia Szirtes, Tochter von Alajos Szirtes und Gizella, geb. Küszler.  Der Sohn Leslie Erwin wird am 23.12.1929 geboren. 1938 konvertierten Lilly und Ernst Geiger zum Unitarismus (Nachtrag auf der Heiratsurkunde).

Lilly Geiger. Quelle: US-Einbürgerungsantrag www.ancestry.de
Lilly Geiger. Quelle: US-Einbürgerungsantrag www.ancestry.de

Ernst Geiger wechselte zum Pharmakologischen Institut der königlich Ungarischen Elisabeth- Universität in Pecs unter Geza Mansfeld, habilitierte sich dort und publizierte zahlreiche Artikel, u.a. zusammen mit seiner späteren Ehefrau Lilly Szirtes.

Klinische Wochenschrift 1925; 4(40): 1912-1914
Klinische Wochenschrift 1925; 4(40): 1912-1914
Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie 1925; 106: 276–286
Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie 1925; 106: 276–286

Geza Mansfeld wurde 1944 auf Grund seiner jüdischen Herkunft nach Auschwitz deportiert, er überlebte den Holocaust und kehrte nach Pecs zurück.

Ernö Geiger wurde 1934 zum Assistenzprofessor und 1936 zum außerordentlichen Professor ernannt.

Ende der 1930er Jahren arbeitete er in London als Research Director der Gideon Richter Ltd, einer in Ungarn gegründeten und noch heute existierenden pharmazeutischen Firma. Ob er bereits in Ungarn zu der Firma gewechselt war, ist unbekannt. Aus den Protokollen der Medizinischen Fakultät Pecs vom 15.2.1939 geht hervor, dass er seine wissenschaftliche Stelle an der Universität Pécs dafür aufgegeben hat.

 

 

Nach 1939 

Ernst Geiger gelangte mit der SS Paris von Le Havre aus am 4.1.1939 nach New York.  Nach einem Aufenthalt in Toronto reiste er über Buffalo im März 1939 in die USA ein. Lilly Geiger reiste mit dem gemeinsamen Sohn im März 1939 in die USA ein. Nach einem kürzeren Aufenthalt in Chicago ließen sie sich in Kalifornien nieder.

Ernst Geiger studierte erneut an der University von Southern California, Los Angeles und erwarb  seinen Ph.D. 1947.  Über 11 Jahre bis zu seinem Tode lehrte er im Departement of Biochemistry and Nutrition an der University of Southern California Medical School und arbeitete bei der Van Camp Seafood Co, Terminal Island, California als Forschungsdirektor. Schwerpunkt seiner Arbeit war der Proteinstoffwechsel und seine Rolle bei der Ernährung.

Science 1950; 111: 594-599
Science 1950; 111: 594-599

Ernst Geiger starb am 3.6.1959 in Los Angeles, seine Frau Lilly 1984. In der ersten Ernst Geiger Memorial Lecture 1961 gibt Nevin Scrimshaw einen kurzen Überblick über die Biographie von Ernst Geiger.

Scrimshaw N. Memorial Lecture. The American Journal of Clinical Nutrition 1962; 11: 593-602
Scrimshaw N. Memorial Lecture. The American Journal of Clinical Nutrition 1962; 11: 593-602

 

Eigene Publikationen (Auswahl)

  1. Über therapeutische und toxische Wirkung des Strophanthins auf das Froschherz. Archiv für Experimentelle Pathologie und Pharmakologie 1922; 94: 52-73
  2. Maximale Hypoglyklämie ohne Insulinanwendung. Klinische Wochenschrift 1925; 4(40): 1912-1914
  3. mit G. Mansfeld: Untersuchungen über den Mechanismus der Insulinwirkung. Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie 1925; 106: 276–286
  4. Über die kolorimetrische Bestimmung des Ammoniaks mit Nessler‐Reagens. Helvetica Chimica Acta 1942; 25(7): 1453-1469
  5. The Role of the Time Factor in Protein Synthesis. Science 1950; 111: 594-599
  6. Problems connected with the possible use of plankton for human nutrition. The American Journal of Clinical Nutrition 1958; 6(4): 394-400
Danksagung

Ich danke Frau Mag. Dr. Petra Greeff vom Universitätsarchiv Graz für ihre wertvolle Hilfe bei der Recherche.

Beitrag von Dr. med. Cornelie Haag, Dresden. Stand 31.5.2026


Quellen und Literatur
zu den Quellen
Zurück

Quellen/Literatur/Weblinks

Biografie von Prof. Dr. med. Ernst (Ernest, Ernö) Geiger

Quellen

Universitätsarchiv der Universität Graz

Literatur

Scrimshaw N. Contributions of Biochemistry to Understanding and Solving the World Problem of Protein Malnutrition in Children. The American Journal of Clinical Nutrition 1962; 11: 593-602

Weblinks

https://library.hungaricana.hu/hu/search/results/?list=eyJxdWVyeSI6IkdlaWdlciBFcm5cdTAwZjYiLCJmaWx0ZXJzIjp7IlNPVVJDRSI6WyJMVF9PRVNUQSIsIkxUX1BURSJdfX0 (Ernennung zum außerordentlichen Professor). Zugriff 31.5.2026

https://library.hungaricana.hu/hu/view/SOTE_KARI_ORVOSTUD_1938-1939/?pg=422&layout=s (Wechsel von Universität zu Firma Richter) Zugriff 31.5.2026

www. ancestry. de (u.a. Heiratsurkunde)

www. myheritage.de

www.familiysearch.de