Prof. Dr. med. Ernst (Ernest, Ernö) Geiger
- 31.05.1896, Muraszombat, heute Murska Sobota, Slowenien
- 03.06.1959, Los Angeles, USA
- Mitglied seit 1927
- Geflohen 1939, USA
- Pécs
- Arzt, Pharmakologe
Ernst (Ernö, Ernest) Geiger wurde am 31.5.1896 in Muraszomat, heute Murska Sobota, geboren, das bis 1920 zu Ungarn gehörte, danach zum Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS-Königreich). Ab 1929 wurde das Gebiet zum Königreich Jugoslawien und gehörte seit 1941 wieder zu Ungarn. Nach 1945 wurde es Jugoslawien zugeordnet und ist heute Teil von Slowenien. Diese wechselvolle Geschichte seines Geburtsortes erklärt die unterschiedlichen Angaben zum Land der Geburt und der Nationalität (Ungarn, SHS, Jugoslawien, hebräisch, ungarisch, magyar).
Seine Eltern waren Dr. med. Vilmos (Wilhelm) Geiger und Czeczilla Geiger, geb. Moses. Die Familie bekannte sich zur jüdischen Glaubensgemeinschaft. Ernst Geiger legte die Matura nach den Unterlagen zu seinem Medizinstudium am 27.6.1914 in St. Gotthard ab. Wahrscheinlich ist damit die heutige Stadt Szentogotthardi gemeint, die nicht weit entfernt von Muraszomat liegt.
Ausbildung und Wirkungsstätte
Muraszomat liegt im äußersten Nordosten des heutigen Sloweniens nahe der Grenze zu Österreich. Ernst Geiger studierte Medizin in der nur etwa 100 km entfernt liegenden Universitätsstadt Graz. Er legte das erste Rigorosum am 27.11.1919 ab, das zweite am 1.3.1921. Am 30.4. 1921 wurde er promoviert.
In den Unterlagen der Universität Graz wird sein Geburtsdatum an einigen Stellen mit 21.5.1896 angegeben, bei anderen behördlichen Unterlagen mit dem 31.5.1896. In den Prüfungsurkunden der Universität Graz wird vermerkt und musste von ihm bestätigt werden, dass er wegen fehlender österreichischer Staatsangehörigkeit den Arztberuf in Österreich nicht ausüben darf.
Er arbeitete gemeinsam mit Adolf Jarisch junior am Pharmakologischen Institut der Universität Graz und publizierte mit ihm eine Arbeit über die Wirkung des Strophantins auf das Froschherz.
Zu dieser Zeit war der spätere Nobelpreisträger Otto Loewi Lehrstuhlinhaber für Pharmakologie in Graz, der 1938 nach Großbritannien und in die USA fliehen musste. Adolf Jarisch leitete ab 1924 das Pharmakologische Institut in Innsbruck.
Am 16.8. 1928 heiratet Ernst Geiger die 1903 in Budapest geborene Dr. med. Lilly Amalia Szirtes, Tochter von Alajos Szirtes und Gizella, geb. Küszler. Der Sohn Leslie Erwin wird am 23.12.1929 geboren. 1938 konvertierten Lilly und Ernst Geiger zum Unitarismus (Nachtrag auf der Heiratsurkunde).
Ernst Geiger wechselte zum Pharmakologischen Institut der königlich Ungarischen Elisabeth- Universität in Pecs unter Geza Mansfeld, habilitierte sich dort und publizierte zahlreiche Artikel, u.a. zusammen mit seiner späteren Ehefrau Lilly Szirtes.
Geza Mansfeld wurde 1944 auf Grund seiner jüdischen Herkunft nach Auschwitz deportiert, er überlebte den Holocaust und kehrte nach Pecs zurück.
Ernö Geiger wurde 1934 zum Assistenzprofessor und 1936 zum außerordentlichen Professor ernannt.
Ende der 1930er Jahren arbeitete er in London als Research Director der Gideon Richter Ltd, einer in Ungarn gegründeten und noch heute existierenden pharmazeutischen Firma. Ob er bereits in Ungarn zu der Firma gewechselt war, ist unbekannt. Aus den Protokollen der Medizinischen Fakultät Pecs vom 15.2.1939 geht hervor, dass er seine wissenschaftliche Stelle an der Universität Pécs dafür aufgegeben hat.
Nach 1939
Ernst Geiger gelangte mit der SS Paris von Le Havre aus am 4.1.1939 nach New York. Nach einem Aufenthalt in Toronto reiste er über Buffalo im März 1939 in die USA ein. Lilly Geiger reiste mit dem gemeinsamen Sohn im März 1939 in die USA ein. Nach einem kürzeren Aufenthalt in Chicago ließen sie sich in Kalifornien nieder.
Ernst Geiger studierte erneut an der University von Southern California, Los Angeles und erwarb seinen Ph.D. 1947. Über 11 Jahre bis zu seinem Tode lehrte er im Departement of Biochemistry and Nutrition an der University of Southern California Medical School und arbeitete bei der Van Camp Seafood Co, Terminal Island, California als Forschungsdirektor. Schwerpunkt seiner Arbeit war der Proteinstoffwechsel und seine Rolle bei der Ernährung.
Ernst Geiger starb am 3.6.1959 in Los Angeles, seine Frau Lilly 1984. In der ersten Ernst Geiger Memorial Lecture 1961 gibt Nevin Scrimshaw einen kurzen Überblick über die Biographie von Ernst Geiger.
Danksagung
Ich danke Frau Mag. Dr. Petra Greeff vom Universitätsarchiv Graz für ihre wertvolle Hilfe bei der Recherche.
Beitrag von Dr. med. Cornelie Haag, Dresden. Stand 31.5.2026
Quellen und Literatur
zu den Quellen