Eine Erinnerungsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
In Erinnerung an

Prof. Dr. med.
Georg Lepehne
1887 - 1967

Georg Lepehne. Quelle: www.myheritage.com
Georg Lepehne. Quelle: www.myheritage.com

Dissertation 1910

Medizinische Klinik der Universität Königsberg

Habilitation 1921

Ärztliche Leitung des Israelitischen Asyls in Köln

Flucht in die USA

Dissertation Titelseite. Quelle Staatsbibliothek Berlin
Dissertation Titelseite. Quelle Staatsbibliothek Berlin
Verdauungs- und Stoffwechsel-Krankheiten 1927. Quelle: Slg. Abh. Verd.- Stoffw., 11/2. - 1927, 8°, 54 pp., orig. Broschur;
Verdauungs- und Stoffwechsel-Krankheiten 1927. Quelle: Slg. Abh. Verd.- Stoffw., 11/2. - 1927, 8°, 54 pp., orig. Broschur;
Anzeige Kölnische Zeitung 10.12.1935. Quelle: zeitpunkt.nrw
Anzeige Kölnische Zeitung 10.12.1935. Quelle: zeitpunkt.nrw
Gruppe von Ärzten des Israelitischen Asyls (von links): Dr. Alfred Roseno, Prof. Dr. Georg Lepehne, Dr. Max Günter und Dr. Trude Schiff-Löwenstein, Anfang 1936. Quelle: Fotograf: Hans Schiff. Leo Baeck Institute / John (Hans) and Trude Schiff Collection
Gruppe von Ärzten des Israelitischen Asyls (von links): Dr. Alfred Roseno, Prof. Dr. Georg Lepehne, Dr. Max Günter und Dr. Trude Schiff-Löwenstein, Anfang 1936. Quelle: Fotograf: Hans Schiff. Leo Baeck Institute / John (Hans) and Trude Schiff Collection
Einbürgerungsantrag 1939
Quelle: http://familysearch.org
Einbürgerungsantrag 1939 Quelle: http://familysearch.org
Grabstein Lepehne. 
Quelle: https://findagrave.com
Grabstein Lepehne. Quelle: https://findagrave.com
Todesanzeige der Mutter Georg Lepehnes. Quelle: Aufbau-Reconstruction, Vol. XI - No. 2, Seite 16, New York, 12. Januar 1945
Todesanzeige der Mutter Georg Lepehnes. Quelle: Aufbau-Reconstruction, Vol. XI - No. 2, Seite 16, New York, 12. Januar 1945

Prof. Dr. med. Georg Lepehne

  • 2‌6‌.‌0‌5‌.‌1‌8‌8‌7‌, Ortelsburg / Ostpreußen, heute Szczytno, Polen
  • 2‌4‌.‌0‌7‌.‌1‌9‌6‌7‌, Brookline, Massachusetts (USA)
  • Geflohen 1939, USA
  • Kaliningrad
  • Facharzt für Innere Krankheiten

„Ich, Georg Lepehne, bin am 26. Mai 1887 als Sohn des Apothekenbesitzers Gustav Lepehne und seiner Gattin Clara geborene Berliner in Ortelsburg /Ostpr. geboren. Nachdem ich zuerst in meiner Geburtsstadt die dortige Privatknabenschule besucht hatte, kam ich im Jahre 1894 auf das Königsberger Kneiphöfische Gymnasium, wo ich Ostern 1905 das Zeugnis der Reife erhielt. Ich studierte Medizin vom Sommer 1905 an zuerst in München und bestand hier im Sommer 1907 die ärztliche Vorprüfung. Die klinischen Semester studierte ich dann in Berlin und Königsberg, wo ich am 20. Mai 1910 mein Staatsexamen beendete.“ So schreibt es Georg (Max) Lepehne in seinem Lebenslauf in seiner 1910 an der Albertusuniversität zu Königsberg i. Pr. vorgelegten Dissertation „Blutbildveränderungen bei experimentellem Choledochusverschluss“.

Dissertation Titelseite. Quelle Staatsbibliothek Berlin
Dissertation Titelseite. Quelle Staatsbibliothek Berlin

 

Ausbildung und Wirkungsstätte

Nach Staatsexamen und Promotion arbeitete Lepehne von Juni 1910 – 1911 als Medizinalpraktikant an der Medizinischen Klinik der Universität Königsberg, anschließend bis zum Kriegsausbruch im August 1914 als Assistenzarzt des Freiburger Pathologischen Institutes bei Professor Aschoff. Er leistete danach bis zum September 1916 seinen Frontdienst, wurde dabei mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet und als Oberarzt der Reserve entlassen. Ab Dezember 1916 arbeitete er als Assistenzarzt wieder an der Medizinischen Klinik der Universität Königsberg. Dem Thema seiner Dissertation folgend forschte er dort insbesondere zu Leberkrankheiten und zum Bilirubinstoffwechsel.

Universitätsklinik Königsberg 1927. Quelle: https://de.wikipedia.org
Universitätsklinik Königsberg 1927. Quelle: https://de.wikipedia.org

1919 veröffentlichte er eine umfangreiche Arbeit zum „Zerfall der roten Blutkörperchen beim Ikterus infectiosus (Weil)“. Er verwendete dabei zur Darstellung der Erythrozyten an den histologischen Präparaten die Benzidin-Färbung. Diese wurde später als „Lepehne-Pickworth-Färbung“ eine Standardmethode in der Pathohistologie.

Verdauungs- und Stoffwechsel-Krankheiten 1927. Quelle: Slg. Abh. Verd.- Stoffw., 11/2. - 1927, 8°, 54 pp., orig. Broschur;
Verdauungs- und Stoffwechsel-Krankheiten 1927. Quelle: Slg. Abh. Verd.- Stoffw., 11/2. - 1927, 8°, 54 pp., orig. Broschur;

1921 wurde Georg Lepehne an der Königsberger Universität habilitiert, 1925 zum (nicht beamteten) außerplanmäßigen Professor ernannt. Er setzte seine Forschungen zu Leber und Galle fort. 1922 veröffentlichte er in der MMW einen Beitrag zur Leberfunktionsprüfung nach intravenöser Injektion von Indigokarmin, 1927 die „Fortschritte der Diagnostik und Therapie der

Erkrankungen der Leber und Gallenwege durch Röntgenverfahren und Duodenalsondierung“. Er publizierte regelmäßig Beiträge in der DMW, u. a. über die Leberatrophie, den Bilirubinstoffwechsel und die Funktion der Milz. Nach seiner Ernennung zum apl. Professor führte er seine Forschungen und Veröffentlichungen unermüdlich weiter. Er publizierte über „die Wirkung von Eiweiß- und Bakterienverdauungsprodukten auf gesunde und tuberkulöse Meerschweinchen“ und veröffentlichte 1930 das Lehrbuch „Die Erkrankungen der Leber und Gallenwege“ im Lehmanns-Verlag. Noch 1933 erschien in der DMW sein Beitrag „Zur Differentialdiagnose Cholelithiasis oder Tumor“, basierend auf einem Vortrag in der Gesellschaft für wissenschaftliche Heilkunde am 30. Januar 1933(!).

1925 heiratete Georg Lepehne Erna, geb. Elwenspoek. Die Ehe blieb kinderlos. Erna Lepehne verstarb im April 1933 mit nur 43 Jahren. Früh verwitwet heiratete er im Juni 1934 die 1901 geborene Cäcilie Berlowik, geb. Friedstein, die die aus erster Ehe 1929 in Palästina (im heutigen Gazastreifen) geborene Tochter Renate mitbrachte.

Lepehne war Mitglied der DGIM (Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin) und der Deutschen Staatspartei, einer bürgerlich-liberalen Partei der Mitte, deren Mitglied Theodor Heuss später der erste Bundespräsident werden sollte.

 

Nach 1933

Wegen seiner Verdienste und Auszeichnungen als Frontkämpfer im 1. Weltkrieg wurde Georg Lepehne zunächst trotz der Repressionen gegen jüdische Ärzte bis 1935 im Amt belassen. Nach der Entlassung aus der Universität blieb er in Deutschland und übersiedelte nach Köln.

Israelitisches Asyl Köln 1933. Quelle: Rheinisches Bildarchiv Köln
Israelitisches Asyl Köln 1933. Quelle: Rheinisches Bildarchiv Köln

Im Dezember des Jahres 1935 übernahm er dort die ärztliche Leitung des ”Israelitischen Asyls”.

Anzeige Kölnische Zeitung 10.12.1935. Quelle: zeitpunkt.nrw
Anzeige Kölnische Zeitung 10.12.1935. Quelle: zeitpunkt.nrw

Dieses war zur Mitte des 19. Jahrhunderts durch Unterstützung von Sir Ernest Cassel zunächst in der Kölner Altstadt als ein Komplex für die Kranken-, Alten- und Siechenversorgung entstanden. Später wurde es nach Köln-Neuehrenfeld verlegt und hatte um 1930 dort 180 Betten zur Krankenversorgung. Behandelt wurden Menschen unabhängig von Glauben und Weltanschauung. Nach 1933 durften nur noch Menschen jüdischen Glaubens aufgenommen werden. Entsprechend kam das Israelitische Asyl in große finanzielle Schwierigkeiten und wurde im 2. Weltkrieg zwangsweise geräumt, um Platz für Patienten anderer, bereits zerstörter Kölner Krankenhäuser zu schaffen. Durch die Bombenangriffe auf Köln wurde es 1944 – 1945 zerstört.

Gruppe von Ärzten des Israelitischen Asyls (von links): Dr. Alfred Roseno, Prof. Dr. Georg Lepehne, Dr. Max Günter und Dr. Trude Schiff-Löwenstein, Anfang 1936. Quelle: Fotograf: Hans Schiff. Leo Baeck Institute / John (Hans) and Trude Schiff Collection
Gruppe von Ärzten des Israelitischen Asyls (von links): Dr. Alfred Roseno, Prof. Dr. Georg Lepehne, Dr. Max Günter und Dr. Trude Schiff-Löwenstein, Anfang 1936. Quelle: Fotograf: Hans Schiff. Leo Baeck Institute / John (Hans) and Trude Schiff Collection
Israelitisches Asyl Köln. Quelle: Rheinisches Bildarchiv Köln
Israelitisches Asyl Köln. Quelle: Rheinisches Bildarchiv Köln

Nach dem Krieg bemühte sich Herbert Lewin, der einzige Arzt des Israelitischen Asyls, der die Deportation überlebte, um den Wiederaufbau eines Jüdischen Krankenhauses. Die Pläne wurden aber nicht verwirklicht. Auf dem Gelände entstand das Belgische Militärhospital. Dieses wurde erst nach Abzug der belgischen Streitkräfte Mitte der 1990er Jahre teilweise zu einer jüdischen Wohlfahrtseinrichtung umgebaut und hat noch heute Bestand.

Flucht 1939 in die USA

Nachdem ihm 1938 die Approbation entzogen wurde und er nur noch als ”Krankenbehandler” für jüdische Patienten arbeiten durfte, floh Georg Lepehne mit seiner Frau am 19. Oktober 1939 von Rotterdam aus nach New York. Die zehnjährige Tochter Renate kam erst einen Monat später in New York an. Von dort begaben sie sich weiter nach Norfolk bei Boston, wo ein Bruder von Cäcilie Lepehne lebte. Georg Lepehne fand in Boston Arbeit am Department of Medicine der Tufts University, wo er seine Forschungstätigkeit zu Leber und Galle fortsetzen konnte.

Registrierungskarte USA 1942. Quelle: https://www.familysearch.org
Registrierungskarte USA 1942. Quelle: https://www.familysearch.org
Georg Lepehne ca.1942. Quelle: ancestry.com
Georg Lepehne ca.1942. Quelle: ancestry.com

Am 7. Mai 1945 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Einbürgerungsantrag 1939
Quelle: http://familysearch.org
Einbürgerungsantrag 1939 Quelle: http://familysearch.org

Er machte noch bis 1959 mehrere wissenschaftliche Veröffentlichungen u. a. im New England Journal of Medicine, so zu Leberfunktionstests bei Patienten mit Alkoholmissbrauch, zum Aszites und zur Urobilinogenbestimmung.

Nach dem 2. Weltkrieg führte Georg Lepehne langwierige Rechtsstreitigkeiten um die Wiedergutmachung und das Erbe seiner Mutter.

Er verstarb am 24. Juli 1967 und wurde auf dem Mount Auburn Cemetery in Cambridge/ Massachusetts bestattet. Dort fand auch seine 1993 verstorbene Tochter Renate, die mit dem aus Hamburg stammenden Chemiker Bernard J Brent (vormals Bernhard Josephy) verheiratet war, ihre letzte Ruhe.

Grabstein Lepehne. 
Quelle: https://findagrave.com
Grabstein Lepehne. Quelle: https://findagrave.com

Seine Ehefrau Cäcilie starb hochbetagt mit 97 Jahren im Jahr 1998. Seine Mutter Clara wurde nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 6. September 1943 ermordet wurde. Die Angehörigen erfuhren von ihrem Tod erst viele Monate später, wie die Todesanzeige vom Januar 1945 belegt.

Todesanzeige der Mutter Georg Lepehnes. Quelle: Aufbau-Reconstruction, Vol. XI - No. 2, Seite 16, New York, 12. Januar 1945
Todesanzeige der Mutter Georg Lepehnes. Quelle: Aufbau-Reconstruction, Vol. XI - No. 2, Seite 16, New York, 12. Januar 1945

Der 1896 geborene Bruder Kurt Hans Lepehne wurde ebenfalls Arzt und 1925 in Königsberg promoviert. Anschließend arbeitete er als Assistenzarzt in der Chirurgischen Klinik der Universität in Kiel und in der Kinderklinik der Städtischen Krankenanstalten in Dortmund. Dort war er am 29. März 1933 eines der ärztlichen Opfer, die durch einen SA-Trupp gewaltsam von ihrer Arbeit entfernt und in ein Waldstück verschleppt wurden (siehe Walter Fischbein). Später floh er über Italien nach Orange in Frankreich. Von dort wurde er 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet.

 

 

Eigene Publikationen (Auswahl)

  1. Zerfall der roten Blutkörperchen beim Ikterus infectiosus. Beitr path Anat. 1919; 65:163–226.
  2. Akute und subakute Leberatrophie: Dtsch Med Wochenschr 1921; 47(28): 800-802. DOI: 10.1055/s-0028-1140788
  3. Ueber den heutigen Stand der Physiologie und Pathologie der Milzfunktion: Dtsch Med Wochenschr 1922; 48(48): 1606-1607
  4. Die klinische Bedeutung der Bilirubinbestimmung im menschlichen Blutserum: Dtsch Med Wochenschr 1923; 49(20): 641-643.
  5. Fortschritte der Diagnostik und Therapie der Erkrankungen der Leber und Gallenwege durch Röntgenverfahren und Duodenalsondierung. 24386 . 1927, Slg. Abh. Verd.- Stoffw., 11/2. - Hrsg.v. H.Strauß. - Halle, C. Marhold Verlagsbhdlg.
  6. Die Erkrankungen der Leber und Gallenwege. Klin. Lehrkurse der M. M. W., Bd. 10. 163 S. J. F. Lehmanns, München 1930.
  7. Zur Differentialdiagnose Cholelithiasis oder Tumor. Dtsch Med Wochenschr 1933; 59(24)
  8. Liver-Function Tests in Alcoholic Patients. N Engl J Med 1949; 241:860-862
  9. Studies on ascitic fluid in patients with hepatic cirrhosis, heart failure and cancer: results of cephalin cholesterol flocculation, thymol turbidity, methylene blue, qualitative and quantitative bilirubin and other tests. Am J Dig Dis 1951 Mar;18(3):86-9

Beitrag von Dr. med. Ulrich Menges, Soest. Stand 27.1.2026, ergänzt 4.2.2026