Eine Erinnerungsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
In Erinnerung an

Dr. med.
Henri Naphtali Schwab
1891 - 1983

Heinrich Schwab 1918
Heinrich Schwab 1918

Mitglied seit 1931

Zusammenarbeit mit dem Diabetesforscher Leon Blum

Niederlassung in Paris

Flucht in die USA

Rückkehr nach Paris

La Presse Medicale 1923
La Presse Medicale 1923
Anzeige Praxiseröffnung 1924,
Quelle: Der Elsässer 3. Januar 1924
Anzeige Praxiseröffnung 1924, Quelle: Der Elsässer 3. Januar 1924
Einzugsregistrierungskarte USA, Quelle: www.ancestry.de
Einzugsregistrierungskarte USA, Quelle: www.ancestry.de
Eingang zur Praxis Schwabs in Paris, Rue Freycinet Nr. 8, Foto Marc Karliova 2024
Eingang zur Praxis Schwabs in Paris, Rue Freycinet Nr. 8, Foto Marc Karliova 2024

Dr. med. Henri Naphtali Schwab

  • 1‌1‌.‌1‌2‌.‌1‌8‌9‌1‌, Hochfelden, heute Frankreich
  • 0‌3‌.‌1‌2‌.‌1‌9‌8‌3‌, Le Rouret, Frankreich
  • Mitglied seit 1931
  • Geflohen 1940, USA
  • Paris
  • Facharzt für Innere Medizin, Spezialist für Ernährungsmedizin

Heinrich (später Henri und Henry) Naphtali Schwab wurde am 11.12.1891 in dem damals noch zu Deutschland gehörenden Hochfelden im Elsaß geboren. Sein Vater, Moritz Schwab, war Schulleiter in Straßburg und heiratete 1889 Clemence Levy. Henri Schwabs ältere Schwester, Camille Laure, wurde 26.8.1890 geboren, seine jüngere, Alice Marguerite, am 14.9.1893. Die Familie Schwab bekannte sich zur jüdischen Glaubensgemeinschaft.

Geburtsurkunde Heinrich Schwab, Quelle: www.ancestry.de
Geburtsurkunde Heinrich Schwab, Quelle: www.ancestry.de

 

Ausbildung und Wirkungsstätte:

Nach seinem Medizinstudium promovierte Henri Schwab im August 1914. Im gleichen Jahr arbeitete er bereits als Assistenzarzt an der Universitätsklinik in Straßburg. Er kooperierte eng mit dem mit ihm entfernt verwandten jüdischen Internisten und Pathophysiologen Professor Leon Blum (1878-1930), der seit 1919 nach Ende des Ersten Weltkrieges und der Neustrukturierung der jetzt französischen Medizinischen Fakultät der Universität Strasbourg Direktor der Medizinischen Klinik B war und dem die klinischen und wissenschaftlichen Labore unterstanden. Blum war breit ausgebildet. Er hatte sich bei Carl Anton Ewald in Berlin und bei Fernand Widal in Paris fortgebildet und war anfänglich Assistent bei Bernhard Naunyn in Strassburg. Blums Forschungsschwerpunkt war der Diabetes mellitus. Er war der erste Europäer, der semiindustriell Insulin hergestellt hat, und Henri Schwab war der erste in Frankreich, der Insulin zur Therapie des Diabetes mellitus einsetzte. Blum publizierte 1923 gemeinsam mit Henri Schwab in La Presse Medicale den für Frankreich wegweisenden Beitrag Le traitement du diabéte sucré par l’insuline. Im gleichen Jahr erscheinen weitere Fachartikel unter der gemeinsamen Autorenschaft Leon Blum und Henri Schwab.

C. R. Soc. Biol. 1923
C. R. Soc. Biol. 1923
La Presse Medicale 1923
La Presse Medicale 1923
Henry Schab. Kopie H Je
Henry Schab. Kopie H Je

1925 wechselte Henri Schwab als Spezialist für Ernährungsmedizin an das Krankenhaus Tenon in Paris. Ebenfalls in Paris, in der Rue Freycinet Nr. 8, eröffnete er eine eigene Praxis mit dem gleichen Schwerpunkt und war zudem als Assistent des Institutes für Pharmakologie der Universitätsklinik Paris angestellt. Seine 1924 in Strasbourg eröffnete Praxis betrieb er parallel weiter.

Anzeige Praxiseröffnung 1924,
Quelle: Der Elsässer 3. Januar 1924
Anzeige Praxiseröffnung 1924, Quelle: Der Elsässer 3. Januar 1924

In den Jahren 1929 und 1930 veröffentlichte Dr. Schwab mehrere Beiträge in Fachzeitschriften. Für seine medizinischen Arbeiten erhielt er 1935 den französischen Orden „Chevalier de la légion d’honneur“.  

Henri Schwabs Wohnung in Paris lag in unmittelbarer Nähe seiner Praxis, in der Rue Freycinet Nr. 17. Hier wohnte er für eine gewisse Zeit zusammen mit seiner Schwester Marguerite, bis diese 1934 zum zweiten Mal heiratete.

 

Nach 1933

Flucht 1940 über die Dominikanische Republik in die USA

Im Jahr 1940 flüchtete Henri Schwab über die Dominikanische Republik in die USA. Aus Ciudad Trujillio (Hauptstadt der D.R., seit 1961 Santo Domingo) gelangte er am 26.8.1940 mit dem Schiff „Borinquen“ nach New York. Dort wohnte er zunächst in der 40 East, 45th Street und fand später eine Arbeit in einem Forschungslabor in der 229 East 49th Street.

Einzugsregistrierungskarte USA, Quelle: www.ancestry.de
Einzugsregistrierungskarte USA, Quelle: www.ancestry.de

Später betrieb er in New York eine gut gehende internistische Praxis und reiste nach Ende des Krieges regelmäßig nach Frankreich, um seine Familie zu besuchen. Nach seiner Pensionierung zog er zurück nach Frankreich und wohnte in dem sehr edlen und ehrwürdigen „Hotel de Paris“ in Monaco. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in einem Altersheim in Le Rouret, einer kleinen Stadt in der Provence-Alpes-Côte D’Azur. Hier verstarb er am 3.12.1983 im Alter von 92 Jahren.

Eingang zur Praxis Schwabs in Paris, Rue Freycinet Nr. 8, Foto Marc Karliova 2024
Eingang zur Praxis Schwabs in Paris, Rue Freycinet Nr. 8, Foto Marc Karliova 2024

Eigene Publikationen (Auswahl)

  1. Mit L. Blum. Le traitment du diabète sucré par l’insuline. La Presse Medicale 1923; 31: 637-641
  2. Mit L. Blum. L’influence de l’insuline sur la courbe de la glycémie dans le diabète. Comptes rendus des séances de la Societe de Biologie et de ses filiales 1923; 88: 463-464
  3. Mit L. Blum. Diabète acromégalique et insuline. Comptes rendus des séances de la Societe de Biologie et de ses filiales 1923; 89:195-197
  4. Pariser Brief. Dtsch Med Wochenschr 1929; 55:1143; 1929;55:1477; 1930;56:25 und 1930; 56:489
  5. Les succédanés des sucres. Leur valeur théorique et pratique au cours du traitement du diabète. Le Progrès Médicale 1930, Nr. 19, 821-825
  6. Hygiène et diététique du diabétique. Paris: G. Doin & Co editeurs. 1932.
Danksagung

Unser besonderer Dank gilt den Geschwistern Lise Markarian, Marianne Roudier und Jean Roudier für ihre Hilfe bei der Erstellung der Biografie und für die freundliche Bereitstellung der Fotografie ihres Großonkels Henri Schwab.

Beitrag von
Dr. med. Marc Karliova, Berlin
Dr. med. Harro Jenss, Worpswede

Stand 1.10.2025

 


Quellen und Literatur
zu den Quellen
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Quellen/Literatur/Weblinks

Biografie von Dr. med. Henri Naphtali Schwab

Quellen

Der Elsässer / L’Alsacien, 4. Januar 1924 [Praxisanzeige Dr. med. Henry Schwab, Strasbourg. – Der Elsässer war eine deutschsprachige Tageszeitung 1885-1935] 

Literatur

Paul Frank, Jean-Marie Brogard, Léon Blum, Histoire et Patrimoine hospitalier, Bulletin de l’association des amis des hôpitaux universitaires de Strasbourg, 2009, n°21, 20-29

Blickle J F., Brogard J M. Le débuts de insulinothérapie en France. Médicine des Maladies Métaboliques 2013; 7: 185-190

Weblinks

http://www.judaisme-alsalor.fr/perso/doctor/blumleon/blumleon.htm , ausführlicher Beitrag über Prof. Dr. Leon Blum, Stand 15.6.2025

https://www.openarchieven.nl/ins:34bcbc08-f5f2-b3be-1232-13f6571b1f33/de; Tod von Henri Naphthali Schwab am 3. Dezember 1983 in Rouret Alpes Maritimes, Provence Alpes – Cote D’Azur, Frankreich, Stand 15.6.2025

www.ancestry.de

www.familysearch.org