Eine Erinnerungsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
In Erinnerung an

Dr. med.
Leopold Horowitz
1873 - 1967

Portrait Leo Horowitz. Quelle: Sammlung Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf
Portrait Leo Horowitz. Quelle: Sammlung Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

Studium in Bonn, Würzburg, Giessen

Dissertation

Niederlassung in Düsseldorf

Vorträge zur gesundheitlichen Aufklärung

Flucht

Titelblatt Dissertation. Quelle: Bayerische Staatsbibliothek München
Titelblatt Dissertation. Quelle: Bayerische Staatsbibliothek München
Anzeige 1905. Quelle: Generalanzeiger für Düsseldorf und Umgebung 15.04.1905
Anzeige 1905. Quelle: Generalanzeiger für Düsseldorf und Umgebung 15.04.1905
Anzeige 1920. Quelle: Düsseldorfer Zeitung 07.03.1920
Anzeige 1920. Quelle: Düsseldorfer Zeitung 07.03.1920
Reichsmedizinalkalender 1937
Reichsmedizinalkalender 1937
Brief an Hans Jonas 1939. Quelle: Philosophisches Archiv der Universität Konstanz
Brief an Hans Jonas 1939. Quelle: Philosophisches Archiv der Universität Konstanz
Todesanzeige Leo Horowitz. Quelle: familysearch.org
Todesanzeige Leo Horowitz. Quelle: familysearch.org

Dr. med. Leopold Horowitz

  • 0‌3‌.‌0‌7‌.‌1‌8‌7‌3‌, Crefeld
  • 1‌7‌.‌0‌8‌.‌1‌9‌6‌7‌, Santiago de Chile
  • Geflohen 1939, Chile
  • Düsseldorf
  • Spezialarzt für Magen-, und Darmkrankheiten

„Geboren wurde ich, Leopold Horowitz, zu Crefeld am 3. Juli 1873 als Sohn des dort wohnenden Oberrabbiners Dr. Jakob Horowitz und seiner im Jahre 1894 verstorbenen Ehefrau Coelestine, geb. Heymann. Meine erste Schulbildung erhielt ich seit Ostern 1879 auf der Volksschule meiner Heimat und der Vorschule des dortigen Realgymnasiums. Ostern 1882 bezog ich die Klasse Sexta des letzteren, Ostern 1884 die Quarta des Crefelder Gymnasiums, das ich Ostern 1891 mit dem Zeugnis der Reife verliess. Meine medizinische Studien begann ich in Bonn, wo ich das Sommersemester 1891 zubrachte. In den nächsten Semestern studierte ich in Würzburg, wo ich im März 1893 das tentamen physicum bestand. Das Sommersemester 1893 verbrachte ich in München, die beiden folgenden Semester in Giessen und kehrte dann im Wintersemester 1894/95 nach Bonn zurück, wo ich am 20. Februar 1895 das Rigorosum bestand.“ so Leopold Horowitz in seiner 1895 veröffentlichten Dissertation „Über die Behandlung der Diphtherie mit dem Behring’schen Heilserum in der medizinischen Klinik zu Bonn“.

Titelblatt Dissertation. Quelle: Bayerische Staatsbibliothek München
Titelblatt Dissertation. Quelle: Bayerische Staatsbibliothek München

Jakob Horowitz, der 1837 in Krakau geborene Vater von Leopold (später meistens verkürzt Leo) Horowitz war als Oberrabbiner über die Grenzen Krefelds sehr bekannt. Er verstarb 1905. Leo Horowitz hatte zwei Brüder, Markus und Kurt, die vermutlich bereits im Kindesalter verstarben, sowie die 1875 geborene Schwester Rosa, die 1900 den Textilfabrikanten Gustav Jonas heiratete und sich mit ihm in Mönchengladbach niederließ. Einer ihrer Söhne ist der 1903 geborene berühmte Philosoph Hans Jonas. Mit ihm hatte Leo Horowitz ein sehr herzliches Verhältnis. Davon zeugen mehrere Briefe aus dem Nachlass von Hans Jonas.

 

Ausbildung und Wirkungsstätte

Über die Stationen der Weiterbildung von Leo Horowitz wissen wir bisher nichts.

Anzeige 1905. Quelle: Generalanzeiger für Düsseldorf und Umgebung 15.04.1905
Anzeige 1905. Quelle: Generalanzeiger für Düsseldorf und Umgebung 15.04.1905

Erstmals erwähnt wird 1905 seine Praxis als Spezialarzt für Magen- und Darmkrankheiten in Düsseldorf in der Kaiser Wilhelm Str. 31. Am 25. Mai 1913 heiratete er die 1882 in Aachen geborene Dora Meyer.

Hochzeitsanzeige. Quelle: Aachener Anzeiger 25.05.1913
Hochzeitsanzeige. Quelle: Aachener Anzeiger 25.05.1913

1914 wurde der Sohn Hans-Georg geboren, 1916 die Tochter Lotte. 1915 wurde die Praxis in die Prinz Georg Str. 118 verlegt, später dann, zumindest seit 1920 in die Jakobistr. 14a, jeweils in der Düsseldorfer Innenstadt.

Anders als andere jüdische Ärzte hatte Leo Horowitz eine sehr kritische Haltung zum Ersten Weltkrieg: „Als besonderes Vorbild in Sachen Kriegsskepsis hebt Hans Jonas den älteren Bruder seiner Mutter, Onkel Leo, hervor, den er für seine breite Bildung und Klugheit bewunderte und der ihn wie beiläufig mit anspruchsvoller Lektüre versorgte. Jonas berichtet vom in Düsseldorf als Arzt praktizierenden Onkel, dass er der Kriegspropaganda von Anfang an misstraut habe und „die ganze Trunkenheit nicht mitmachte“, weshalb er u. a. eine Schweizer Zeitung bezog, um eine neutralere Berichterstattung verfolgen zu können. (aus: Andris Breitling & Roman Seidel (Hg.): Verantwortung im Umgang mit dem Fremden. Reflexionen im Anschluss an Hans Jonas)

Leo Horowitz engagierte sich neben seiner ärztlichen Tätigkeit in der Düsseldorfer Synagogengemeinde und hielt mehrfach Vorträge zur gesundheitlichen Aufklärung. Im September 1927 sprach er in Hilden bei Düsseldorf zum Film ”Das Werden des Menschen”. Im Januar 1928 hielt er im Düsseldorfer UFA-Palast einen einleitenden Vortrag zum Aufklärungsfilm ”Was muß der Gesunde zu Geschlechtskrankheiten wissen?”.

Vortragsankündigung. Quelle: Rheinisches Volksblatt 24.09.1927
Vortragsankündigung. Quelle: Rheinisches Volksblatt 24.09.1927
Vortragsankündigung. Quelle: Düsseldorfer Stadt Anzeiger 25.01.1928
Vortragsankündigung. Quelle: Düsseldorfer Stadt Anzeiger 25.01.1928

Am 24. Februar 1929 verstarb ”nach kurzer schwerer Erkrankung” seine Frau Dora.

Todesanzeige Dora Horowitz Meyer. Quelle: Kölnische Zeitung 27.02.1929
Todesanzeige Dora Horowitz Meyer. Quelle: Kölnische Zeitung 27.02.1929

Nach 1933

1935 ist Leo Horowitz im Reichsmedizinalkalender noch als Facharzt für Magen-Darm-Krankheiten in der Jakobistr. 14a in Düsseldorf registriert. Er meldete sich offiziell am 30. Dezember 1935 aus Düsseldorf nach Mönchengladbach ab.

Reichsmedizinalkalender 1937
Reichsmedizinalkalender 1937

Somit wird er im Reichsmedizinalkalender 1937 in Mönchengladbach in der Mozartstr. 9 aufgeführt. Dies war allerdings das Wohnhaus seiner Schwester Rosa Jonas. Er war dort nicht mehr ärztlich tätig. Am 15. Dezember 1938 meldete er sich aus Mönchengladbach mit dem Ziel „Rotterdam, NL“ ab. Im Juni 1939 ist er zusammen mit seinem Sohn Hans Georg dort noch registriert.

Karteikarte Niederlande. Quelle: Stadsarchief Rotterdam
Karteikarte Niederlande. Quelle: Stadsarchief Rotterdam

Flucht nach Chile

Die Tochter Lotte floh bereits 1936 nach Chile und heiratete dort 1938 Eduard Weisner. In Santiago war sie später Anthropologin und starb 2017 mit 101 Jahren. Lottes Tochter Monica Weisner Horowitz wurde am 30.12.1939 geboren und ist wie ihre Mutter eine renommierte Anthropologin an der Universidad de Chile in Santiago.

Leo Horowitz floh kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939 nach Chile. Am 7. November 1939 schreibt er an Hans Jonas, dass er inzwischen in Santiago angekommen sei. Er war dort zunächst noch ärztlich tätig und nahm ehrenamtlich an den Morgenvisiten einer Klinik teil, „um nicht ganz den Zusammenhang mit der Medizin zu verlieren“, wie er im September 1940 seinem nach Palästina geflüchteten Neffen Hans Jonas schrieb, mit dem er den Kontakt aufrecht hielt.

Brief an Hans Jonas 1939. Quelle: Philosophisches Archiv der Universität Konstanz
Brief an Hans Jonas 1939. Quelle: Philosophisches Archiv der Universität Konstanz
Brief von Hans Jonas 1964. Quelle: Philosophisches Archiv der Universität Konstanz
Brief von Hans Jonas 1964. Quelle: Philosophisches Archiv der Universität Konstanz

Beide bemühten sich trotz intensiver Anstrengungen letztlich vergeblich um eine Flucht der Schwester bzw. Mutter Rosa Jonas nach England, Chile oder Palästina. Sie wurde 1941 nach Lodz deportiert und 1942 in Auschwitz ermordet.

Stolperstein Rosa Jonas. Quelle: commons.wikimedia.org
Stolperstein Rosa Jonas. Quelle: commons.wikimedia.org

Der in Düsseldorf als Kaufmann tätige Sohn Hans-Georg floh im September 1936 in die Niederlande, die er nach dem deutschen Überfall im Mai 1940 nicht mehr verlassen konnte. Er wurde von Juli 1942 bis Februar 1944 im Sammellager Westerbork interniert. Danach wurde er im Februar 1944 zunächst nach Theresienstadt, anschließend im Mai 1944 nach Auschwitz deportiert. In den Archiven wird Zentraleuropa als Ort seines Todes angegeben mit dem Datum vom 28.2.45. Die genauen Umstände seines Todes sind nicht bekannt.

Dr. Leo Horowitz verstarb am 17.August 1967 mit 94 Jahren infolge einer Pneumonie in Santiago.

Todesanzeige Leo Horowitz. Quelle: familysearch.org
Todesanzeige Leo Horowitz. Quelle: familysearch.org

Eigene Publikationen (Auswahl)

  1. Über die Behandlung der Diphtherie mit dem Behring'schen Heilserum in der medizinischen Klinik zu Bonn. Bonn 1895.

Beitrag von Dr. med. Ulrich Menges, Soest. Stand 14.8.2026


Quellen und Literatur
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Quellen/Literatur/Weblinks

Biografie von Dr. med. Leopold Horowitz

Quellen:

Sammlung Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Signatur GED-31-027-200.020

Philosophisches Archiv der Universität Konstanz, Signaturen HJ 24-03-44; HJ 20-1-107-121;

Stadsarchief Rotterdam, Signaturstück 851-205 P;

Pagina/Folio: 221994; Volgnummer: 563

Literatur:

Dissertation: Über die Behandlung der Diphtherie mit dem Behring’schen Heilserum in der medizinischen Klinik zu Bonn. Bonn 1895.

Gedenkbuch der Landeshauptstadt Düsseldorf.

Zur Erinnerung an die jüdischen Opfer 1933 – 1945:

Hans Jonas. Herausgegeben von / Edited by Holger Burckhart und Michael Bongardt

Hans Jonas-Institut. Logos Verlag Berlin GmbH 2025. ISBN 978-3-8325-5062-2. ISSN 2512-8892

Junge, Patricia: Mónica Weisner Horowitz, antropóloga médica. Visibilizando el aborto en tiempos de represión. Revista-Chilena-de-Salud-Publica. https://doi.org/10.5354/0719-5281.2025.78238 https://doi.org/10.5354/0719-5281.2025.78238

Weblinks

Bundesarchiv https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/en941503

Inhaftierungsdokument Horowitz, Hans Georg. Sammel- und Durchgangslager Westerbork. 1.1.46.1/5149735 ITS Digital Archive, Arolsen Archives Suche in Dokumenten der Arolsen Archives | 3260011 – Ho – Ka

https://collections.yadvashem.org/de/names/14803955

zeitpunkt.nrw:

  • Generalanzeiger für Düsseldorf und Umgebung 15.04.1905
  • Düsseldorfer Generalanzeiger 23.07.1913
  • AachenerAnzeiger 25.05.1913
  • Düsseldorfer Generalanzeiger 24.08.1915
  • Düsseldorfer Zeitung 07.03.1920
  • Rheinisches Volksblatt 24.09.1927
  • Düsseldorfer Stadt Anzeiger 25.01.1928
  • KölnischeZeitung 27.02.1929

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familysearch.org

https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_Horowitz