Eine Erinnerungsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
In Erinnerung an

Prof. Dr. med.
Maximilian Weinberger
1875 - 1954

Maximilian Weinberger . Fotograf: Robert Thiele, Wien 1905
© Josephinum – Ethik, Sammlungen und Geschichte der Medizin, MedUni Wien
Maximilian Weinberger . Fotograf: Robert Thiele, Wien 1905 © Josephinum – Ethik, Sammlungen und Geschichte der Medizin, MedUni Wien

Mitglied seit 1925

klinische Ausbildung im Allgemeinen Krankenhaus Wien

1921 a.o. Professur an der Universität Wien

Flucht in die USA

Atlas der Radiographie der Brustorgane: aus der 3. medicinischen Universitätsklinik des Hofrathes Prof. L. v. Schrötter in Wien. Engel, 1901. Arch. M. Gregor
Atlas der Radiographie der Brustorgane: aus der 3. medicinischen Universitätsklinik des Hofrathes Prof. L. v. Schrötter in Wien. Engel, 1901. Arch. M. Gregor
Ausschnitt Jewish Telegraphic Agency Vol VIII, No 153 , S. 3, 12. Juni 1941

Arch. M. Gregor
Ausschnitt Jewish Telegraphic Agency Vol VIII, No 153 , S. 3, 12. Juni 1941 Arch. M. Gregor
Unterschrift M. Weinbergers, Okt. 1941, US-Einbürgerungsantrag, Quelle: familysearch.org
Unterschrift M. Weinbergers, Okt. 1941, US-Einbürgerungsantrag, Quelle: familysearch.org
Weinberger Curriculum Vitae, Teil 1, 1906. Quelle: Österr. Staatsarchiv, AT-OeStA/AVA Unterricht UM allg. Akten 633.16 ad Zl. 37803/1908 mt freundlicher Genehmigung
Weinberger Curriculum Vitae, Teil 1, 1906. Quelle: Österr. Staatsarchiv, AT-OeStA/AVA Unterricht UM allg. Akten 633.16 ad Zl. 37803/1908 mt freundlicher Genehmigung
Weinberger Curriculum Vitae, Teil 2, 1906. Quelle: Österr. Staatsarchiv, AT-OeStA/AVA Unterricht UM allg. Akten 633.16 ad Zl. 37803/1908 mit freundlicher Genehmigung
Weinberger Curriculum Vitae, Teil 2, 1906. Quelle: Österr. Staatsarchiv, AT-OeStA/AVA Unterricht UM allg. Akten 633.16 ad Zl. 37803/1908 mit freundlicher Genehmigung
Weinberger, Vorschlag für Themen Habilitationsvortrag. Quelle: Österr.
Staatsarchiv, AT-OeStA/AVA Unterricht UM allg. Akten 633.16 ad Zl. 37803/1908 mit freundlicher Genehmigung
Weinberger, Vorschlag für Themen Habilitationsvortrag. Quelle: Österr. Staatsarchiv, AT-OeStA/AVA Unterricht UM allg. Akten 633.16 ad Zl. 37803/1908 mit freundlicher Genehmigung
M. Weinberger, Letter on Retirement, Part 1, 1936. Source: Austrian State Archives, AT-OeStA/AVA Education UM General Files 633.16, Item 22528/1936, with kind permission
M. Weinberger, Letter on Retirement, Part 1, 1936. Source: Austrian State Archives, AT-OeStA/AVA Education UM General Files 633.16, Item 22528/1936, with kind permission
M. Weinberger, Schreiben zum Ruhestand, 2. Teil, 1936. Quelle: Österr. Staatsarchiv, AT-OeStA/AVA Unterricht UM allg. Akten 633.16 Zl. 22528/1936 mit freundlicher Genehmigung
M. Weinberger, Schreiben zum Ruhestand, 2. Teil, 1936. Quelle: Österr. Staatsarchiv, AT-OeStA/AVA Unterricht UM allg. Akten 633.16 Zl. 22528/1936 mit freundlicher Genehmigung

Prof. Dr. med. Maximilian Weinberger

  • 0‌4‌.‌0‌6‌.‌1‌8‌7‌5‌, Schaffa / Šafov bei Znaim, Österreich-Ungarn, heute Tschechien
  • 1‌4‌.‌1‌2‌.‌1‌9‌5‌4‌, Chicago, USA
  • Mitglied seit 1925
  • Geflohen 1941, USA
  • Wien
  • Facharzt für Innere Medizin

Maximilian Weinberger wuchs in einer jüdischen Familie in Schaffa im Bezirk Znaim im früheren Österreich-Ungarn (heute Šafov, Tschechien) auf. Sein Vater war Alois Weinberger (geb. 12.11.1847), seine Mutter Julia Weinberger, geb. Sinaiberger (geb. 12.10 1857), die am 09.08.1874 in Eibenschitz, Mähren  (heute Ivančice, Tschechien) heirateten.

Nach der Matura am Staatsgymnasium in Znaim, Mähren, 1892 studierte
Weinberger an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien. Das Studium schloss er mit dem Staatsexamen und der Promotion am 21. 12.1898 ab.

 

Ausbildung und Wirkungsstätte

1898/1899 begann M. Weinberger seine klinische Ausbildung als Aspirant im Allgemeinen Krankenhaus in Wien, dem Zentrum der Wiener Medizinischen Schule, in den Abteilungen und Kliniken für Hautkrankheiten, Ohrenkrankheiten und Syphilis sowie an der III. Medizinischen Universitätsklinik. An dieser Klinik arbeitete er von 1900 – 1909 als Assistenzarzt bei Leopold Schrötter von Kristelli. Die wissenschaftlichen Schwerpunkte seiner Arbeit lagen auf den Gebieten der Radiographie der Brustorgane und der Erkrankungen der Atmungsorgane.

Atlas der Radiographie der Brustorgane: aus der 3. medicinischen Universitätsklinik des Hofrathes Prof. L. v. Schrötter in Wien. Engel, 1901. Arch. M. Gregor
Atlas der Radiographie der Brustorgane: aus der 3. medicinischen Universitätsklinik des Hofrathes Prof. L. v. Schrötter in Wien. Engel, 1901. Arch. M. Gregor

Kopie Titelblatt. Arch. M. Gregor
Kopie Titelblatt. Arch. M. Gregor

1909 wurde M. Weinberger zum Privatdozenten für Innere Medizin habilitiert.

Von 1909 – 1932 war er Primararzt und Vorstand der Medizinischen Abteilung an der Krankenanstalt Rudolfstiftung (auch Rudolfspital genannt) und anschließend von 1932 – 1936 an der IV. Medizinischen Abteilung des Wiener Allgemeinen Krankenhauses. 1921 erfolgte die Ernennung zum außerordentlichen Professor an der Universität Wien.

Wien. Klinik 1906; 32: 1-38.
Wien. Klinik 1906; 32: 1-38.
Votrag Rö Diagnostik 1906
Votrag Rö Diagnostik 1906

In Wien wohnte Maximilian Weinberger gemeinsam mit seiner Ehefrau Hermine lange Zeit im Stadtteil Wieden, 4. Bezirk, in der Brucknerstrasse 4.

 

Nach 1933

Im Juni 1936 wurde Maximilian Weinberger auf sein Ersuchen von dem österreichischen Minister für Kultur und Unterricht als Primararzt am Allgemeinen Krankenhaus Wien in den Ruhestand verabschiedet. Weinbergers Lehrtätigkeit an der Wiener medizinischen Fakultät war davon unberührt. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 wurde Weinberger aus rassistischen Gründen verfolgt. Am 22. April 1938 wurde ihm von den NS-Behörden die Venia Legendi entzogen und von der Universität Wien vertrieben. Maximilian Weinberger war als „Fachkrankenbehandler“ im Krankenhaus der Israelitischen Kultusgemeinde Wien bis zu seiner Flucht zugelassen (Dokument der IKG Wien vom 30.5.1941, Simon Wiesenthal Institut, Wien)

 Am 26. Mai 1941 meldete sich Maximilian Weinberger zusammen mit seiner Ehefrau aus Wien ab.
Am 10.06.1941 flüchteten sie auf der SS Mouzinho zusammen mit Hermine Weinbergers 87-jährigen Mutter, Bertha Schereschewsky, und 700 weiteren Passagieren aus allen Teilen Europas, darunter 130 Kinder, von Lissabon in die USA

Ausschnitt Jewish Telegraphic Agency Vol VIII, No 153 , S. 3, 12. Juni 1941

Arch. M. Gregor
Ausschnitt Jewish Telegraphic Agency Vol VIII, No 153 , S. 3, 12. Juni 1941 Arch. M. Gregor

Am 19.06.1941 erreichten sie New York. Im Monat darauf übersiedelte das Ehepaar Weinberger nach Chicago, wo sie seit dem 10. Juli 1941 lebten.
Dort starb Maximilian Weinberger 1954. Seine Grabstätte ist bisher unbekannt.

Unterschrift M. Weinbergers, Okt. 1941, US-Einbürgerungsantrag, Quelle: familysearch.org
Unterschrift M. Weinbergers, Okt. 1941, US-Einbürgerungsantrag, Quelle: familysearch.org
Unterschrift Hermine Weinberger, Chicago, 31.Okt., 1941, US-Einbürgerungsantrag, Quelle: familysearch.org
Unterschrift Hermine Weinberger, Chicago, 31.Okt., 1941, US-Einbürgerungsantrag, Quelle: familysearch.org

„ Er fand keinen Anschluss mehr und lebte in voller Zurückgezogenheit und fast abgeschlossen von der Umwelt. … Unstillbare Sehnsucht nach seiner Heimat und seinem alten Wirkungskreis hat seinen Lebensabend verdüstert und den früher so lebhaften und geistig regsamen Mann in stille und leidvolle Zurückgezogenheit getrieben.“ (aus dem Nachruf des früheren Kollegen und Chirurgen W. Denk, Wiener klinische Wochenschrift).

Seine Ehefrau Hermine Weinberger starb im Februar 1985 hochbetagt in Chicago. Ihre Grabstätte befindet sich auf dem Montrose Cemetery, Chicago, Cook County, Illinois.

Die Schwester Paula Weinberger wurde am 27.5.1942 mit Transport 23, Zug Da 204 von Wien nach Weissrussland deportiert und am 1.6.1942 in Maly Trostenets ermordet.

Weinberger Curriculum Vitae, Teil 1, 1906. Quelle: Österr. Staatsarchiv, AT-OeStA/AVA Unterricht UM allg. Akten 633.16 ad Zl. 37803/1908 mt freundlicher Genehmigung
Weinberger Curriculum Vitae, Teil 1, 1906. Quelle: Österr. Staatsarchiv, AT-OeStA/AVA Unterricht UM allg. Akten 633.16 ad Zl. 37803/1908 mt freundlicher Genehmigung
Weinberger Curriculum Vitae, Teil 2, 1906. Quelle: Österr. Staatsarchiv, AT-OeStA/AVA Unterricht UM allg. Akten 633.16 ad Zl. 37803/1908 mit freundlicher Genehmigung
Weinberger Curriculum Vitae, Teil 2, 1906. Quelle: Österr. Staatsarchiv, AT-OeStA/AVA Unterricht UM allg. Akten 633.16 ad Zl. 37803/1908 mit freundlicher Genehmigung
Weinberger, Vorschlag für Themen Habilitationsvortrag. Quelle: Österr.
Staatsarchiv, AT-OeStA/AVA Unterricht UM allg. Akten 633.16 ad Zl. 37803/1908 mit freundlicher Genehmigung
Weinberger, Vorschlag für Themen Habilitationsvortrag. Quelle: Österr. Staatsarchiv, AT-OeStA/AVA Unterricht UM allg. Akten 633.16 ad Zl. 37803/1908 mit freundlicher Genehmigung
M. Weinberger, Letter on Retirement, Part 1, 1936. Source: Austrian State Archives, AT-OeStA/AVA Education UM General Files 633.16, Item 22528/1936, with kind permission
M. Weinberger, Letter on Retirement, Part 1, 1936. Source: Austrian State Archives, AT-OeStA/AVA Education UM General Files 633.16, Item 22528/1936, with kind permission
M. Weinberger, Schreiben zum Ruhestand, 2. Teil, 1936. Quelle: Österr. Staatsarchiv, AT-OeStA/AVA Unterricht UM allg. Akten 633.16 Zl. 22528/1936 mit freundlicher Genehmigung
M. Weinberger, Schreiben zum Ruhestand, 2. Teil, 1936. Quelle: Österr. Staatsarchiv, AT-OeStA/AVA Unterricht UM allg. Akten 633.16 Zl. 22528/1936 mit freundlicher Genehmigung

Eigene Publikationen (Auswahl)

  1. Atlas der Radiographie der Brustorgane: aus der 3. medicinischen Universitätsklinik des Hofrathes Prof. L. v. Schrötter in Wien. Engel, 1901.
  2. Die Entwicklung und der gegenwärtige Stand der Röntgentechnik und Röntgendiagnostik innerer Krankheiten. Wiener Klinik 1906; 32: 1-38.
  3. Weitere Beiträge zur Radiographie der Brustorgane. Med Klin, 1908, 18. Jg., S. 584.
Danksagung

Wir danken Dr. Barbara Sauer, Wien, für wertvolle Hinweise und Details zur Biographie Maximilian Weinbergers.

Ich danke meiner Kollegin, Dr. Cornelie Haag für ihre Recherchen im Österreichischen Staatsarchiv 2024.

Wir danken Mag. Dr. Sandra B. Weiss, MA, Archiv des Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI) für die große Hilfe bei der Recherche.

Beitrag von Univ.-Prof. (i.R.) Dr. med. Michael Gregor, Tübingen und Dr. med. Harro Jenss, Worpswede. Stand 14.7.2024, ergänzt 5.3.2026, 14.4.2026 und 1.5.2026.

 

 


Quellen und Literatur
zu den Quellen
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Quellen/Literatur/Weblinks

Biografie von Prof. Dr. med. Maximilian Weinberger

Quellen:

AT-OeStA/AVA Unterricht UM allg. Akten 633.16 Zl. 22528/1936 [Versetzung in den zeitweiligen Ruhestand]

AT-OeStA/AVA Unterricht UM allg. Akten 633.16 ad Zl. 37803/1908 [Curriculum vitae und Vorlesungsprogramm]

Simon Wiesenthal-Institut Wien: Archiv der IKG (Leihgabe im VWI). Auswanderungsabteilung, 30.5.1941. Unterlagen zur Ärzteberatungsstelle. [Zusammenstellung u.a. der „ausgewanderten“ jüdischen Ärzte und der zugelassenen „Krankenbehandler“]

Literatur:

Fischer I. Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte der letzten fünfzig Jahre. Band 2, Berlin-Wien: Urban & Schwarzenberg 1933, S. 1658

Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender 1935, hg. von Dr. Gerhard Lüdtke. Fünfte Ausgabe. Berlin und Leipzig: Walter de Gruyter & Co., Spalte 1507

Bauer-Merinsky J: Die Auswirkungen der Annexion Österreichs durch das Deutsche Reich auf die medizinische Fakultät der Universität Wien im Jahre 1938: Biographien entlassener Professoren und Dozenten. Wien: Diss., 1980, S. 281 -283

Denk W. Nachruf auf Maximilian Weinberger. Wiener klinische Wochenschrift 1954; 66 (54), S. 874

Weblinks

Universitätsbibliothek Medizinische Universität Wien/van Swieten Blog  (https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=45866)

Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938 . (https://gedenkbuch.univie.ac.at/page/1/person/maximilian-weinberger)

https://collections.yadvashem.org/en/names/4913657

The Jewish Telegraphic Agency – Archiv, Daily Bulletin 12. Juni 1941 (https://www.jta.org/archive/ship-with-700-refugees-including-130-children-leaves-lisbon-for-new-york)