Eine Erinnerungsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
In Erinnerung an

Prof. Dr. med.
Bruno Oskar Pribram
1887 - 1962

Prof. Dr. med. Bruno Oskar Pribram, Reichshandbuch, Berlin 1930
Prof. Dr. med. Bruno Oskar Pribram, Reichshandbuch, Berlin 1930

Mitglied seit 1925

Studium in Wien und Berlin

Prägte den Begriff des „Postcholecystektomie-Syndroms“

In den USA
Umbenennung in
Bruno Oscar
Charles Pribram

 Ex Libris für Bruno Oskar Pribram, zweifarbige Strichäztung von Eduard Gärtner, Archiv H Je
Ex Libris für Bruno Oskar Pribram, zweifarbige Strichäztung von Eduard Gärtner, Archiv H Je
The Journal of the American Medical Association 1950
The Journal of the American Medical Association 1950

Prof. Dr. med. Bruno Oskar Pribram

  • 1‌1‌.‌0‌6‌.‌1‌8‌8‌7‌, Prag
  • 1‌3‌.‌0‌3‌.‌1‌9‌6‌2‌, Garmisch-Patenkirchen
  • Mitglied seit 1925
  • Geflohen 1938, USA
  • Berlin
  • Chirurg

Ausbildung und Wirkungsstätte

Bruno Oskar Pribram studierte zunächst Chemie mit einem Promotionsabschluss (Dr. phil.) 1909 bei Zdenko Hans Skraup in Wien. Daran schloss er ein Medizinstudium in Wien und Berlin an und war 1912 kurzzeitig im Labor der II. Medizinischen Universitätsklinik der Charité tätig. 1913 erfolgten medizinisches Staatsexamen und die Promotion in Wien.

Nach dem Examen war Pribram zunächst Assistent in der I. Medizinischen Universitätsklinik Wien bei Carl Harko von Noorden und Karl Friedrich Wenckebach sowie in der Chirurgische Klinik bei Anton von Eiselsberg.

Er nahm aktiv am Ersten Weltkrieg teil und war 1917 Oberarzt einer mobilen Chirurgengruppe, die v. Eiselsberg an der Wiener I. Chirurgischen Universitätsklinik organisiert hatte.

Pribram wechselte 1918 von Wien nach Berlin und erhielt bis 1924 seine Ausbildung an der Chirurgischen Universitätsklinik der Charité, Ziegelstraße, bei August Bier. 1922 habilitierte er sich an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin für das Fach Chirurgie. Im Dezember 1928 erhielt er eine außerordentliche Professur.

Pribram führte 1922 das Novoprotin, ein Pflanzeneiweißpräparat, zur intravenösen Therapie des Magen- und Duodenalulcus ein, das den Erwartungen nicht entsprechen konnte und durch unerwünschte Wirkungen belastet war.

Seit 1925 war er Chefarzt der Abteilung für Chirurgie am St. Hildegard-Krankenhaus in Berlin-Charlottenburg.

Pribrams Tätigkeitsschwerpunkte bewegten sich im Grenzgebiet der Chirurgie, Inneren Medizin und Radiologie. Sie berührten die Diagnostik und die chirurgische Therapie der Gallenwegserkrankungen, vor allem der Gallenblase. Neben der Abdominalchirurgie forschte er zur invasiven Therapie der hochgradigen Mitralstenose. Er gehörte zu den frühen Chirurgen, die einen operativen Eingriff an der Mitralklappe beim Menschen wagten.

1933 wurde Bruno Oskar Pribram aus seiner leitenden Position am St. Hildegard-Krankenhaus Berlin entlassen. Mit dem 24.11.1933 wurde ihm wegen „nicht arischer Abstammung“ die Lehrbefugnis an der Berliner Universität entzogen (§ 3 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentum vom 07.04.1933, “nichtarische Abstammung”). Pribram war der Sohn katholischer Eltern, ein Großelternteil war mosaischer Konfession.

 Ex Libris für Bruno Oskar Pribram, zweifarbige Strichäztung von Eduard Gärtner, Archiv H Je
Ex Libris für Bruno Oskar Pribram, zweifarbige Strichäztung von Eduard Gärtner, Archiv H Je

 

Flucht 1938 über Großbritannien und 1940 in die USA

Im Februar 1938 floh Pribram aus Berlin nach Großbritannien. Er legte das britische medizinische Examen ab, war kurzzeitig im St. Guy’s Hospital London und später in einer Praxis als Medical Practitioner im Londoner Stadtteil Mayfair tätig. Im Dezember 1938 gelang es, seinen 12-jährigen Sohn, Heinrich (Henry) F. W. Pribram, aus Deutschland nach London zu retten. Der Sohn entstammte Pribrams 1925 geschlossener Ehe mit Hildegard Ullstein, der Enkeltochter des Gründers des Ullstein-Verlages. Die Ehe war 1930 geschieden worden.

Im Juli 1940 gelangte Pribram von Liverpool aus mit dem Ozeandampfer, dem Royal Mail Ship, Antonia zunächst nach Kanada und von dort in die USA. Er erreichte Detroit am 09.08.1940.

Im Juni 1940 wurde Bruno Oskar Pribram die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen. In der Folge war er zehn Jahre staatenlos, zumal er erst 1950 die US-Staatsbürgerschaft erhielt.

Von 1940 bis zum Dezember 1945 leitete Pribram die Abteilung für Chirurgie am St. Elizabeth’s Hospital in Shanghai, einem amerikanischen Missionshospital.

Zurückgekehrt nach New York, war er als Chirurg am katholischen St. Clare’s Hospital in Manhattan tätig und publizierte nach 1945 wiederholt zur Fortentwicklung der Gallenwegschirurgie sowie zur Therapie beim Verschlussikterus. 1950 prägte Pribram den Begriff des „Postcholecystektomie-Syndroms“. Pribram war Fellow des American College of Surgeons und Mitglied der Medical Society des Bundesstaates New York, USA. Seit 1951 war Pribram nach einem Schlaganfall arbeitsunfähig. Sein letzter Wohnsitz in den USA befand sich in Cleveland, Ohio.

The Journal of the American Medical Association 1950
The Journal of the American Medical Association 1950

Bruno Oskar Pribram starb 74-jährig im März 1962 in Garmisch-Patenkirchen. Er wurde auf dem dortigen Friedhof beerdigt. Seine Grabstätte wurde in den 1980er Jahren aufgelöst.

Der Bruder Pribrams, der in Frankfurt tätige Gynäkologe Prof. Egon Ewald Pribram, wurde im Sommer 1938 im KZ Buchenwald inhaftiert. Nach seiner Entlassung im April 1939 musste er Deutschland verlassen. Er konnte nach Shanghai, China, fliehen und lebte seit Dezember 1948 in Cleveland, USA.

Eigene Publikationen (Auswahl)

  1. Quantitative Bestimmung von 1-ß-Oxybuttersäure in Harn und Blut. Z exp Path Ther 1912; 10: 279-283
  2. Parenterale Reizbehandlung des Magen- und Duodenalgeschwürs. Med Klin 1922; 18: 958-962
  3. XII. Die operative Behandlung der Mitralstenose. Arch Klin Chir 1926; 142: 458-464
  4. Fortschritte in der Erkenntnis der Pathologie und der chirurgischen Behandlung des Gallensteinleidens. Jena: Verlag Gustav Fischer 1930
  5. Postcholecystectomy syndromes. JAMA 1950: 142: 1262-1267

Quellen und Literatur
zu den Quellen
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Quellen/Literatur/Weblinks

Biografie von Prof. Dr. med. Bruno Oskar Pribram

Verzeichnis der Quellen

  • Deutscher Reichsanzeiger Nr. 135 und preußischer Staatsanzeiger vom 12.6.1940
  • Schriftliche Auskunft der Friedhofsverwaltung Garmisch-Patenkirchen an den Verfasser Harro Jenss. Email vom 05.01.2021.
  • Universitätsarchiv Humboldt Universität Berlin, UK P 176 und Med. Fak. 01, Nr. 1388, Bl. 110

Verzeichnis der Literatur

  • Bauer H, Kraas E, Steinau HU. [Hg] Schwoch R [A]. Deutsche Gesellschaft für Chirurgie 1933-1945. Die Verfolgten. Heidelberg: Kaden Verlag; 2019 217f.
  • Fischer I. Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte der letzten fünfzig Jahre. Band I. Berlin, Wien: Urban & Schwarzenberg; 1932: 1247
  • Forsbach R, Hofer H-G. Internisten in Diktatur und junger Demokratie. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin 1933-1970. Berlin: Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 2018: 433
  • Kagan S. Jewish Physicians. Boston: Medico-Historical Press 1952: 463f.
  • Österreichische Nationalbibliothek (Hg). Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jahrhundert, Band 2 ( J-R ). München: Saur Verlag 2002: 1077
  • Pribram B.O. Die operative Behandlung der Bauchschüsse im Spätstadium. Wiener Klin Wochenschr 1917; 30: 1-19
  • Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild. Schriftleitung Robert Volz, Vorwort Ferdinand Tönnies. Band 2 (L–Z). Deutscher Wirtschaftsverlag, Berlin 1931, 1444

Verzeichnis der Weblinks