Eine Erinnerungsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
In Erinnerung an

Dr. med.
Erwin Pulay
1889 - 1950

Dr. med. Erwin Pulay © Jessica Pulay, England
Dr. med. Erwin Pulay © Jessica Pulay, England

Mitglied seit 1925

Studium in Wien

Forschte über Zusammenhänge zwischen Hautkrankheiten und Stoffwechselpathologie

Erwin Pulay, Vorlesungsskript 1943
Erwin Pulay, Vorlesungsskript 1943

Dr. med. Erwin Pulay

  • 2‌6‌.‌1‌2‌.‌1‌8‌8‌9‌, Wien
  • 3‌0‌.‌0‌8‌.‌1‌9‌5‌0‌, London
  • Mitglied seit 1925
  • Geflohen 1938, England
  • Wien
  • Dermatologe

Erwin Pulay wurde in der Familie des Kaufmanns Ignaz Pulay und dessen Ehefrau Lina, geb. Zeissl, in Wien geboren.

 

Ausbildung und Wirkungsstätte

Pulay besuchte die kaiserlich-königliche Staatsrealschule seiner Heimatstadt und begann im Wintersemester 1910/11 das Medizinstudium an der Wiener Medizinischen Fakultät, das er im März 1917 mit dem Staatsexamen abschloss. Im August 1917 erfolgte die Promotion. Während des Studiums 1916 war Pulay im kaiserlich-königlichen Serotherapeutischen Institut in Wien bei dem Pathologen und Biochemiker Ernst Pribram tätig. In Wien heiratete Erwin Pulay im Juli 1917 Ida Königsberger.

Nach dem Studium spezialisierte er sich im Fachgebiet Dermatologie. Pulay widmete sich insbesondere der Erforschung der Allergie. Er publizierte umfangreich zu einem breiten Spektrum von Fragestellungen aus dem dermatologischen Fachgebiet, unter anderem über die Stoffwechselpathologie bei Hautkrankheiten und zu konstitutionellen Faktoren in der Pathogenese der Dermatosen.

Ekzem und Urtikaria, Klinik, Pathogenese und Therapie
Ekzem und Urtikaria, Klinik, Pathogenese und Therapie
Erwin Pulay, Vorlesungsskript 1943
Erwin Pulay, Vorlesungsskript 1943

 

Flucht nach England 1938

Erwin Pulay konnte im Sommer 1938 mit Unterstützung des britischen Nachrichtenoffiziers Thomas J. Kendrick nach London fliehen. Kendrick, der in Wien als „Passport Officer“ nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht versuchte, gefährdeten Juden die Flucht zu ermöglichen, versorgte Pulay mit Dokumenten und einem Visum für die Einreise nach England. Ein vorheriger Versuch, Österreich illegal über die Schweizer Grenze zu verlassen, war misslungen. Noch vor dem März 1938 hatten Erwin und Ida Pulay ihre beiden Kinder bereits nach England zu dortigen Unterstützern vorausgeschickt. Später im Jahre 1938 folgte Ida Pulay den beiden Kindern und ihrem Ehemann nach England.

Im November 1939 wurde Erwin Pulay in Großbritannien von der Internierung als Enemy Alien befreit. Seine publizistische Arbeit setzte Pulay in England fort. 1945 erschien das Werk Allergic Man, Susceptibility and Hypersensitivity, das wegen der Überlegungen im Kontext der Konstitutionslehre neue Aufmerksamkeit erzielte.

Allergic Man – Der überempfindliche Mensch, 1945
Allergic Man – Der überempfindliche Mensch, 1945

Die bekannte Cembalistin und Cembalolehrerin Alice Ehlers (1887-1981) war Erwin Pulays Schwester. Sie war 1938 nach einem USA-Aufenthalt nicht mehr nach Europa zurückkehrt und lebte seither in Kalifornien. Der britische Schauspieler Charles Lloyd-Pack war sein Schwiegersohn, dessen Sohn, Roger Lloyd-Pack (1944 – 2014), ebenfalls bekannter Schauspieler, war Erwin Pulays Enkelsohn.

Erwin Pulay starb 60-jährig 1950 in Islington, einem Stadtteil im Nordosten Londons.

Eigene Publikationen (Auswahl)

  1. Das konstitutionelle Element in der Pathogenese der Dermatosen. Ztschr angewandte Anatomie und Konstitutionslehre 1920; 5: 1-22
  2. The importance of blood chemistry in dermatology. Archiv für Dermatologie und Syphilis 1923; 8: 175-7
  3. Ekzem und Urtikaria – Klinik, Pathogenese und Therapie. Berlin, Wien: Urban & Schwarzenberg 1925.
  4. Der überempfindliche Mensch – Überempfindlichkeit des Körpers und der Seele. Wien: Verlag Otto Lorenz 1936.
  5. Allergic Man. Susceptibility and Hypersensitivity. London: Frederick Muller Ltd, 1945
Danksagung

Der Enkeltochter, Jessica Pulay, England, gebührt großer Dank für ihre wichtigen Hinweise zur Biographie und zu den publizistischen Aktivitäten Erwin Pulays. Ebenso sei ihr für die freundliche Überlassung der Porträtfotos Erwin Pulays gedankt.


Quellen und Literatur
zu den Quellen
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Quellen/Literatur/Weblinks

Biografie von Dr. med. Erwin Pulay

Verzeichnis der Quellen

  • Archiv der Universität Wien: Inskriptionsblätter („Nationale“), Rigorosenprotokoll MED 12.4, p. 562 und Promotionsprotokoll M 33.10, Nr.1170
  • Details zur Biographie Erwin Pulays gehen zurück auf Hinweise seiner Enkeltochter Jessica Pulay, England

Verzeichnis der Literatur

  • Fry H. Spymaster: The Secret Life of Kendrick, London: Marranos Press; 2014:

Verzeichnis der Weblinks