Eine Erinnerungsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
In Erinnerung an

Prof. Dr. med.
Ernst Peter Pick
1872 - 1960

Prof. Dr. med. Ernst Peter Pick, <br> Bildquelle Karlsbad 1928
Prof. Dr. med. Ernst Peter Pick,
Bildquelle Karlsbad 1928

Mitglied seit 1925

Studium in Prag und Straßburg

Ordinarius für Pharmakologie, Universität Wien

Setzte seine herausragende wissenschaftliche Arbeit in den USA fort

Hoppe-Seyler’s Ztschr physiol Chem 1897
Hoppe-Seyler’s Ztschr physiol Chem 1897
Arch Int Pharmacodyn et de Therap 1960
Arch Int Pharmacodyn et de Therap 1960

Prof. Dr. med. Ernst Peter Pick

  • 1‌8‌.‌0‌5‌.‌1‌8‌7‌2‌, Jermer/Jaroměř, Böhmen, Tschechien
  • 1‌5‌.‌0‌1‌.‌1‌9‌6‌0‌, New York
  • Mitglied seit 1925
  • Geflohen 1939, USA
  • Wien
  • Pharmakologe und Biochemiker

Ernst Peter Pick wurde 1872 in dem Ort Jermer, Böhmen, als Sohn des Kaufmanns David Pick und seiner Ehefrau Eleonore, geb. Schick, geboren.

 

Ausbildung und Wirkungsstätte

Pick studierte an der Deutschen Karl-Ferdinands-Universität Prag Medizin. Das Studium schloss er 1896 mit dem Staatsexamen und der Promotion ab. Seine weitere Ausbildung erhielt er von 1896 bis 1899 im Physiologisch-chemischen Institut bei Franz Hofmeister an der Universität Straßburg. Danach arbeitete er bis 1911 im Wiener Staatlichen Seruminstitut bei Richard Paltauf. Von 1911 bis 1924 war er Mitarbeiter am Experimentell-pharmakologischen Institut in Wien bei Hans H. Meyer. 1904 wurde er an der Wiener Universität für das Fachgebiet angewandte medizinische Chemie habilitiert. 1919 wurde seine Venia legendi auf das Fach experimentelle Pharmakologie und Toxikologie erweitert. 1912 wurde er zum außerordentlichen Professor ernannt.

Hoppe-Seyler’s Ztschr physiol Chem 1897
Hoppe-Seyler’s Ztschr physiol Chem 1897

Von 1924 bis 1938 war Ernst Peter Pick Ordinarius für Pharmakologie und Direktor des Instituts für Pharmakologie an der Universität Wien.

Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte betrafen die physiologische und pathologische Chemie, Fragen der Serologie und der Immunität, die Chemie der Antigene und ihre Spezifität, die Struktur und Eigenschaften der Proteine sowie die Herzpharmakologie und die pharmakologische Beeinflussung des Zentralnervensystems durch Hypnotika. Zudem befasste er sich mit der Pharmakologie der Diurese. Er entwickelte neue Methoden zur Differenzierung der Eiweißkörper und isolierte und charakterisierte Antikörper. Untersuchungen zur metabolischen und endokrinen Funktion der Schilddrüse sowie zur Bedeutung der Hormone des Hypophysenhinterlappens waren ein weiteres Arbeitsfeld Picks ebenso wie die Auswirkungen des Schocks auf einzelne Organfunktionen. Er war gemeinsam mit seinen Mitarbeitern zu einem breiten Spektrum der experimentellen Pharmakologie höchst aktiv und publizierte eine sehr große Zahl wissenschaftlicher Beiträge.

1933 gab er gemeinsam mit Hans Meyer dessen Standardwerk „Die experimentelle Pharmakologie als Grundlage der Arzneibehandlung“ als vollständig neu bearbeitete achte Auflage heraus.

 

Nach 1933

Am 28.05.1938 wurde Ernst Peter Pick seines Amtes als Ordinarius für Pharmakologie an der Universität Wien enthoben. 66-jährig wurde er zwangspensioniert. Vorübergehend war auf Anordnung der GESTAPO in Wien inhaftiert.

 

1939 Flucht in die USA

Pick floh 1939 aus Wien zunächst nach Frankreich. Am 15.08.1939 gelangten er und seine aus Wittmund, Ostfriesland, stammende Ehefrau Rikea Magareta, geb. Janßen, von dem nordfranzösischen Boulogne-sur-Mer aus mit der S.S. Statendam in die USA. New York erreichten sie am 22.08.1939. Paul Klemperer, der leitende Pathologe am Mount Sinai Hospital, und Klaus Unna, ein früherer Mitarbeiter Picks in Wien und 1937 in die USA übergesiedelt, bürgten für Pick und hatten neben anderen für ein Einreisevisum für die USA gesorgt. 1945 wurde das Ehepaar Pick in den USA eingebürgert.

Von 1939 bis 1946 wirkte Ernst Peter Pick als Clinical Professor für experimentelle Pharmakologie an der Columbia University, College of Physicians and Surgeons, New York und als Consultant am Mount Sinai Hospital New York. In den USA war Pick Mitglied mehrerer Fachgesellschaften, so in der Society of Experimental Biology and Medicine, in der American Association of Advanced Science, im American College of Cardiology, in der Harvey Society und in der New York Academy of Medicine.

Arch Int Pharmacodyn et de Therap 1960
Arch Int Pharmacodyn et de Therap 1960

In New York gründete Pick gemeinsam mit Carla Zawisch-Ossenitz eine Organisation österreichischer Emigranten in den USA, den “Medical Circle” der “Austrian University League”, später ”Pirquet Medical Society” genannt. Der Kreis gab eine eigene Zeitschrift heraus: Medical Circle Bulletin 1954-1963 und Pirquet Bulletin of Clinical Medicine 1963-1975.

Bis zu seinem Tode 1960 war Pick Berater am Merck Institute for Therapeutic Research in Rahway, New Jersey.

Ernst Peter Pick starb im Januar 1960 87-jährig im Mount Sinai Hospital in New York.

Eigene Publikationen (Auswahl)

  1. Untersuchungen über die Proteinstoffe. Hoppe-Seyler’s Ztschr physiol Chem 1897; 24: 246 – 275
  2. Mit Mautner H. Ueber die durch Schockgifte erzeugten Zirkulationsstörungen. II. Das Verhalten der überlebenden Leber. Biochem Ztschr 1922; 127: 72 – 93
  3. Mit Molitor H. Die Bedeutung der Leber für die Diurese. Arch exp Path Pharm 1923; 97: 317 – 343
  4. Über Wasserhaushalt, Diurese und Diuretika. Wien: Springer-Verlag 1924
  5. Spezifische Erregung oder Hemmung des isoliereten Merrschweinchendünndarms durch Nicotine, Serotonin, Histamin, Doryl and Acetylcholine. Arch Int Pharmacodyn et de Therap 1960; 126: 374 - 379

Quellen und Literatur
zu den Quellen
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Quellen/Literatur/Weblinks

Biografie von Prof. Dr. med. Ernst Peter Pick

Verzeichnis der Literatur

  • Antopol, W. In memoriam Ernst Peter Pick 1872-1960. J Mt Sinai Hosp NY 1960; 27: 485-487
  • Fischer I. Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte der letzten fünfzig Jahre. Band I. Berlin, Wien: Urban & Schwarzenberg; 1932: 1213
  • Globus JH. Professor Ernst Peter Pick. J Mt Sinai Hosp NY 1952; 19 (1): IX-XI
  • Hubenstorf M. Österreichische Ärzte-Emigration. In: Stadler F. Vertriebene Vernunft Vernunft I. Emigration und Exil Österreichischer Wissenschaft 1930–1940. Wien, München: Jugend und Volk; 1987: 376,388,393
  • Kagan S. Jewish Physicians. Boston: Medico-Historical Press 1952: 212-214
  • Loewi O. Ernst Peter Pick, der Wissenschaftler. J Mt Sinai Hosp NY 1952; 19: XII – XIII
  • Molitor H. In memoriam Prof. Dr. Dr. h.c. Ernst Peter Pick. Arch Int Pharmacodyn et de Therap 1962; 132: 205-221
  • Brucke F. Prof. Dr. Ernst Peter Pick zum 80. Geburtstag. Wien Klin Wochenschr 1952; 64 (35-26): 614f.

Verzeichnis der Weblinks