Eine Erinnerungsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
In Erinnerung an

Dr. med.
Hans Walther Ullmann
1893 - 1964

Passbild, US-Einbürgerungsantrag 1940. Quelle: familysearch.org
Passbild, US-Einbürgerungsantrag 1940. Quelle: familysearch.org

Mitglied seit 1926

Studium in München

Internistische Ausbildung an der Charité Berlin

Niederlassung in Berlin

Flucht über England in die USA

Studentenkarte Hans Ullmanns © Universitätsarchiv München [UAM], Stud-Kart I (Ullmann, Hans)
Studentenkarte Hans Ullmanns © Universitätsarchiv München [UAM], Stud-Kart I (Ullmann, Hans)
Dissertation 1920, Universität München. Kopie Titelblatt, Arch H Je
Dissertation 1920, Universität München. Kopie Titelblatt, Arch H Je
Zeitschrift Gesamte Experimentelle  Medizin 1923
Zeitschrift Gesamte Experimentelle Medizin 1923
Reichsmedizinalkalender 1937. Der Doppelpunkt vor dem Namen stigmatisiert Ullmann als Juden. Kopie Arch H Je
Reichsmedizinalkalender 1937. Der Doppelpunkt vor dem Namen stigmatisiert Ullmann als Juden. Kopie Arch H Je
Ullmans Ehefrau Hilda Pauline, geb.
Dresel. Passbild, US-Einbürgerungsantrag 1940. Quelle: familysearch.org
Ullmans Ehefrau Hilda Pauline, geb. Dresel. Passbild, US-Einbürgerungsantrag 1940. Quelle: familysearch.org

Dr. med. Hans Walther Ullmann

  • 0‌5‌.‌0‌9‌.‌1‌8‌9‌3‌, Bamberg
  • 2‌4‌.‌1‌1‌.‌1‌9‌6‌4‌, New York
  • Mitglied seit 1926
  • Geflohen 1939, USA
  • Berlin
  • Niedergelassener Facharzt für Innere Krankheiten

Hans Walther Ullmann wurde am 5. September 1893 als Sohn des Carl Ullmann und seiner Ehefrau Mathilde, geb. Bechmann in Bamberg geboren. Seine Familie bekannte sich zur jüdischen Glaubensgemeinschaft.

 

Ausbildung und Wirkungsstätte

Das begonnene Medizinstudium musste Hans W. Ullmann wegen des Ersten Weltkrieges unterbrechen. Seit 1914 nahm er aktiv am Krieg mit Lazarett-Tätigkeiten in Zweibrücken und Würzburg teil. Nach dem Weltkrieg setzte er sein Studium an der Universität München fort.

Studentenkarte Hans Ullmanns © Universitätsarchiv München [UAM], Stud-Kart I (Ullmann, Hans)
Studentenkarte Hans Ullmanns © Universitätsarchiv München [UAM], Stud-Kart I (Ullmann, Hans)

Dort legte Ullmann 1920 das Staatsexamen ab und wurde mit der Arbeit „Ein Karzinosarkom des Kehlkopfs“ promoviert. Im gleichen Jahr erhielt er die ärztliche Approbation.

Dissertation 1920, Universität München. Kopie Titelblatt, Arch H Je
Dissertation 1920, Universität München. Kopie Titelblatt, Arch H Je

Nach dem Studium arbeitete Ullmann seit 1920 an der Zweiten Medizinischen Universitätsklinik der Berliner Charité bei Friedrich Kraus.

Zeitschrift Gesamte Experimentelle  Medizin 1923
Zeitschrift Gesamte Experimentelle Medizin 1923

Diese Tätigkeit beendete er 1927, vermutlich im Zusammenhang mit Kraus’ Emeritierung. Hans Ullmann eröffnete als Facharzt für Innere Krankheiten eine eigene Praxis in der Waitzstrasse in Berlin-Charlottenburg, die sich rasch sehr erfolgreich entwickelte.

Reichsmedizinalkalender 1933, Kopie Arch H Je
Reichsmedizinalkalender 1933, Kopie Arch H Je

Nach Gründung der Fachzeitschrift „Die Medizinische Welt“ 1927, die auf die Verbindung zwischen Wissenschaft und ärztlicher Praxis abzielte, gehörte Ullmann bis 1929 zur Schriftleitung dieses neuen medizinischen Fachblattes. Sein Nachfolger wurde 1930 der spätere Kinderneurologe Clemens Ernst Benda, der wie Hans Ullmann später in die USA fliehen musste.

Die Medizinische Welt 1928, H. Ullmann in der Schriftleitung, Kopie Arch H Je
Die Medizinische Welt 1928, H. Ullmann in der Schriftleitung, Kopie Arch H Je

1926 hatte Ullmann als Mitarbeiter der Zweiten Medizinischen Universitätsklinik der Charite im Archiv für Rassen- und Gesellschaftsbiologie einen Beitrag „Zur Frage der Vitalität und Morbidität der jüdischen Bevölkerung“ publiziert. In jener Zeit waren Fragen der „Biologie und Pathologie der Person“ Gegenstand verschiedener Forschungsansätze. Das genannte Archiv war das Organ der Deutschen Gesellschaft für Rassenhygiene und wurde seit 1904 von dem Rassentheoretiker Alfred Ploetz herausgegeben. Aus heutiger Sicht ist schwer verständlich, dass Ullmann in dieser Zeitschrift publizierte, die wenige Jahre später das rassenbiologische Denken der Nationalsozialisten offen verbreitete.

Archiv f Rassen- und Gesellschafts-Biologie 1926, Kopie Arch H Je
Archiv f Rassen- und Gesellschafts-Biologie 1926, Kopie Arch H Je

 

Flucht nach Großbritannien 1939 und in die USA 1940

Im April 1933 erlebte Hans W. Ullmann den Boykott der ärztlichen Praxen durch die Nationalsozialisten und in den folgenden Jahren die zunehmende Entrechtung der jüdischen Bevölkerung. Mit dem 30. September 1938 entzogen ihm die NS-Behörden die ärztliche Approbation.

Reichsmedizinalkalender 1937. Der Doppelpunkt vor dem Namen stigmatisiert Ullmann als Juden. Kopie Arch H Je
Reichsmedizinalkalender 1937. Der Doppelpunkt vor dem Namen stigmatisiert Ullmann als Juden. Kopie Arch H Je

1939 floh Hans Ullmann aus Berlin zunächst nach Großbritannien / London und wohnte in St. Pancras. Am 19. Juli 1939 heiratete er in London die aus Berlin stammende und 1896 geborene Hilda Pauline Dresel.

Ullmans Ehefrau Hilda Pauline, geb.
Dresel. Passbild, US-Einbürgerungsantrag 1940. Quelle: familysearch.org
Ullmans Ehefrau Hilda Pauline, geb. Dresel. Passbild, US-Einbürgerungsantrag 1940. Quelle: familysearch.org

Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde er als Enemy Alien von der Internierung befreit.

Am 23. 9. 1940 gelangte er gemeinsam mit seiner Ehefrau von Liverpool aus mit der S.S. Samaria in die USA und erreichte New York am 3. Oktober 1940. In den USA nannte er sich Walther Hans Ullman. Ein Bruder sowie die Mutter Ullmans flohen ebenfalls aus Deutschland in die USA. Das Umzugsgut des Ehepaares Hans und Hilda Ullmann wurde im Hamburger Hafen von der GESTAPO zurückgehalten und später für 296 RM versteigert (vgl. Brandenburgisches Landeshauptarchiv / BLHA 36 A II 38426).

Nach Sprachprüfungen und Ablegen des amerikanischen Staatsexamens erhielt W. H. Ullman die Lizenz zur Ausübung einer privaten Praxis. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte Ullman wiederholt nach Deutschland zurück und hielt sich vor allem in München zu Konzert- und Theaterbesuchen auf.

Walther Hans Ullman starb 71-jährig in Manhattan / New York am 24. 11. 1964. Seine Grabstätte und die seiner Ehefrau sind (bisher) nicht bekannt.

Eigene Publikationen (Auswahl)

  1. Die Bedeutung der endogenen Harnsäureausscheidung bei Lebererkrankungen. Verhandl Dtsch Gesell Inn Med 1922; 34. Kongress, S. 171-172
  2. Zur Frage der Harnsäureausscheidung im Urin von Ikteruskranken. Z Ges Exp Med 1923; 38: 67-93
  3. Zur Frage der Vitalität und Morbidität der jüdischen Bevölkerung. Archiv für Rassen- und Gesellschaftsbiologie einschließlich Rassen- und Gesellschaftshygiene. 1926; 18 (1):1 – 54
  4. Die Zunahme der Zuckerkrankheit. Dtsch med Wochenschr 1927; 53: 561-565

Beitrag von Dr. med. Harro Jenss, Worpswede. Erstveröffentlichung 28.11.2022, Neubearbeitung 11.1.2026


Quellen und Literatur
zu den Quellen
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Quellen/Literatur/Weblinks

Biografie von Dr. med. Hans Walther Ullmann

Quellen   

Universitätsarchiv München / UAM. Studenten-Karte I (Hans Ullmann)

Brandenburgisches Landeshauptarchiv / BLHA, Sign. 36 A II 38426

Landesarchiv Berlin / Wiedergutmachungsakte B Rep 025-03 Nr. 4756 / 51

Literatur

Ullmann H. Ein Karzninosarkom des Kehlskopfs. Medizinische Dissertation, Universität München, 1920. Maschinenschrift. Staatsbibliothek Berlin-Preußischer Kulturbesitz / SBB-PK Sign. MS 20 / 3072 MF

Benda C. Gedanken zum Tod von Dr. Walther Hans Ullman, New York. Gestorben 24. November 1964. Die Medizinische Welt 1965; NF 16 (Heft 2, 9. Januar), 135 – 136

Schwoch R. [Hg] Berliner Jüdische Kassenärzte und ihr Schicksal im Nationalsozialismus. Ein Gedenkbuch. Berlin: Hentrich & Hentrich Verlag 2009: 871

Weblinks

www.ancestry.de [Recherche in online-Datenbanken zu Passagierlisten Europa / USA, Einbürgerungsanträgen in den USA und online-Dokumenten in Großbritannien], Stand  15.1.2021

www.familysearch.org [Recherche in den online-Datenbanken der USA, u.a. US- Einbürgerungsanträge, Immigrationsdokumente in den USA], Stand 8.1.2025

https://dajab.de/personen/hans-ullmann/ [Digitales Archiv jüdischer Autorinnen und Autoren in Berlin 1933 – 1945, Eintrag Hans Ullmann], Stand 8.1.2026