Dr. med. Hans Walther Ullmann
- 05.09.1893, Bamberg
- 24.11.1964, New York
- Mitglied seit 1926
- Geflohen 1939, USA
- Berlin
- Niedergelassener Facharzt für Innere Krankheiten
Hans Walther Ullmann wurde am 5. September 1893 als Sohn des Carl Ullmann und seiner Ehefrau Mathilde, geb. Bechmann in Bamberg geboren. Er wuchs mit einem älteren Bruder, dem 1889 geborenen Robert Leopold Ullmann auf. Die Familie bekannte sich zur jüdischen Glaubensgemeinschaft.
Ausbildung und Wirkungsstätte
Hans Ullmann besuchte von 1903 bis 1912 das Neue Humanistische Gymnasium in Bamberg und studierte anschließend Medizin in Würzburg, Heidelberg und München.
Das begonnene Studium musste er wegen des Ersten Weltkrieges unterbrechen. Seit 1914 nahm er als Kriegsfreiwilliger aktiv am Krieg mit Lazarett-Tätigkeiten in Zweibrücken und Würzburg teil. Nach dem Weltkrieg setzte er sein Studium an der Universität München fort.
Dort legte Ullmann 1920 das Staatsexamen ab und wurde mit der Arbeit „Ein Karzinosarkom des Kehlkopfs“ promoviert. Im gleichen Jahr erhielt er die ärztliche Approbation.
Nach dem Studium arbeitete Ullmann seit 1920 an der Zweiten Medizinischen Universitätsklinik der Berliner Charité bei Friedrich Kraus.
Diese Tätigkeit beendete er 1927, vermutlich im Zusammenhang mit Kraus’ Emeritierung. Hans Ullmann eröffnete als Facharzt für Innere Krankheiten eine eigene Praxis in der Waitzstrasse in Berlin-Charlottenburg, die sich rasch sehr erfolgreich entwickelte. Nebenher war er kurzzeitig und vertretungsweise als Gewerbearzt der Stadt Berlin tätig, zudem war er Vertrauensarzt der Maschinenbau-Kassen.
Nach Gründung der Fachzeitschrift „Die Medizinische Welt“ 1927, die auf die Verbindung zwischen Wissenschaft und ärztlicher Praxis abzielte, gehörte Ullmann bis 1929 zur Schriftleitung dieses neuen medizinischen Fachblattes. Sein Nachfolger wurde 1930 der spätere Kinderneurologe Clemens Ernst Benda, der wie Hans Ullmann später in die USA fliehen musste.
1926 publizierte Ullmann als Mitarbeiter der Zweiten Medizinischen Universitätsklinik der Charite im Archiv für Rassen- und Gesellschaftsbiologie einen Beitrag „Zur Frage der Vitalität und Morbidität der jüdischen Bevölkerung“.
In jener Zeit waren Fragen der „Biologie und Pathologie der Person“ Gegenstand verschiedener Forschungsansätze. Das genannte Archiv war das Organ der Deutschen Gesellschaft für Rassenhygiene und wurde seit 1904 von dem Rassentheoretiker Alfred Ploetz herausgegeben. Aus heutiger Sicht ist schwer verständlich, dass Ullmann in dieser Zeitschrift publizierte, die wenige Jahre später das rassenbiologische Denken der Nationalsozialisten offen verbreitete.
Hans Ullmann war neben seiner ärztlichen Tätigkeit journalistisch aktiv und publizierte zahlreiche Beiträge in Berliner Tageszeitungen, u.a. in der Berliner Zeitung am Mittag und in der Morgenpost. Aufgrund dieser Aktivitäten war er Mitglied in der Reichskulturkammer.
Flucht nach Großbritannien 1939 und in die USA 1940
Im April 1933 erlebte Hans W. Ullmann den Boykott der ärztlichen Praxen durch die Nationalsozialisten und in den folgenden Jahren die zunehmende Entrechtung der jüdischen Bevölkerung.
Die Zulassung zur Kassenarztpraxis blieb zunächst aufgrund des „Frontkämpfer-Privilegs“ erhalten. Mit dem 30. September 1938 entzogen ihm die NS-Behörden die ärztliche Approbation. Aus der Reichsschrifttumskammer war er als Jude im Januar 1935 ausgeschlossen worden.
Nach Entrichtung der Reichsfluchtsteuer und der Judenvermögensabgabe floh Ullmann am 27. Mai 1939 aus Berlin zunächst nach Großbritannien / London und wohnte in St. Pancras. Am 19. Juli 1939 heiratete er in London die aus Berlin stammende und 1896 geborene Hilda Pauline Dresel.
Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde er als Enemy Alien von der Internierung befreit.
Am 23. 9. 1940 gelangte er gemeinsam mit seiner Ehefrau von Liverpool aus mit der S.S. Samaria in die USA und erreichte New York am 3. Oktober 1940. In den USA nannte er sich Walther Hans Ullman. Das Umzugsgut des Ehepaares Hans und Hilda Ullmann wurde im Hamburger Hafen von der GESTAPO zurückgehalten und später für 296 RM versteigert (vgl. Brandenburgisches Landeshauptarchiv / BLHA 36 A II 38426).
Nach Sprachprüfungen und Ablegen des amerikanischen Staatsexamens erhielt W. H. Ullman die Lizenz zur Ausübung einer privaten Praxis.
Seit Juli 1942 arbeitete er als general practitioner in New York, seit November 1958 war er außerdem für das New Yorker Department of Welfare tätig und machte Hausbesuche bei den vom New Yorker Wohlfahrtsamt Betreuten.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte Ullman wiederholt nach Deutschland zurück und hielt sich vor allem in München zu Konzert- und Theaterbesuchen auf. In den 1950er Jahren publizierte Ullman in der „Medizinischen Welt“ (vorübergehend unter dem Titel „Die Medizinische“ erschienen) mehrere Beiträge, so 1958 eine Würdigung des Internisten und früheren Direktors der Berliner II. Medizinischen Universitätsklinik Friedrich Kraus anlässlich dessen hundertsten Geburtstages.
Walther Hans Ullman starb 71-jährig in Manhattan / New York am 24. 11. 1964. Seine Grabstätte ist (bisher) nicht bekannt. Seine Ehefrau Hilda Ullman-Dresel starb am 9. März 1984 in Bad Soden im Taunus.
Walther H. Ullmans Vater war 1939 84-jährig in Bamberg gestorben. Seine Mutter, die 1865 in Fürth geborene Mathilde Ullmann-Bechmann gelangte von Europa zunächst nach Havanna. Nach einem einjährigen Aufenthalt auf Cuba konnte sie von dort im März 1943 zunächst nach Miami, Florida, USA, einreisen. Sie lebte in der Folgezeit bei ihrem älteren Sohn Robert L. Ullman in Rome, Oneida County, im Bundesstatt New York, etwa 350 km entfernt von Manhattan. Mathilde Ullman starb hochbetagt 1960.
Der Bruder Robert L. Ullmann studierte ebenfalls Medizin und absolvierte Staatsexamen und Promotion 1913 in Erlangen. Er konnte nach 1933 zunächst nach Großbritannien fliehen und übersiedelte im Mai 1936 von Southampton aus in die USA und lebte fortan in Rome, Oneida County, Bundesstaat New York. Er starb im gleichen Jahr 1964 wie sein Bruder Walther Hans Ullman.
Beitrag von Dr. med. Harro Jenss, Worpswede. Erstveröffentlichung 28.11.2022, Neubearbeitung 11.1.2026 und 24.6.2026
Quellen und Literatur
zu den Quellen