Dr. med. Hans Walther Ullmann
- 05.09.1893, Bamberg
- 24.11.1964, New York
- Mitglied seit 1926
- Geflohen 1939, USA
- Berlin
- Niedergelassener Facharzt für Innere Krankheiten
Hans Walther Ullmann wurde am 5. September 1893 als Sohn des Carl Ullmann und seiner Ehefrau Mathilde, geb. Bechmann in Bamberg geboren. Seine Familie bekannte sich zur jüdischen Glaubensgemeinschaft.
Ausbildung und Wirkungsstätte
Das begonnene Medizinstudium musste Hans W. Ullmann wegen des Ersten Weltkrieges unterbrechen. Seit 1914 nahm er aktiv am Krieg mit Lazarett-Tätigkeiten in Zweibrücken und Würzburg teil. Nach dem Weltkrieg setzte er sein Studium an der Universität München fort.
Dort legte Ullmann 1920 das Staatsexamen ab und wurde mit der Arbeit „Ein Karzinosarkom des Kehlkopfs“ promoviert. Im gleichen Jahr erhielt er die ärztliche Approbation.
Nach dem Studium arbeitete Ullmann seit 1920 an der Zweiten Medizinischen Universitätsklinik der Berliner Charité bei Friedrich Kraus.
Diese Tätigkeit beendete er 1927, vermutlich im Zusammenhang mit Kraus’ Emeritierung. Hans Ullmann eröffnete als Facharzt für Innere Krankheiten eine eigene Praxis in der Waitzstrasse in Berlin-Charlottenburg, die sich rasch sehr erfolgreich entwickelte.
Nach Gründung der Fachzeitschrift „Die Medizinische Welt“ 1927, die auf die Verbindung zwischen Wissenschaft und ärztlicher Praxis abzielte, gehörte Ullmann bis 1929 zur Schriftleitung dieses neuen medizinischen Fachblattes. Sein Nachfolger wurde 1930 der spätere Kinderneurologe Clemens Ernst Benda, der wie Hans Ullmann später in die USA fliehen musste.
1926 hatte Ullmann als Mitarbeiter der Zweiten Medizinischen Universitätsklinik der Charite im Archiv für Rassen- und Gesellschaftsbiologie einen Beitrag „Zur Frage der Vitalität und Morbidität der jüdischen Bevölkerung“ publiziert. In jener Zeit waren Fragen der „Biologie und Pathologie der Person“ Gegenstand verschiedener Forschungsansätze. Das genannte Archiv war das Organ der Deutschen Gesellschaft für Rassenhygiene und wurde seit 1904 von dem Rassentheoretiker Alfred Ploetz herausgegeben. Aus heutiger Sicht ist schwer verständlich, dass Ullmann in dieser Zeitschrift publizierte, die wenige Jahre später das rassenbiologische Denken der Nationalsozialisten offen verbreitete.
Flucht nach Großbritannien 1939 und in die USA 1940
Im April 1933 erlebte Hans W. Ullmann den Boykott der ärztlichen Praxen durch die Nationalsozialisten und in den folgenden Jahren die zunehmende Entrechtung der jüdischen Bevölkerung. Mit dem 30. September 1938 entzogen ihm die NS-Behörden die ärztliche Approbation.
1939 floh Hans Ullmann aus Berlin zunächst nach Großbritannien / London und wohnte in St. Pancras. Am 19. Juli 1939 heiratete er in London die aus Berlin stammende und 1896 geborene Hilda Pauline Dresel.
Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde er als Enemy Alien von der Internierung befreit.
Am 23. 9. 1940 gelangte er gemeinsam mit seiner Ehefrau von Liverpool aus mit der S.S. Samaria in die USA und erreichte New York am 3. Oktober 1940. In den USA nannte er sich Walther Hans Ullman. Ein Bruder sowie die Mutter Ullmans flohen ebenfalls aus Deutschland in die USA. Das Umzugsgut des Ehepaares Hans und Hilda Ullmann wurde im Hamburger Hafen von der GESTAPO zurückgehalten und später für 296 RM versteigert (vgl. Brandenburgisches Landeshauptarchiv / BLHA 36 A II 38426).
Nach Sprachprüfungen und Ablegen des amerikanischen Staatsexamens erhielt W. H. Ullman die Lizenz zur Ausübung einer privaten Praxis. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte Ullman wiederholt nach Deutschland zurück und hielt sich vor allem in München zu Konzert- und Theaterbesuchen auf.
Walther Hans Ullman starb 71-jährig in Manhattan / New York am 24. 11. 1964. Seine Grabstätte und die seiner Ehefrau sind (bisher) nicht bekannt.
Beitrag von Dr. med. Harro Jenss, Worpswede. Erstveröffentlichung 28.11.2022, Neubearbeitung 11.1.2026
Quellen und Literatur
zu den Quellen