Eine Erinnerungsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
In Erinnerung an

Dr. med.
Hans Ury
1873 - 1937

Dr. med. Hans Ury um 1903, <br> Privatsammlung Familie Wallenberg, USA
Dr. med. Hans Ury um 1903,
Privatsammlung Familie Wallenberg, USA

Mitglied seit 1926

Enger Mitarbeiter Ismar Boas'

Suizid 1937

Dissertation, Berlin 1895, <br> Archiv H Je
Dissertation, Berlin 1895,
Archiv H Je
Gedenkstein Jüdischer Friedhof Berlin-Weißensee, Fotografie Carolyn Naumann
Gedenkstein Jüdischer Friedhof Berlin-Weißensee, Fotografie Carolyn Naumann

Dr. med. Hans Ury

  • 1‌5‌.‌0‌1‌.‌1‌8‌7‌3‌, Berlin
  • 0‌7‌.‌0‌9‌.‌1‌9‌3‌7‌, Berlin
  • Mitglied seit 1926
  • Berlin
  • Niedergelassener Facharzt für Magen-, Darm- und Stoffwechselkrankheiten

„Verfasser dieser Arbeit, Hans Ury, mosaischer Religion, Sohn des Fabrikanten Emil Ury, wurde am 15. Januar 1873 zu Berlin geboren. Seine erste Schulbildung erhielt er in der Vorschule des Herrn Dr. Kürten zu Berlin, darauf besuchte er das Köllnische Gymmnasium ebendaselbst, das er Ostern 1891 mit dem Zeugnis der Reife verliess“, so Ury im Lebenslauf seiner Dissertationschrift. Sein Vater war Direktor der Berliner Tabakfabrik Doussin, seine Mutter war Franziska Ury, geb. Schlesinger. Die Kinderbuchautorin Else Ury („Nesthäkchen-Geschichten“) war Hans Urys Schwester.

 

Ausbildung und Wirkungsstätte

Hans Ury studierte während des gesamten Studiums an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität Medizin. Dort legte er am 22.02.1895 das Staatsexamen ab und wurde am 09.07 des gleichen Jahres mit der Arbeit „Ein Fall von mal perforant du pied“ promoviert. 1896 erhielt er seine Approbation.

Dissertation, Berlin 1895, <br> Archiv H Je
Dissertation, Berlin 1895,
Archiv H Je

Ury war Mitarbeiter Ismar Boas’ und vorübergehend in dessen Poliklinik und Privatklinik für Magen-Darm-Krankheiten tätig. 1905 arbeitete und forschte er zeitweise im chemischen Labor des Instituts für Pathologie der Charité bei Ernst Salkowski. Seit 1910 erstellte er für das Archiv für Verdauungskrankheiten („Boas Archiv“) sehr zahlreiche Referate und Zusammenfassungen der deutschsprachigen Fachliteratur zur Gastroenterologie, Hepatologie und den Stoffwechselkrankheiten.

Ury nahm aktiv am Ersten Weltkrieg teil und begleitete als Militärarzt einen der ersten Militärzüge nach Frankreich.

Seit 1903 führte Ury erfolgreich eine sehr angesehene Praxis für Magen-, Darm- und Stoffwechselkrankheiten, die im weiteren Verlauf die Röntgendiagnostik einbezog. Die Praxis befand sich zunächst am Kaiserdamm, später über viele Jahre in der Berliner Kantstraße 30. In diesem Haus wohnte er zudem gemeinsam mit seiner Mutter und der Schwester Else Ury. Daneben unterhielt eine eigene Poliklinik im Bezirk Prenzlauer Berg. Ury war musikalisch interessiert, spielte Violine und war in einem Quartett aktiv.

Nach 1933 wurde ihm die Kassenzulassung entzogen.

 

1937

Hans Ury beging am 07.09.1937 in Berlin Suizid. Er wurde auf dem Jüdischen Friedhofs Berlin-Weißensee beerdigt. Sein Grabstein befindet sich im dortigen Urnenfeld III.

Gedenkstein Jüdischer Friedhof Berlin-Weißensee, Fotografie Carolyn Naumann
Gedenkstein Jüdischer Friedhof Berlin-Weißensee, Fotografie Carolyn Naumann

Hans Urys Schwester, die Schriftstellerin Else Ury, wurde im Januar 1943 in Auschwitz ermordet. Seine zweite Schwester Käthe Heymann, geb. Ury, floh in die Niederlande. Im April 1943 wurde sie im Lager Westerbork inhaftiert, später in das KZ Bergen-Belsen und danach in das Ghetto Theresienstadt transportiert. Am 28.10.1944 wurde sie von dort nach Auschwitz deportiert und ermordet. Hans Urys Bruder, der Rechtsanwalt und Justizrat Dr. jur. Ludwig Ury, konnte aus Deutschland nach London fliehen.

Eigene Publikationen (Auswahl)

  1. Seit 1913 zahlreiche Beiträge im Referateteil des Archivs für Verdauungskrankheiten („Boas-Archiv“) zu den deutschsprachigen Publikationen aus dem Bereich des neuen Fachgebietes Gastroenterologie.
  2. Zur Methodik des quantitativen Nachweises von Fäulnis- und Gärungsprodukten in den Faeces. Arch Verdauungskr 1905; 11: 242-61
  3. Zur Theorie der Bitterwasserwirkung. Arch Verdauungskr 1913; 19: 293-295
  4. Über den Durchfall. Arch Verdauungskr 1928; 43: 459-481 (Ismar Boas zum 70. Geburtstag)

Quellen und Literatur
zu den Quellen
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Quellen/Literatur/Weblinks

Biografie von Dr. med. Hans Ury

Verzeichnis der Quellen

  • Bayerische Staatsbibliothek. Ury H. Dissertation: Ein Fall von mal perforant du pied. Berlin 1895. BSB, Diss. med. 273-71: 31
  • Persönliche Auskünfte Marianne Brentzel an den Verfasser Harro Jenss 2012
  • Reichsmedizinalkalender 1937. Digitale Sammlung der ZB Medizin – Informationszentrum für Lebenswissenschaften. Im Internet: https://digital.zbmed.de/medizingeschichte/periodical/structure/4948689

Verzeichnis der Literatur

  • Asper B, Kempin H, Münchmeyer-Schöneberg B. Wiedersehen mit Nesthäkchen. Else Ury aus heutiger Sicht. Berlin: text verlag edition berlin 2007
  • Brentzel M. Mir kann doch nichts geschehen. Das Leben der Nesthäkchen-Autorin Else Ury. Berlin: Edition Ebersbach 2007
  • Grunenberg A. Die Welt war so heil. Die Familie der Else Ury. Chronik eines jüdischen Schicksals. Berlin: Ullstein Buchverlage 2006: 35f., 42-47, 76f.
  • Schwoch R. Berliner Jüdische Kassenärzte und ihr Schicksal im Nationalsozialismus. Ein Gedenkbuch. Berlin: Hentrich & Hentrich Verlag 2009: 872f.

Verzeichnis der Weblinks