Eine Erinnerungsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
In Erinnerung an

Prof. Dr. med.
Hermann Schlesinger
1866 - 1934

Prof Hermann Schlesinger um 1925 © Josephinum – Medizinische Universität Wien. Unterschrift: Quelle: AT-OeStA/AVA Unterricht UM allg. Akten 631.6
Prof Hermann Schlesinger um 1925 © Josephinum – Medizinische Universität Wien. Unterschrift: Quelle: AT-OeStA/AVA Unterricht UM allg. Akten 631.6

Mitglied seit 1926

Studium in Wien

Habilitationsarbeit Schlesingers 1895.
Titelblatt, Kopie Arch H Je
Habilitationsarbeit Schlesingers 1895. Titelblatt, Kopie Arch H Je
Schlesingers Beitrag gemeinsam mit dem Chirurgen Julius Schnitzler (Bruder des Schriftstellers Arthur Schnitzler).
Schlesingers Beitrag gemeinsam mit dem Chirurgen Julius Schnitzler (Bruder des Schriftstellers Arthur Schnitzler).
Wegweisender Beitrag Schlesingers zur Geriatrie 1914. Publiziert als Ergänzungsband zu Nothnagels legendärer Speziellen Pathologie und Therapie. Titelblatt, Kopie Arch H Je
Wegweisender Beitrag Schlesingers zur Geriatrie 1914. Publiziert als Ergänzungsband zu Nothnagels legendärer Speziellen Pathologie und Therapie. Titelblatt, Kopie Arch H Je
Ebendorfer Strasse 10, 1. Wiener Gemeindebezirk, hier führte Schlesinger eine Praxis. Foto Cornelie Haag, 2024
Ebendorfer Strasse 10, 1. Wiener Gemeindebezirk, hier führte Schlesinger eine Praxis. Foto Cornelie Haag, 2024

Prof. Dr. med. Hermann Schlesinger

  • 0‌2‌.‌0‌6‌.‌1‌8‌6‌6‌, Pressburg/Bratislava, Slowakei, früher Österreich-Ungarn
  • 2‌9‌.‌0‌3‌.‌1‌9‌3‌4‌, Wien
  • Mitglied seit 1926
  • Wien
  • Facharzt für Innere Medizin und Neurologie

Hermann Schlesinger wurde 1866 als Sohn des Kaufmanns Max Jakob Schlesinger und seiner Ehefrau Katharina, geb. Weiss, 1866 in einer jüdischen Familie in Pressburg im früheren Österreich-Ungarn, heute Bratislava, Slowakei, geboren.

 

Ausbildung und Wirkungsstätte

Nach dem Abitur 1884 studierte Schlesinger Medizin an der Universität Wien. 1890 schloss er das Studium mit dem Staatsexamen und der Promotion ab. Nach dem Studium war er kurzzeitig an der I. Psychiatrischen und Neurologischen Klinik des Allgemeinen Krankenhauses in Wien bei dem Psychiater, Neurologen und Neuroanatomen Theodor Meynert tätig. Danach wechselte Schlesinger zu Hermann Nothnagel als Aspirant an die I. Wiener Medizinische Universitätsklinik sowie an das Allgemeine Krankenhaus Wien. Der Dermatologe Moritz Kaposi, der Laryngologe Leopold Schrötter und der Neurologe Heinrich Obersteiner, junior, gehörten zu seinen Lehrern. 1895 wurde Schlesinger an der Wiener Universität für das Fach Innere Medizin mit einer Arbeit über die Syringomyelie habilitiert.

Habilitationsarbeit Schlesingers 1895.
Titelblatt, Kopie Arch H Je
Habilitationsarbeit Schlesingers 1895. Titelblatt, Kopie Arch H Je

Sein Habilitationsvortrag hatte den Titel „Ueber den subphrenischen Abszess“. 1902 erhielt er eine Titularprofessur, 1920 eine außerordentliche Professur an der Universität Wien.

Im Februar 1899 hatte Schlesinger die aus Wien stammende und 1877 in einer jüdischen Familie geborene Bertha Pollack von Parnau geheiratet. Sie war die Tochter des Wiener Textilindustriellen und Mäzens Bernhard Pollack von Parnau, der u.a. den Bau des Kinderspitals (Pollacksche Kinderpavillons) des Kaiser-Franz-Josef-Spitals ermöglichte. Im März 1900 wurde die Tochter Eva Helene, im Mai 1904 der Sohn Friedrich Georg (Fritz) Schlesinger geboren.

Seit 1901 war Hermann Schlesinger in leitender Stellung am Kaiser-Franz-Josef-Spital in Wien tätig. 1908 übernahm er als Primararzt die Leitung der III. Medizinischen Klinik am Wiener Allgemeinen Krankenhaus. Neben seiner klinischen Arbeit führte er eine Praxis in der Ebendorfer Strasse 10 im 1. Wiener Gemeindebezirk.

Ebendorfer Strasse 10, 1. Wiener Gemeindebezirk, hier führte Schlesinger eine Praxis. Foto Cornelie Haag, 2024
Ebendorfer Strasse 10, 1. Wiener Gemeindebezirk, hier führte Schlesinger eine Praxis. Foto Cornelie Haag, 2024

Schlesinger beschäftigte sich mit einem breiten Themenspektrum aus dem Gesamtgebiet der Inneren Medizin sowie mit Fragestellungen aus dem Fachgebiet der Neurologie. Daneben befasste er sich frühzeitig mit den Erkrankungen des Alters und gilt in Österreich als früher Vertreter der Geriatrie.

Wegweisender Beitrag Schlesingers zur Geriatrie 1914. Publiziert als Ergänzungsband zu Nothnagels legendärer Speziellen Pathologie und Therapie. Titelblatt, Kopie Arch H Je
Wegweisender Beitrag Schlesingers zur Geriatrie 1914. Publiziert als Ergänzungsband zu Nothnagels legendärer Speziellen Pathologie und Therapie. Titelblatt, Kopie Arch H Je

Er engagierte sich zudem für die Heilstättenbewegung zur Behandlung der Lungentuberkulose. Schlesinger war Mitbegründer des Wiener Medizinischen Clubs, aus dem später die Gesellschaft für Innere Medizin in Wien hervorging. Gemeinsam mit dem Chirurgen Julius Schnitzler, dem Bruder des Schriftstellers Arthur Schnitzler, verfasste Schlesinger das Buch „Die Indikationen zu chirurgischen Eingriffen bei inneren Erkrankungen“.

Schlesingers Beitrag gemeinsam mit dem Chirurgen Julius Schnitzler (Bruder des Schriftstellers Arthur Schnitzler).
Schlesingers Beitrag gemeinsam mit dem Chirurgen Julius Schnitzler (Bruder des Schriftstellers Arthur Schnitzler).

Er war äußerst aktiv und publizierte eine große Zahl medizinischer Fachbeiträge.

 

1934 – 1939

Hermann Schlesinger starb 67-jährig am 29.03.1934 in Wien. Schlesingers Ehefrau wurde 1938 durch die NS-Behörden in Wien gezwungen, eine Vermögenserklärung abzugeben. Im gleichen Jahr konnte sie aus Österreich fliehen und zu ihrem Sohn nach Kanada (Vancouver) gelangen. Im Juni 1939 änderte sie ihren Namen in Bertha Angeline Stevens. Sie starb in Vancouver am 30. 11. 1958.

Bertha Angeline Stevens (Schlesinger), 1877-1958, Quelle: www.geni.com
Bertha Angeline Stevens (Schlesinger), 1877-1958, Quelle: www.geni.com
Grab Bertha Angeline Stevens (Schlesinger), Ocean View Buria Park, Burnaby, Metro Vancouver Regional District, BC.
Grab Bertha Angeline Stevens (Schlesinger), Ocean View Buria Park, Burnaby, Metro Vancouver Regional District, BC.

Der Sohn Friedrich Georg Schlesinger war bereits 1933 über die USA nach Kanada emigriert. Dort nannte er sich Frederic George Edgar Stevens. Er starb in Vancouver 1971.

Die Tochter Eva Helene Schlesinger, verheiratete Pollak, war 30-järig 1930 in Wien gestorben.

Die Schwägerin Hermann Schlesingers Käthe Pollack von Parnau, verheiratete Pick, floh gemeinsam mit ihrem Ehemann Otto Pick über Frankreich nach Kanada und lebte wie Bertha Stevens (Schlesinger) in Vancouver.  Der Schwager Schlesingers, Bruno Pollack von Parnau überlebte den Holocaust in Budapest und kehrte nach 1945 nach Wien zurück. Die Textilfirma der Familie Pollack von Parnau war 1938 von den NS-Behörden „arisiert“ worden. Wohnhäuser der Familie in Wien wurden im Zweiten Weltkrieg Krieg teilweise vollständig zerstört.

Eigene Publikationen (Auswahl)

  1. Mit Becker H. Grundzüge der Ernährung des gesunden und kranken Menschen. Frankfurt a. M.: Verlag von Jakob Heinrich Bechold 1895
  2. Die Syringomyelie. Eine Monographie. Leipzig, Wien: Franz Deuticke Verlag 1895; 2. Aufl. 1902
  3. Die Indikationen zu chirurgischen Eingriffen bei inneren Erkrankungen. Für den Praktiker bearbeitet. 1 bis 3. Teil / 3 Bände. Jena: Gustav Fischer Verlag 1903-1905
  4. Die Krankheiten des höheren Lebensalters. Wien: Alfred Hölder Verlag, 2 Bände, 1914/15
  5. Syphilis und Innere Medizin. Wien: Verlag von Julius Springer, 3 Bände 1925-1928
Danksagung

Den Mitarbeitenden des Josephinums – Medizinische Universität Wien danke ich für die Überlassung des Foto-Porträts Hermann Schlesingers und für die Genehmigung zur Reproduktion. Meiner Kollegin Dr. med. Cornelie Haag, Dresden, danke ich für wertvolle Hinweise nach ihren Recherchen im Österreichischen Staatsarchiv und für die Fotografie des Gebäudes Ebendorferstrasse 10, Wien.

Beitrag von Dr. med. Harro Jenss, Worpswede. Stand 20.8.2021, Überarbeitet 31.5.2026


Quellen und Literatur
zu den Quellen
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Quellen/Literatur/Weblinks

Biografie von Prof. Dr. med. Hermann Schlesinger

Quellen

Österreichisches Staatsarchiv, AT-OeStA-AVA Unterricht UM allg. Akten 631.6 [Curriculum Vitae, Habilitationsakte, Übertragung einer außerordentlichen Professur, Universität Wien]

Österreichisches Staatsarchiv, AT-OeStA-AdR Finanzen VVSt VA 34.195 [Vermögenserklärung 1938, Bertha Schlesinger, geb. Pollak von Parnau]

Österreichisches Staatsarchiv AdR Finanzen BMF 2 Rep AHF 8.671 [Antrag auf Unterstützung für Bertha Angeline Stevens (Schlesinger) durch den Österreichischen Hilfsfonds / Erklärung des Sohnes Frederic G.E.Stevens, Vancouver]

Josephinum – Medizinische Sammlungen, Medizinische Universität Wien, MUW-FO-000433-0001-0004 [Porträt-Foto Hermann Schlesinger um 1925]

Literatur

Fischer I. Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte der letzten fünfzig Jahre. Band I. Berlin, Wien: Urban & Schwarzenberg; 1932: 1392

Kagan S. Jewish Physicians. Boston: Medico-Historical Press 1952: 389

Weblinks

Österreichisches Biographisches Lexikon und biographische Dokumentation. Schlesinger, Hermann (1866-1934), Internist und Neurologe. Im Internet: https://biographien.ac.at/ID-0.3054942-1, Stand: 22.07.2021

https://www.geni.com/people/Hermann-Schlesinger/6000000010902303864, Stand 15.5.2026

https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?tag=bio-bibliografisches-lexikon [Beitrag W. Mentzel, Hermann Schlesinger 1866 – 1934, publiziert 9.4.2026], Stand 15.5.2026

www.familysearch.org, Stand 15.5. 2026

www.findagrave.com