Eine Erinnerungsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
In Erinnerung an

Priv. Doz. Dr. med. Dr. phil.
Paul Oswald Wolff
1894 - 1957

Priv. Doz. Dr. med. Paul Oswald Wolff, Bildquelle Deutsche Medizinische Wochenschrift 1958, Volume 83, Heft 8, Thieme Verlag
Priv. Doz. Dr. med. Paul Oswald Wolff, Bildquelle Deutsche Medizinische Wochenschrift 1958, Volume 83, Heft 8, Thieme Verlag

Mitglied seit 1925

Stellv. Generalsekretär der (D)GVS 1927 bis 1933

Flucht in die Schweiz 1933, Flucht nach Argentinien 1939

Rückkehr in
die Schweiz
1949

P. O. Wolff, Schriftleiter der Deutschen Medizinischen Wochenschrift bis 1933
P. O. Wolff, Schriftleiter der Deutschen Medizinischen Wochenschrift bis 1933

Priv. Doz. Dr. med. Dr. phil. Paul Oswald Wolff

  • 2‌8‌.‌0‌2‌.‌1‌8‌9‌4‌, Berlin
  • 1‌8‌.‌1‌1‌.‌1‌9‌5‌7‌, Genf
  • Mitglied seit 1925
  • Geflohen 1939, Argentinien
  • Berlin
  • Pharmakologe

Paul Oswald Wolff wurde 1894 in Berlin als Sohn des praktischen Arztes Dr. Alfred Friedrich Wolff und seiner Ehefrau Anna, geb. Feis, geboren.

 

Ausbildung und Wirkungsstätte

Nach dem Abitur am Berliner Königlichen Luisengymnasium begann Wolff 1912 das Medizin- und Chemiestudium an der Universität Göttingen, das er in Freiburg, Greifswald und Berlin fortsetzte. Das Studium musste er wegen der Teilnahme am Ersten Weltkrieg unterbrechen. 1919 erfolgte das medizinische Staatsexamen an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. Dort wurde er 1920 im Fach Medizin und 1921 im Fach Chemie promoviert.

Frühzeitig spezialisierte er sich im Fachgebiet der Pharmakologie und beschäftigte sich intensiv mit Suchtgiften. 1929 wurde er an der Berliner Universität für das Fach Pharmakologie und Toxikologie habilitiert.

Von 1925 bis 1933 war Wolff Schriftleiter der Deutschen Medizinischen Wochenschrift.

P. O. Wolff, Schriftleiter der Deutschen Medizinischen Wochenschrift bis 1933
P. O. Wolff, Schriftleiter der Deutschen Medizinischen Wochenschrift bis 1933

1927 wurde er Sachverständiger des Reichministers des Inneren, des Reichsgesundheitsamtes und des Reichsgesundheitsrates für Arzneimittelfragen und Suchtprobleme. Seit 1929 war er ständiger Schriftleiter der deutschen Arzneimittelkommission. 1931 erfolgte die Ernennung zum Sachverständigen und Mitglied der Hygiene Organisation des Völkerbundes in Genf. 1932 hielt sich Wolff in den USA als Experte für Suchtmittelfragen auf. Er war einer Einladung der American Medical Association gefolgt.

 

Flucht nach Genf 1933

Bereits im März 1933 wurde Wolff von den Nationalsozialisten gezwungen, die Position des Schriftleiters der Deutschen Medizinischen Wochenschrift aufzugeben. Auch als Schriftführer der Vereinigung der Deutschen Medizinischen Fach- und Standespresse musste Wolff im Frühjahr 1933 zurücktreten. Noch 1933 verließ Wolff Deutschland und floh in die Schweiz nach Genf. Er wurde Mitglied der Experten Konferenz der Gesundheitsorganisation des Völkerbundes zur Aufrechterhaltung der Gesundheit in der Zeit ökonomischer Krisen. Während seiner Tätigkeit in Genf war er Mitarbeiter in der Redaktion der Schweizerischen Medizinischen Wochenschrift. Im September 1935 wurde ihm die Lehrbefugnis an der Berliner Universität entzogen (§ 4 Absatz 1, 1. Verordnung zum Reichsbürgergesetz, “Juden können keine Reichsbürger sein”).

Wolff war Mitbegründer und Mitorganisator der jährlichen Internationalen Medizinischen Wochen in der Schweiz, die zwischen 1935 und 1937 in Montreux, Luzern und Interlaken stattfanden.

 

Flucht nach Argentinien 1939

1939 floh Paul Oswald Wolff aus Europa nach Buenos Aires in Argentinien. Dort war er Mitglied verschiedener wissenschaftlicher Fachgesellschaften, unter anderem der Argentinischen Gesellschaft für Pharmakologie und Toxikologie und der Argentinischen Gesellschaft für Medizingeschichte. 1942 reiste er nach Paraguay und hielt Gastvorlesungen in Asunción auf Einladung der Nationalen Universität von Paraguay. 1943 bereiste er Nordargentinien für Studien zur Koka-Frage. 1947 wurde er Mitglied des Experten-Komitees der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Betäubungsmittel. Im gleichen Jahr erhielt Wolff die argentinische Staatsbürgerschaft.

 

Rückkehr in die Schweiz 1949

Vom 01.09.1949 bis 31.10.1954 war Wolff bei der WHO in Genf als Leiter der Sektion suchterzeugender Medikamente (Addiction Producing Drugs – ADP) tätig.

1955 wurde ihm eine Honorarprofessur für Pharmakologie an der Freien Universität Berlin durch den Berliner Senat übertragen. 1957 verlieh ihm der Bundesinnenminister die Amtsbezeichnung ordentlicher Professor emeritus.

Paul Oswald Wolff starb 63-jährig am 18.11.1957 in Genf.

Eigene Publikationen (Auswahl)

  1. Mit von den Velden, R.: Herausgabe des Handbuchs der praktischen Therapie als Ergebnis experimenteller Forschung. Leipzig: Verlag von Johann Ambrosius Barth, 1926/27, 2 Bände. Darin von P. O. Wolff: Herkunft und Eigenschaft der wichtigsten Drogen, 1926 Band 1, S. 137-166.
  2. Mit Claimont P., von den Velden R.: Die Bekämpfung des Blutverlustes durch Transfusion und Gefäßfüllung. Leipzig: Verlag von Georg Thieme 1928.
  3. Morphinbuch und Kokainbuch für Ärzte. Leipzig: Verlag von Georg Thieme, 1931
  4. Mit Braenden O J.: Synthetic substances with morphin-like effect. Chemical aspects. Bull Wld Hlth Org 1954; 10: 1003-1038.

Quellen und Literatur
zu den Quellen
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Quellen/Literatur/Weblinks

Biografie von Priv. Doz. Dr. med. Dr. phil. Paul Oswald Wolff

Verzeichnis der Quellen

  • Porträt Wolff. Thieme Verlag. DMW 1958
  • Wolff PO. Records and Archives. World Health Organization. Genf. Persönliche Auskunft an den Verfasser Harro Jenss am 14.12.2020

Verzeichnis der Literatur

  • Eichholtz F. Paul Oswald Wolff, Nekrolog. Dtsch Med Wochenschr 1958; 83: 301
  • Gigon A. Prof. Paul-Oswald Wolff, Nekrolog. Schweiz Med Wochenschr 1958; 88 (1): 19f.
  • Herken H. Die Berliner Pharmakologie in der Nachkriegszeit. Erinnerung an ein Stück bewegter Universitätsgeschichte der Jahre 1945-1960. Berlin, Heidelberg, New York: Springer Verlag; 1999: 151
  • Lantzius-Beninga E. Paul Oswald Wolff, Nekrolog. Dtsch Med Wochenschr 1958; 83: 301f.
  • Reinwein H. Eröffnungsansprache, 14. April 1958. In: Lasch H, Schlegel B. Die Kongress-Eröffnungsreden der Vorsitzenden 1882-1982. München: J. F. Bergmann Verlag 1982: 697
  • von Brunn W. Aus den Lebensdaten von Paul Oswald Wolff. Dtsch Med Wochenschr 1958; 83: 302