Dr. med. Richard Spiro
- 23.07.1869, Krumau/Český Krumlov, Böhmen, Tschechien
- 01.04.1938, Wien
- Mitglied seit 1927
- Wien
- Niedergelassener Facharzt für Magen-, Darm- und Stoffwechselkrankheiten
Richard Spiro wurde 1869 als Sohn des jüdischen Fabrikanten Ignaz Spiro und seiner Ehefrau Sofie, geb. Fischl, in Südböhmen geboren. Spiro wuchs in einer großen Industriellenfamilie („Ignaz Spiro und Söhne“) mit vielen Geschwistern auf, die in Krumau, heute Český Krumlov, Tschechein an der Moldau und in Wettern, heute Větřni die größte Papierfabrik des damaligen Österreich-Ungarn betrieb. Der Vater Ignaz Spiro war sozial engagiert, errichtete Arbeiterwohnhäuser sowie ein Arbeiterkrankenhaus, zudem machte er sich für die jüdische Gemeinde in Krumau vielfältig verdient. 1938 wurde die Firma „arisiert“.
Studium und Wirkungsstätte
Richard Spiro wuchs in einer großen Familie mit zehn Geschwistern auf. Nach der Reifeprüfung am k.k. Obergymnasium in Krumau nahm Richard Spiro zum Wintersemester 1889/90 an der Universität Wien das Medizinstudium auf. Dieses schloss er im Februar 1897 mit der letzten Rigorosenprüfung und der Promotion ab.
In welcher Institution Spiro seine Weiterbildung im Fachgebiet Innere Medizin und seine weitere Spezialisierung absolvierte, ist bisher unbekannt.
Seit 1903 wird er im Wiener Adressbuch mit einer Spezialpraxis für Magen-und Darmkrankheiten in der Ferstelgasse 6, IX. Wiener Bezirk, genannt. Im Mai 1920 heiratete Spiro die aus Wien stammende Louise (Aloisia) Andorfer.
1932 bis 1938 praktizierte er im VIII. Bezirk Wiens in der Lange Gasse 65.
Nach 1938
Richard Spiro starb 68-jährig in Wien am 1. 4. 1938. Er wurde auf der Grabstätte seiner Schwiegereltern Franz Xaver und Josefa Andorfer auf dem Wiener Zentralfriedhof, Simmeringer Hauptstrasse bestattet. Spiros Ehefrau Louise (Aloisia ) war konfessionslos und überlebte die NS-Diktatur und den Zweiten Weltkrieg in Wien. Sie starb am 30.4.1965.
Die Schwester Spiros, Regina Spiro-Schulhof wurde 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert, sie starb unter den Ghettobedingungen am 7.9.1942. Eine weitere Schwester, Adele Ida Spiro-Reiser wurde 1942 im Vernichtungslager Treblinka ermordet. Jüngeren Mitgliedern der Familie gelang die Flucht in die USA
Danksagung
Meiner Kollegin, Dr. med. Cornelie Haag, Dresden, danke ich für ihre Recherche im Wiener Stadt- und Landesarchiv 2024.
Beitrag von Dr. med. Harro Jenss, Worpswede. Stand 17.10.2022, überarbeitet und ergänzt am 23.6.2026
Quellen und Literatur
zu den Quellen