Eine Erinnerungsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
In Erinnerung an

Dr. med.
Richard Spiro
1869 - 1938

Dr. med. Richard Spiro
Dr. med. Richard Spiro

Mitglied seit 1927

Niederlassung in Wien

Münch Med Wschr 1901; 48:1871-2, Archiv H Je
Münch Med Wschr 1901; 48:1871-2, Archiv H Je
Unterschrift des Ehepaares Richard und Louise Spiro, Quelle: Wiener Stadt- und LArch, Heiratsurkunde
Unterschrift des Ehepaares Richard und Louise Spiro, Quelle: Wiener Stadt- und LArch, Heiratsurkunde
Grabstelle Richard Spiros, Zentralfriedhof Wien © Susanne Krejsa-MacManus
Grabstelle Richard Spiros, Zentralfriedhof Wien © Susanne Krejsa-MacManus

Dr. med. Richard Spiro

  • 2‌3‌.‌0‌7‌.‌1‌8‌6‌9‌, Krumau/Český Krumlov, Böhmen, Tschechien
  • 0‌1‌.‌0‌4‌.‌1‌9‌3‌8‌, Wien
  • Mitglied seit 1927
  • Wien
  • Niedergelassener Facharzt für Magen-, Darm- und Stoffwechselkrankheiten

Richard Spiro wurde 1869 als Sohn des jüdischen Fabrikanten Ignaz Spiro und seiner Ehefrau Sofie, geb. Fischl, in Südböhmen geboren. Spiro wuchs in einer großen Industriellenfamilie („Ignaz Spiro und Söhne“) mit vielen Geschwistern auf, die in Krumau, heute Český Krumlov, Tschechein  an der Moldau und in Wettern, heute Větřni die größte Papierfabrik des damaligen Österreich-Ungarn betrieb. Der Vater Ignaz Spiro war sozial engagiert, errichtete Arbeiterwohnhäuser sowie ein Arbeiterkrankenhaus, zudem machte er sich für die jüdische Gemeinde in Krumau vielfältig verdient. 1938 wurde die Firma „arisiert“.

 

Studium und Wirkungsstätte

Richard Spiro wuchs in einer großen Familie mit zehn Geschwistern auf. Nach der Reifeprüfung am k.k. Obergymnasium in Krumau nahm Richard Spiro zum Wintersemester 1889/90 an der Universität Wien das Medizinstudium auf. Dieses schloss er im Februar 1897 mit der letzten Rigorosenprüfung und der Promotion ab.

In welcher Institution Spiro seine Weiterbildung im Fachgebiet Innere Medizin und seine weitere Spezialisierung absolvierte, ist bisher unbekannt.

Seit 1903 wird er im Wiener Adressbuch mit einer Spezialpraxis für Magen-und Darmkrankheiten in der Ferstelgasse 6, IX. Wiener Bezirk, genannt. Im Mai 1920 heiratete Spiro die aus Wien stammende Louise (Aloisia) Andorfer.

Unterschrift des Ehepaares Richard und Louise Spiro, Quelle: Wiener Stadt- und LArch, Heiratsurkunde
Unterschrift des Ehepaares Richard und Louise Spiro, Quelle: Wiener Stadt- und LArch, Heiratsurkunde

1932 bis 1938 praktizierte er im VIII. Bezirk Wiens in der Lange Gasse 65.

Münch Med Wschr 1901; 48:1871-2, Archiv H Je
Münch Med Wschr 1901; 48:1871-2, Archiv H Je

Nach 1938

Richard Spiro starb 68-jährig in Wien am 1. 4. 1938. Er wurde auf der Grabstätte seiner Schwiegereltern Franz Xaver und Josefa Andorfer auf dem Wiener Zentralfriedhof, Simmeringer Hauptstrasse bestattet. Spiros Ehefrau Louise (Aloisia ) war konfessionslos und überlebte die NS-Diktatur und den Zweiten Weltkrieg in Wien. Sie starb am 30.4.1965.

Die Schwester Spiros, Regina Spiro-Schulhof wurde 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert, sie starb unter den Ghettobedingungen am 7.9.1942. Eine weitere Schwester, Adele Ida Spiro-Reiser wurde 1942 im Vernichtungslager Treblinka ermordet. Jüngeren Mitgliedern der Familie gelang die Flucht in die USA

 

Grabstelle Richard Spiros, Zentralfriedhof Wien © Susanne Krejsa-MacManus
Grabstelle Richard Spiros, Zentralfriedhof Wien © Susanne Krejsa-MacManus
Grabstelle Richard Spiros, Zentralfriedhof Wien © Susanne Krejsa-MacManus
Grabstelle Richard Spiros, Zentralfriedhof Wien © Susanne Krejsa-MacManus
Danksagung

Meiner Kollegin, Dr. med. Cornelie Haag, Dresden, danke ich für ihre Recherche im Wiener Stadt- und Landesarchiv 2024.

Beitrag von Dr. med. Harro Jenss, Worpswede. Stand 17.10.2022, überarbeitet und ergänzt am 23.6.2026

 


Quellen und Literatur
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Quellen/Literatur/Weblinks

Biografie von Dr. med. Richard Spiro

Quellen

Archiv der Universität Wien (schriftliche Auskunft, 23. 4. 2021, an den Verf. Harro Jenss über die Studiendaten Richard Spiros an der Wiener Universität 1889 bis 1897)

Wiener Stadt- und Landesarchiv, Sign. 1.3.2.116. A 79.8284-1920 (Heiratsurkunde Dr. Richard Spiro und Aloisia geb. Andorfer)

Wiener Stadt- und Landesarchiv, Sign. 1.1.10 A 1. 11829-1938 („Totenschau-Befund“)

Wiener Stadt und Landesarchiv, Sign. 2.10. 2 K1 (Kartei Ärztinnen und Ärzte Ca 1920 – 1938, Ärztekammer Wien)

 

Weblinks

Austrian Centre for Digital Humanities and Cultural Heritage. Österreichisches Biographisches Lexikon. Spiro, Ignaz (1817–1894), Großindustrieller. Im Internet: https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_S/Spiro_Ignaz_1817_1894.xml; Stand: 02.08.2021

Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Hg). Deutsche Biographie. Spiro. Im Internet: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102073356X.html#ndbcontent; Stand: 02.08.2021

Geni. Dr. Richard Spiro. Im Internet: https://www.geni.com/people/Richard-Spiro/6000000006196955775, Stand 23.6.2026

Stadt Wien. Adolph Lehmann’s allgemeiner Wohnungs-Anzeiger: nebst Handels- u. Gewerbe-Adressbuch für d. k.k. Reichshaupt- u. Residenzstadt […] In: Wienbibliothek im Rathaus. Im Internet: https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/periodical/titleinfo/5311; Stand 02.08.2021