Prof. Dr. med. Walter Zweig
- 30.10.1872, Brünn/Brno, Tschechien
- 24.09.1953, London
- Mitglied seit 1925
- Geflohen 1938, Großbritannien
- Wien
- Facharzt für Innere Medizin
Ausbildung und Wirkungsstätte
Nach dem Abitur am Brünner Gymnasium studierte Walter Zweig von 1890 bis 1896 Medizin an der Universität Wien, das er 1896 mit dem Staatsexamen und der Promotion abschloss.
Von 1896 bis 1901 erhielt er eine internistische Ausbildung bei Hermann Nothnagel an der I. Medizinischen Klinik der Universität Wien. Frühzeitig spezialisierte er sich für das neue Fachgebiet Gastroenterologie und war vorübergehend in Berlin bei Ismar Boas in dessen Ambulatorium / Poliklinik für Magen- und Darmkrankheiten tätig. Zudem forschte Zweig zeitweise im Institut für Physiologie der Universität Wien.
Seit 1902 war Zweig leitender Arzt (Primarius) der Abteilung für Magen- und Darmkrankheiten am Kaiser Franz Josef-Ambulatorium und Spital in Wien. 1929 wurde er Ärztlicher Direktor dieser Institution. Zweig habilitierte sich 1909 an der Universität Wien für das Fach Innere Medizin – speziell für Verdauungskrankheiten. 1932 erhielt er den Titel außerordentlicher Professor.
1903 hatte Zweig in Wien die 1876 in einer jüdischen Familie geborene Marianne Antonie Stern geheiratet. 1904 wurde der Sohn Konrad geboren, der später als ausgewiesener Wirtschaftswissenschaftler tätig sein wird.
1914 – 1918 nahm er als Arzt im Militärhospital Nr. 2 in Wien am Ersten Weltkrieg teil.
Walter Zweig gehörte zum engeren Freundes- und Schülerkreis um Ismar Boas. Von 1936 bis März 1938 unterstütze er seinen Lehrer Boas in Wien vielfältig soweit ihm eine Hilfe möglich war, nachdem dieser 1936 Deutschland verlassen musste und in Österreich Zuflucht suchte.
Nach 1933
Nachdem die Deutsche Wehrmacht im März 1938 in Österreich einmarschiert war, verlor Zweig mit dem 22.04.1938 seine leitende Position am Wiener Franz-Josef-Ambulatorium und Spital. Seine Lehrbefugnis wurde ihm im Juni 1938 entzogen.
Flucht nach Großbritannien 1938
Im April 1938 flohen Walter Zweig und seine Ehefrau aus Wien nach London zu ihrem Sohn, dem Wirtschaftswissenschaftler Konrad Zweig, der am Institut für Weltwirtschaft in Kiel tätig war und seit 1934 in Großbritannien lebte. In Wien verfügte die GESTAPO die Beschlagnahme des Vermögens und der Wohnungseinrichtung des Ehepaares Zweig.
Walter Zweig wohnte mit seiner Ehefrau 1938/39 in London, Kensington Court, 1942 bis 1947 in Oxford, Woodstock Road, bevor er nach London zurückkehrte.
Zweig gehörte seit 1936 zum Kreis der Mitherausgeber des Archivs für Verdauungskrankheiten („Boas-Archiv“) sowie der Nachfolgezeitschrift Gastroenterologia.
Walter Zweig starb 82-jährig am 24.09.1953 im Nelson Hospital in London. Seine Ehefrau verstarb 1957. Der Sohn Konrad Zweig publizierte und lehrte in England auch im Ruhestand zu ökonomischen Fragestellungen. Er starb 1980 in Haslemere in der Grafschaft Surrey.
Danksagung
Ich danke meiner Kollegin, Dr. Cornelie Haag für ihre Recherchen im Österreichischen Staatsarchiv 2024.
Beitrag von Dr. med. Harro Jenss, Worpswede. Stand 8.3.2022, ergänzt 21.5.2026
Quellen und Literatur
zu den Quellen