Eine Erinnerungsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
In Erinnerung an

Dr. med.
Georg Gabriel Wolfsohn
1881 - 2022

Dr. med. Georg Gabriel und Helene Wolfsohn <br> ©  Arnold Schönberg Center, Wien/ <br> Library of Congress, Washington
Dr. med. Georg Gabriel und Helene Wolfsohn
© Arnold Schönberg Center, Wien/
Library of Congress, Washington

Mitglied seit 1926

Leitender Arzt der Chirurgischen Poliklinik im Jüdischen Krankenhaus Berlin

Freundschaft mit dem Komponisten Arnold Schönberg

Archiv H Je
Archiv H Je
Widmung für Arnold Schönberg <br> © Arnold Schönberg Center, Wien, Library of Congress, Washington
Widmung für Arnold Schönberg
© Arnold Schönberg Center, Wien, Library of Congress, Washington
Grabstätte Wolfsohns, www.gravez.me, Fotograf unbekannt
Grabstätte Wolfsohns, www.gravez.me, Fotograf unbekannt

Dr. med. Georg Gabriel Wolfsohn

  • 3‌0‌.‌0‌4‌.‌1‌8‌8‌1‌, Berlin
  • 1‌6‌.‌0‌8‌.‌2‌0‌2‌2‌, Israel
  • Mitglied seit 1926
  • Geflohen 1935, Palästina
  • Berlin
  • Chirurg

Georg Wolfsohn wurde 1881 in der Familie des Berliner Kaufmanns Nathan Wolfsohn und seiner Ehefrau Rosalie, geb. Rosenberg, geboren.

 

Ausbildung und Wirkungsstätte

Georg G. Wolfsohn besuchte das Berliner Königliche Französische Gymnasium und studierte nach dem Abitur 1899 Medizin an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin und seit 1903 an der Universität Freiburg im Breisgau. Dort legte er am 03.05.1904 das Staatsexamen ab und wurde im gleichen Jahr mit der Arbeit „Über Spontanluxationen der Hüfte nach acuten Infektionserkrankungen“ promoviert. Die Arbeit hatte der Freiburger Ordinarius für Chirurgie, Paul Kraske, angeregt.

Dissertation 1904, Archiv HJe
Dissertation 1904, Archiv HJe

Zunächst war Wolfsohn als Assistenzarzt in der Abteilung für Chirurgie des Auguste-Viktoria-Krankenhauses in Berlin-Schöneberg bei dem Pankreaschirurgen Walther Kausch tätig. 1910 wechselte er an die Chirurgische Poliklinik des Jüdischen Krankenhauses in Berlin zu Ferdinand Karewski und Paul Rosenstein. Daneben führte er eine Praxis für Chirurgie. Von 1923 bis 1934 war er Leitender Arzt der Chirurgischen Poliklinik am Jüdischen Krankenhaus Berlin.

Neben seiner ärztlichen Tätigkeit war Georg Wolfsohn ein herausragender Pianist, der Lieder komponierte und unter anderem Gedichte von Hermann Hesse vertonte. Seit einer ärztlichen Beratung des Komponisten Arnold Schönberg während dessen Berliner Zeit, vermittelt durch Dr. Kurt Singer, Neurologe, Musikwissenschaftler und 1933 Gründer des Jüdischen Kulturbundes, entwickelte sich zwischen Schönberg und Wolfsohn eine enge und langjährige Freundschaft. Davon zeugt eine ausführliche Korrespondenz, die auch nach der Flucht Wolfsohns nach Palästina und Schönbergs in die USA bis zu dessen Tod 1951 andauerte. Schönberg würdigte Wolfsohn 1931 zu dessen 50. Geburtstag mit einem eigens komponierten Kanon und widmete sein Buch „Style and Idea“ Wolfsohn zu dessen 70. Geburtstag 1951 in Israel mit einem eigenen Beitrag. Der deutsch-israelische Musikwissenschaftler Peter E. Gradenwitz (1910 – 2001) war war Wolfsohns Schwiegersohn.

Archiv H Je
Archiv H Je

 

Flucht aus Deutschland nach Palästina 1935

Im September 1935 floh Wolfsohn mit seiner Ehefrau und den beiden Kindern aus Deutschland nach Palästina. Dort erhielt er Unterstützung durch den Berliner Endokrinologen Professor Hermann Zondek, der 1934 aus Deutschland über England nach Palästina gelangt war. In Jerusalem war er als Chirurg (Senior Surgeon) am Bikur Cholim Hospital und Shaare Zedek Hospital tätig. Daneben setzte Wolfsohn seine Aktivität als Pianist und seine kompositorischen Arbeiten fort. In seinen Briefen aus Palästina (später aus Israel) seit 1935 an Arnold Schönberg berichtet Wolfsohn über sein Leben in Jerusalem. Briefkopien befinden sich im Arnold Schönberg Center in Wien. Die Originale werden in der Library of Congress, Washington, bewahrt.

Georg Wolfsohn starb im August 1955 74-jährig in Israel. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Har HaMenuchot Friedhof in Jerusalem. Georg Wolfsohns Schwester, Hertha Wolff-Wolfsohn, floh im November 1938 nach Holland. 1943 wurde sie im Lager Westerbork inhaftiert, in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und am 13. März 1943 ermordet.
Die Tochter des Ehepaares Wolfsohn, Rosa Rachel Gradenwitz, starb 1965 53-jährig. Der Sohn Dr. Hermann Wolfsohn, geboren 1913 in Berlin, starb 1967 in Haifa, Israel.

Eigene Publikationen (Auswahl)

  1. Über die Opsonine und ihre Bedeutung. Berl klin Wochenschr 1908; 45: 2184-2187
  2. Die Verwendung der Serodiagnostik in der praktischen Chirurgie mit Berücksichtigung eigener Untersuchungen. Berl klin Wochenschr 1909; 46: 444-447
  3. Die Erfolge und Misserfolge der Vakzinetherapie. Berl Klin Wochenschr 1912; 49: 2312-2314
  4. Ueber eine Modifikation des Staphylokkokenvakzins. Dtsch med Wochenschr 1913; 39: 112-113
  5. Immunität, Immunodiagnostik und aktive Immunisierung im Dienste der Chirurgie. Stuttgart:Verlag von Ferdinand Enke, 1924 (Reihe Neue Dtsch. Chir., Bd. 31). [Ein Exemplar übersandte Wolfsohn 1930 mit einer persönlichen Widmung an Arnold Schönberg, Arnold Schönberg Center, Wien]
Danksagung

Therese Muxeneder und Eike Feß, Arnold Schönberg Center Wien, gebührt großer Dank für wichtige Hinweise zur Beziehung und Freundschaft des Ehepaars Wolfsohn mit Arnold Schönberg, für zahlreiche Dokumente sowie für die eindrückliche Fotografie. Dr. Benjamin Kuntz, Robert Koch Institut, Berlin, sei für seine Hinweise auf die Grabstätte Wolfsohns in Jerusalem und auf die Anzeige zu Wolfsohns Praxiseröffnung 1910 in Berlin gedankt.


Quellen und Literatur
zu den Quellen
Zurück

Quellen/Literatur/Weblinks

Biografie von Dr. med. Georg Gabriel Wolfsohn

Verzeichnis der Quellen

  • Wolfsohn G. Lebenslauf in seiner Dissertationsschrift 1904
  • Brief Georg Wolfsohns aus Jerusalem an Arnold Schönberg, 18.12.1935 (Arnold Schönberg Center, Wien/Library of Congress, Washington D.C.)
  • Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO) Berlin – Abt. I / Entschädigungsamt Berlin, Entschädigungsakte Nr. 70.760

Verzeichnis der Literatur

  • Hartung von Doetinchem D, Winau R. Zerstörte Fortschritte. Das Jüdische Krankenhaus in Berlin. 1756-1861-1914-1989. Berlin: Hentrich & Hentrich Verlag; 1989: S. 112
  • Schwoch R. Deutsche Gesellschaft für Chirurgie 1933-1945, Die Verfolgten (2019): S. 278

Verzeichnis der Weblinks