Eine Erinnerungsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
In Erinnerung an

Dr. med.
Adolf Edelmann
1885 - 1939

Dr. med. Adolf Edelmann, <br> Bildquelle Der Wiener Tag Nr. 29, 27.07.1931/Österreichische Nationalbibliothek – Bildarchiv
Dr. med. Adolf Edelmann,
Bildquelle Der Wiener Tag Nr. 29, 27.07.1931/Österreichische Nationalbibliothek – Bildarchiv

Mitglied seit 1925

Studium in Krakau und Wien

Ärztlicher Direktor des
Samuel Channing Childs Spital

Wiener Klinische Wochenschrift 1931
Wiener Klinische Wochenschrift 1931
Edelmanns Praxis in Karlsbad unter kommissarischer Leitung 1938. Quelle Staatliches Bezriksarchiv Karlovy Vary Inv. Nr. 6922, Karton 3637
Edelmanns Praxis in Karlsbad unter kommissarischer Leitung 1938. Quelle Staatliches Bezriksarchiv Karlovy Vary Inv. Nr. 6922, Karton 3637
Unterschrift Frieda Edelmann 1958 Quelle: Landesarchiv Berlin
Unterschrift Frieda Edelmann 1958 Quelle: Landesarchiv Berlin
Grabstätte Dr. Frieda Edelmann. Wiener Zentralfriedhof Stammersdorf. Fotografie Jonas Schneider Juni 2025
Grabstätte Dr. Frieda Edelmann. Wiener Zentralfriedhof Stammersdorf. Fotografie Jonas Schneider Juni 2025

Dr. med. Adolf Edelmann

  • 1‌4‌.‌0‌2‌.‌1‌8‌8‌5‌, Dzialoszyce, Polen
  • 0‌8‌.‌0‌7‌.‌1‌9‌3‌9‌, Lemberg / Lwów, Polen, heute Lwiw, Ukraine
  • Mitglied seit 1925
  • Geflohen 1938, Polen
  • Wien
  • Facharzt für Innere Medizin und Stoffwechselforscher

Adolf Edelmann wurde am 14. 2. 1885 in dem polnischen Ort Działoszyce, etwa 45 km nordöstlich Krakaus, damals zu Österreich-Ungarn gehörig, geboren. In dem Ort war der Anteil der jüdischen Bevölkerung an der Gesamteinwohnerzahl in jener Zeit sehr hoch.

Ausbildung und Wirkungsstätte

Edelmann studierte an den Universitäten Krakau, heute Krakow, Polen und Wien Medizin. Den Abschluss des Studiums und die Promotion absolvierte er 1911 an der Medizinischen Fakultät in Krakau. Nach dem Studium wechselte er als Assstenzarzt an die I. Medizinische Universitätsklinik Wien zu Carl von Noorden und Karel Frederik Wenckebach. Seit 1912 war er Mitglied der Wiener Ärztekammer. Nach seiner Ausbildung zum Internisten war er vorübergehend kommissarischer Leiter der Abteilung für Innere Medizin am Wiener Wilhelminenspital.

Karteikarte Edelmann. Quelle: 
WStLA Kartei: Ärztinnen und Ärzte. ca 1920-1938. Ärztekammer Wien.  2 10 2 K1
Karteikarte Edelmann. Quelle: WStLA Kartei: Ärztinnen und Ärzte. ca 1920-1938. Ärztekammer Wien. 2 10 2 K1

Seit 1915 führte Adolf Edelmann in der Borschkegasse 7 im IX. Wiener Bezirk eine Praxis, wobei er seit dieser Zeit während der Sommermonate in Karlsbad, heute Karlovy Vary, Tschechien, praktizierte (vgl. Wiener Adressbuch 1915, S. 231). Von 1927 bis 1938 befand sich Edelmanns Facharztpraxis für Innere Medizin in der Kreindlgasse 15 im XIX. Wiener Bezirk. Die Praxis führte er gemeinsam mit seiner Ehefrau Dr. Fryda Edelmann, geb. 1.10.1885 in Krakau, die als Kurärztin tätig war. Bis 1938 waren beide gemeinsam während des Sommers in Karlsbad tätig. Gelegentlich hielt Edelmann Sprechstunden im galizischen Kurort Truskawiec, heute Truskawez, Ukraine, ab.

Edelmanns Hauptarbeitsgebiete bezogen sich auf infektiöse Erkrankungen sowie hämatologische und onkologische Krankheiten. So beschrieb er als viertes Blutelement die sogenannten Kinetozyten. Magen-, Darm- und Stoffwechselerkrankungen waren für ihn ein weiteres Arbeitsgebiet.

Wiener Klinische Wochenschrift 1931
Wiener Klinische Wochenschrift 1931
Zeitungsausschnitt zur Entdeckung eines viertes Blutelements durch Edelmann, Archiv H Je
Zeitungsausschnitt zur Entdeckung eines viertes Blutelements durch Edelmann, Archiv H Je
Wiener Klin Wochenschr 1936, Kopie Arch H Je
Wiener Klin Wochenschr 1936, Kopie Arch H Je

Im Sommer 1929 begegnete Adolf Edelmann in Karlsbad dem amerikanischen Philantropen Samuel Canning Childs, der in den USA in New Jersey und Philadelphia eine große Zahl an Lebensmittelgeschäften und Warenhäusern betrieb. Childs spendete einen beträchtlichen Teil seines Vermögens für wohltätige Zwecke. S. C. Childs wurde 1859 in England geboren, kam 1867 mit seinen Eltern in die USA und lebte seit 1905 in Collingswood, Camden County, New Jersey. Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau war Childs seit 1923 mit der wohlhabenden Mary Louise Milliken verheiratet, mit der er gemeinsam die Spendentätigkeit fortsetzte. Childs starb 1932, seine Grabstätte findet sich auf dem Harleigh Cemetery, Camden, New Jersey.

Grabstätte Samuel Canning Childs, Harleigh Cemetery, Camden, New Jersey, USA. Quelle: findagrave.com
Grabstätte Samuel Canning Childs, Harleigh Cemetery, Camden, New Jersey, USA. Quelle: findagrave.com

1929 begründete Childs in Wien die „Samuel Canning Childs Stiftung zur Erforschung und Behandlung innerer Krankheiten und des Krebses“. Die Stiftung erwarb im gleichen Jahr in der Pelikangasse 15 im IX. Wiener Bezirk das frühere Sanatorium Dr. Anton Loew. Fortan wurde es Samuel Canning Childs Spital- und Forschungsinstitut genannt. Adolf Edelmann war von 1929 bis 1938 Ärztlicher Direktor und Primarius in dieser Institution. Otto Porges war nach seinem Ausscheiden aus der Wiener Medizinischen Universitätsklinik von 1935 bis 1938 in der Medizinischen Klinik des Childs-Spitals tätig ebenso wie der Internist Ernst Rudolf Hammerschlag. Beide, Porges und Hammerschlag flohen 1938 in die USA.

 

1938

Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 wurde das Childs-Spital von den NS-Behörden bereits am 28. März 1938 enteignet und in das Eigentum der Stadt Wien überführt. Diese verkaufte das Spital 1941 an die Wiener Privatklinik Gesellschaft.

Edelmann war den antijüdischen Verfolgungen durch die Nationalsozialisten ausgesetzt. Er wurde 1938 gezwungen, eine Vermögenserklärung abzugeben. Im Adressbuch Wiens von 1938 sind er und seine Ehefrau mit ihrer Praxis noch in der Kreindlgasse 15 verzeichnet.
Im November 1938 fliehen beide aus Wien nach Warschau. Die Verwaltung ihrer Praxis in Karlsbad wird von den NS-Behörden am 28. 11. 1938 kommissarisch kurzzeitig einem Juristen übertragen und damit bis zum 17. 12. 1938 unter eine Zwangsverwaltung gestellt.

Edelmanns Praxis in Karlsbad unter kommissarischer Leitung 1938. Quelle Staatliches Bezriksarchiv Karlovy Vary Inv. Nr. 6922, Karton 3637
Edelmanns Praxis in Karlsbad unter kommissarischer Leitung 1938. Quelle Staatliches Bezriksarchiv Karlovy Vary Inv. Nr. 6922, Karton 3637

Adolf Edelmann stirbt am 8. Juli 1939 54-jährig im damals zu Polen gehörenden Lwów (Lemberg). Die Todesumstände sind ungeklärt, seine Grabstätte ist nicht bekannt.

Edelmanns Ehefrau, Dr. med. Frieda (Fryda) Edelmann überlebte den Holocaust. [https://collections.yadvashem.org/en/names/8990810 ].

Edelmanns Praxis in Karlsbad unter kommissarischer Leitung 1938. Quelle Staatliches Bezirksarchiv Karlovy Vary Inv. Nr. 6922, Karton 3637
Edelmanns Praxis in Karlsbad unter kommissarischer Leitung 1938. Quelle Staatliches Bezirksarchiv Karlovy Vary Inv. Nr. 6922, Karton 3637

Frieda Edelmann konnte nach Wien zurückkehren, erlangte den Titel einer Obermedizinalrätin und starb 1969. Ihre erhaltene Grabstätte befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof Stammersdorf.

Unterschrift Frieda Edelmann 1958 Quelle: Landesarchiv Berlin
Unterschrift Frieda Edelmann 1958 Quelle: Landesarchiv Berlin

 

Eigene Publikationen (Auswahl)

  1. Mit v Müller-Deham A.: Neue therapeutische Versuche bei allgemeinen und lokalen Infektionen. Dtsch med Wochenschr 1913; 39: 2292-2294 
  2. Über Anemia infectiosa chronica und ihre Ätiologie. Wien Klin Wochenschr 1925; 38: 268-269
  3. Ueber ein bisher unbekanntes Blutelement. Wien klin Wochenschr 1931; 44: 795-797
  4. Über ein bisher nicht beobachtetes pankreato-hepatisches Syndrom bedingt durch Übertritt von Pankreassaft in die Blutbahn. Wien Klin Wochenschr 1936; 49:1336-1339
Danksagung

Meiner Kollegin Dr. med. Cornelie Haag, Dresden, gebührt großer Dank für ihre Recherchen zu Dr. Adolf Edelmann in Wien und in Karlsbad / Karlovy Vary, Tschechien sowie im Landesarchiv Berlin.

Beitrag von Dr. med. Harro Jenss, Worpswede. Stand 30.3.2025

 

 

 

 


Quellen und Literatur
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Quellen/Literatur/Weblinks

Biografie von Dr. med. Adolf Edelmann

Quellen:

Wiener Stadt- und Landesarchiv. Kartei: Ärztinnen und Ärzte 1920 -1938. Ärztekammer Wien, Signatur 2.10.2.K1.

AT-OeStA / AdR Finanzen, VVST VA 34.244

Staatliches Bezirksarchiv Karlovy Vary, Tschechian, Inv. Nr. 6922, Karton 3637, Kopien von Landratsbeschlüssen zur Ernennung von Verwaltern konfiszierten Eigentums in Karlovy Vary

Landesarchiv Berlin. B-Rep.025-08: 12058-64 / 59
(Wiedergutmachungsvorgang Drs. Adolf und Frieda Edelmann)

Literatur:

Fischer I. Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte der letzten fünfzig Jahre. Band 1 [Aaser –Komoto], Berlin / Wien: Urban & Schwarzenberg 1932, S. 348.
Vgl. Voswinckel P. Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte der letzten fünfzig Jahre von Isidor Fischer, Berlin 1932-1933. Bände III-IV: Nachträge und Ergänzungen. 3. Band [Aba-Kom]. Hildesheim-Zürich-New York: Georg Olms Verlag 2002, S. 354

Spielvogel I, Spałek K, Proĉków J. The Jewish doctors involved in the development of health resorts in eastern Galicia at the late 19th and early 20th century (Central and Eastern Europe). Wiener klin Wochenschr 2018; 130: 680-85, hier 683

Forsbach R, Hofer H-G. Internisten in Diktatur und junger Demokratie. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin 1933-1970, Hg. C. Sieber, U. R. Fölsch, M. G. Broglie. Berlin: Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 2018, S. 419

Adolph Lehmann’s Allgemeiner Wohnungszeiger nebst Handels- und Gewerbe Adressbuch für d. k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien 1915, S. 231, 1920, S. 235, 1926, S. 325, 1927, S. 246, 1936, S. 239, 1938, S. 231
[vgl. https://www.digital.wienbibliothek.at/periodical/structure/5311]

Weblinks

https://www.whonamedit.com/doctor.cfm/2138.html [Adolf Edelmann Eponym], Stand 21. 12. 2024)

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/S._Canning_Childs-Spital [Zur Gründung und Enteignung der Samuel Canning Childs Stiftung 1929 und 1938], Stand 21.12. 2024

https://www.jta.org/archive/adolf-edelman-viennese-cancer-specialist-dies-in-poland Stand 21.12.2024

https://collections.yadvashem.org/en/names/8990810 [Eintrag mit polnischer Karteikarte zu Dr. Fryda Edelmann, geb. 1.10.1885 in Krakau, geb. Lewser], Stand 21.12.2024

https://collections.arolsen-archives.org/de/search/person/131814839?s=Edelmann,%20Fryda&t=751750&p=1 [Eintrag Arolsen Archives zu Dr. Fryda Edelmann, geb. 1.10.1885, Documentation of the Central Location Index of the Joint Distribution Committee (JDC) New York], Stand 21. 12. 2024