Eine Erinnerungsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
In Erinnerung an

Doz. Dr. med.
Albert Herz
1876 - 1950

Dozent Dr. med. Albert Herz © Josephinum – Ethik, Sammlungen und Geschichte der Medizin, MedUni Wien
Dozent Dr. med. Albert Herz © Josephinum – Ethik, Sammlungen und Geschichte der Medizin, MedUni Wien

Mitglied seit 1925

Besondere Expertise in der Infektiologie und Hämatologie

Engagierte sich für die ärztlichen Fortbildung im Ghetto Theresienstadt

Haus, in dem Albert Herz seit dem November 1945 in Amsterdam lebte: J. Luykenstrasse 54. Foto: Cornelie Haag, Oktober 2025
Haus, in dem Albert Herz seit dem November 1945 in Amsterdam lebte: J. Luykenstrasse 54. Foto: Cornelie Haag, Oktober 2025

Doz. Dr. med. Albert Herz

  • 0‌2‌.‌1‌2‌.‌1‌8‌7‌6‌, Freudenthal/Bruntál, früher Österreichisch-Schlesien, Tschechien
  • 0‌5‌.‌0‌9‌.‌1‌9‌5‌0‌, Amsterdam
  • Mitglied seit 1925
  • Deportiert im Jahre 1943
  • Wien
  • Facharzt für Innere Medizin und Hämatologe

Ausbildung und Wirkungsstätte

Albert Herz studierte an der Universität Wien Medizin und wurde dort 1901 promoviert. Er war Assistenzarzt an der I. Medizinischen Universitätsklinik Wien bei Hermann Nothnagel sowie später bei Friedrich Kovacs an der IV. Medizinischen Klinik des Wiener Allgemeinen Krankenhauses. 1913 wurde er für das Fach Innere Medizin an der Wiener Universität habilitiert. Seine Tätigkeitsschwerpunkte bezogen sich auf Infektions- und Blutkrankheiten.

Am 22.04.1938 wurde er seines Amtes enthoben, zudem wurde ihm die Venia legendi entzogen.

 

Flucht in die Niederlande 1938

1938 floh Albert Herz nach Amsterdam in die Niederlande.

Im Januar 1943 wurde er von Sicherheitskräften aufgespürt. Am 26. und 27.01.1943 war er kurzzeitig im „polizeilichen Judendurchgangslager“ Vught/Konzentrationslager Herzogenbusch inhaftiert. Einen Tag später wurde er in das Lager Westerbork verlegt.

 

Deportation in das Ghetto Theresienstadt

Am 21.04.1943 werden Albert Herz und seine Ehefrau Irene Herz-Adler in das Ghetto Theresienstadt deportiert („Transport-Nr.“ 170-XXIV/1.).

Dort ist er im wissenschaftlichen Ausschuss des Ghetto-Gesundheitswesens tätig und beteiligt sich an der ärztlichen Fortbildung. Albert Herz hielt neben Hermann Strauß, Hans Hirschfeld und Gertrud Adler Vorträge und referierte über die Leukämie sowie zuletzt am 15.07.1944 über „Änderungen der Leukocytenzahl als differentialdiagnostisches und prognostisches Hilfsmittel bei Allgemeinerkrankungen“.

Der Sohn Stefan Herz, geboren am 20.03.1918 in Wien, wurde von Amsterdam in das Vernichtungslager Sobibor deportiert. Dort wurde er am 21.05.1943 ermordet. Die Tochter Liselotte Herz, geboren am 03.06.1914, konnte im Juli 1938 über Rotterdam nach New York in die USA fliehen. Sie starb dort 26-jährig im März 1941 in der Bronx, New York.

Albert Herz und seine Ehefrau überlebten das Ghetto Theresienstadt und konnten es am 13.06.1945 verlassen. Sie kehrten nach Amsterdam zurück, wo Albert Herz 74-jährig am 05.09.1950 starb.

Haus, in dem Albert Herz seit dem November 1945 in Amsterdam lebte: J. Luykenstrasse 54. Foto: Cornelie Haag, Oktober 2025
Haus, in dem Albert Herz seit dem November 1945 in Amsterdam lebte: J. Luykenstrasse 54. Foto: Cornelie Haag, Oktober 2025

Eigene Publikationen (Auswahl)

  1. Die akute Leukämie. Leipzig/Wien: Verlag von Franz Deuticke 1911.
  2. Differentialdiagnose der Infektionskrankheiten, in: Praktische Differentialdiagnose Band 1,7. Dresden/Leipzig: G. Steinkopff Verlag 1929, S. 448-552
  3. Differentialdiagnose der Blutkrankheiten, in: Praktische Differentialdiagnose Band 1,8. Dresden/Leipzig 1929, S. 549-635

Beitrag von Dr. med. Harro Jenss, Worpswede. Stand 1.11.2025


Quellen und Literatur
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Quellen/Literatur/Weblinks

Biografie von Doz. Dr. med. Albert Herz

Quellen

Nationalarchiv Prag. Karteikarte Dr. Herz. NAD 1077_Ka10_13_H_0000002A

Literatur

Adler H-G. Die verheimlichte Wahrheit – Theresienstädter Dokumente. Tübingen: J. C. B. Mohr; 1958: 221

Fischer I. Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte der letzten fünfzig Jahre. Band I. Berlin, Wien: Urban & Schwarzenberg; 1932: 619

Makarova E, Makarov S, Kuperman V. University over the abyss. The story behind 520 lectures and 2430 lecturers in KZ Theresienstadt 1941-1945. Jerusalem: Verba Publishers; 2000: 402

Voswinckel P. Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte der letzten fünfzig Jahre. Berlin 1932-1933. Band III. Hildesheim, Zürich, New York: Georg Olms Verlag; 2002: 629f.

Weblinks

Bauer-Merinsky J. Dissertation: Die Auswirkungen der Annexion Österreichs durch das deutsche Reich auf die Medizinische Fakultät der Universität Wien im Jahre 1938: Biographien entlassener Professoren und Dozenten. Wien 1980. Im Internet: https://repositorium.meduniwien.ac.at/obvumwoa/download/pdf/2466614?originalFilename=true; Stand: 09.08.2021

International Tracing Service (ITS). Arolsen Archives. 365506 Albert Israel Herz. Im Internet: https://collections.arolsen-archives.org/archive/365504/?p=1&s=%20Herz,%20Albert&doc_id=365506; Stand 20.08.2021

Oorlogsgravenstichting. Stefan Herz 1918-1943. Im Internet: https://oorlogsgravenstichting.nl/persoon/62340/stefan-herz; Stand: 20.08.2021

o.V. Albert Herz. In: Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938. Im Internet: https://gedenkbuch.univie.ac.at/index.php?id=435&no_cache=1&person_single_id=34385, Stand: 20.08.2021

Památník Terezín (Terezín Memorial). Albert Herz. Im Internet: https://www.pamatnik-terezin.cz/prisoner/te-herz-albert-2; Stand: 20.08.2021

Stadtarchief Amsterdam . Archiefkaarten / Einwohnermeldekarten. Im Internet: https://archief.amsterdam/archief/30238/335; Stand: 20.08.2021

Stadtarchief Amsterdam, Karteikarte Stefan Herz, geb. 20.3.1918 in Wien: https://archief.amsterdam/indexen/persons?ss=%7B%22q%22:%22Stefan%20Herz%22%7D. Stand 1.11.2025

Arolsen Archives, https://collections.arolsen-archives.org/de/search/person/5149566?s=Herz,%20Stefan&t=224154&p=9 [Stefan Herz, geb. 20. 3. 1918 in Wien, Deportation in das Vernichtungslager Sobibor 1943]. Stand 1.11.2025

Yad Vashem, Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer, https://collections.yadvashem.org/de/names/4249212 Stand 1.11.2025