Prof. Dr. med. Leopold (Leo) Pollak
- 03.02.1878, Prag
- 18.09.1946, Newmarket/ Suffolk, England
- Mitglied seit 1927
- Geflohen 1938, Großbritannien
- Wien
- Facharzt für Innere Medizin, Schwerpunkt Stoffwechselpathologie und Pharmakologie
Leopold Pollak wurde 1878 als Sohn des Kaufmanns Julius Pollak und seiner Ehefrau Anna, geb. Kohn, in Prag geboren. Der Vater leitete die 1860 gegründete Firma Perelis & Pollak in Prag. Die Familie bekannte sich zur jüdischen Glaubensgemeinschaft.
Ausbildung und Wirkungsstätte
Nach dem Besuch des deutschsprachigen Gymnasiums in der Prager Neustadt studierte Leo Pollak an der Deutschen Karl-Ferdinand-Universität in Prag Medizin und schloss das Studium am 22.05.1902 mit dem Staatsexamen und der Promotion ab.
1903 – 1904 war Pollak im Institut für physiologische Chemie der Universität Strassburg bei Franz Hofmeister tätig und hospitierte während dieser Zeit bei dem Internisten Bernhard Naunyn an der Medizinischen Universitätsklinik in Strassburg. Zurück in Wien war er seit Oktober 1904 sechs Monate Aspirant in der Ersten Medizinischen Universitätsklinik bei Hermann Nothnagel, gefolgt von sechs Monaten Tätigkeit in der Wiener Universitäts-Nervenklnik bei Julius Wagner-Jauregg. 1905/06 arbeitete Pollak für ein Jahr als Volontärarzt an Medizinischen Universitätsklinik in München bei Friedrich von Müller. Erneut kehrte Pollak nach Wien zurück und begann seine Tätigkeit bei Maximilian Sternberg in der Medizinischen Klinik am Wiedener Spital (Bezirkskrankenhaus im 4. Wiener Gemeindebezirk Wieden). An diesem Krankenhaus waren u.a. Julius Schnitzler, der Bruder des Schriftstellers Arthur Schnitzler, als Chirurg und seit 1920 der Pathologe Carl Sternberg tätig.
Parallel arbeitete und forschte Pollak in der Biochemischen Abteilung des Instituts für Pharmakologie der Universität Wien bei dem Pharmakologen Hans H. Meyer, zu dessen Mitarbeiterkreis Pollak bis 1924 in Wien gehörte. Am 12. September 1914 wurde er an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien für das Fach Innere Medizin habilitiert. Am 30. Juni 1932 erhielt er eine außerordentliche Professur für Innere Medizin in Wien.
Leo Pollak beschäftigte sich mit Fragestellungen aus dem Bereich der Stoffwechselpathologie, der Gicht, des Diabetes mellitus und des Asthmas bronchiale. Als einer der Ersten setzte er 1923 in Österreich Insulin ein. Er veröffentlichte zahlreiche Arbeiten zum Zuckerstoffwechsel und zur Insulintherapie. Bis 1937/38 hielt er an der Wiener Universität Vorlesungen über die Pathologie des Stoffwechsels.
Nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Österreich im März 1938 wurde Pollak am 22.04.1938 durch die NS-Behörden aller Ämter enthoben. Ihm wurde die Venia Legend entzogen, von der Universität Wien wurde er verwiesen.
Flucht 1938 nach Großbritannien
Pollak floh am 29. 5. 1939 über die Schweiz (Zürich) nach Großbritannien. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde er zeitweise an Enemy Alien interniert. In Newmarket, Suffolk, etwa 100 km nordöstlich von London, konnte Pollak eine Tätigkeit im dortigen White Lodge Hospital finden.
Leo Pollak starb am 18. 9. 1946 68-jährig in Newmarket.
Pollaks Schwester, Melanie Pollak-Polacek (geb. 5.2.1882) und Pollaks Schwager, Dr. jur. Josef Polacek (geb. 9.8.1874), wurden im Juli 1942 aus Prag in das Ghetto Theresienstadt / Terezin und im September 1943 von dort in das KZ Auschwitz deportiert und ermordet. Die ältere Schwester Leopold Pollaks, die 1876 geborene Olga Pollak-Glaser wurde im Oktober 1942 im Vernichtungslager Treblinka ermordet. Pollaks Nichte, Dr. jur. Nelly Polacekova, wurde 35-jährig im Oktober 1942, sein Neffe, der 34-jährige Julius Polacek wurde im September 1944 im KZ Auschwitz ermordet. Eine weitere Schwester Leopold Pollaks, die Kunsthistorikerin Alice Maria Pollak-Fried (geb. 29.9.1888) konnte wie er selbst nach Großbritannien fliehen, wo sie 1946 in Hampstead / London starb.
Danksagung
Meiner Kollegin Dr. med. Cornelie Haag danke ich für ihre Recherchen im Österreichischen Staatsarchiv in Wien sowie im Wiener Stadt- und Landesarchiv.
Beitrag von Dr. med. Harro Jenss, Worpswede. Stand 19.9.2024, ergänzt am 17.5.2026
Quellen und Literatur
zu den Quellen