Eine Erinnerungsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
In Erinnerung an

Dr. med.
Ludwig Frank
1884 - 1976

Dr. med. Ludwig Frank, frühes Foto, <br> Bildquelle: Stadtarchiv Nürnberg, <br> Passkarte Ludwig Frank, Sign. C21/VII Nr. 41
Dr. med. Ludwig Frank, frühes Foto,
Bildquelle: Stadtarchiv Nürnberg,
Passkarte Ludwig Frank, Sign. C21/VII Nr. 41

Mitlgied seit 1926

Facharzt für Magen- Darm- und Stoffwechselerkrankungen in Nürnberg

Flucht nach Palästina 1934 und in die USA 1937

Dissertation 1910, Kopie des Titelblatts Archiv H Je
Dissertation 1910, Kopie des Titelblatts Archiv H Je
Unterschrift Ludwig Franks, Bildquelle: Bayerisches Landesentschädigungsamt München
Unterschrift Ludwig Franks, Bildquelle: Bayerisches Landesentschädigungsamt München

Dr. med. Ludwig Frank

  • 1‌8‌.‌1‌0‌.‌1‌8‌8‌4‌, Würzburg
  • 2‌5‌.‌0‌2‌.‌1‌9‌7‌6‌, London
  • Mitglied seit 1926
  • Geflohen 1937, USA
  • Nürnberg
  • Niedergelassener Facharzt für Magen-, Darm- und Stoffwechselkrankheiten

„Ich, Ludwig Frank aus Bayern, bin geboren am 18.10.1884 zu Würzburg als Sohn des Weinhändlers Otto Frank. Nach Besuch der Volksschule und des humanistischen [Königlichen] Neuen Gymnasiums zu Würzburg erwarb ich mir am 14. Juli 1902 das Reifezeugnis in Würzburg und bezog im Herbst 1902 die Universität dortselbst, studierte außerdem im W.S. 1905/06 in Berlin. Der ärztlichen Staatsprüfung unterzog ich mich in Würzburg und wurde im Dezember 1907 als Arzt approbiert“, so Ludwig Frank in seiner Dissertationsschrift. Der Vater Otto Frank führte in Würzburg seit 1873 eine Weingroßhandlung. Ludwig Franks Mutter war Johannette Frank, geb. Loeb, die in einer großen angesehenen jüdischen Kaufmannsfamilie in Worms-Abenheim geboren wurde.

1910 wurde Ludwig Frank an der Würzburger Universität mit der Arbeit „Bericht ueber 225 Schädelfrakturen (1897 – 1907) mit Nachuntersuchungen aus dem Städtischen Krankenhaus zu Nürnberg“ promoviert.

Dissertation 1910, Kopie des Titelblatts Archiv H Je
Dissertation 1910, Kopie des Titelblatts Archiv H Je

Ausbildung und Wirkungsstätte

Seine klinische Ausbildung erhielt Ludwig Frank seit dem 01.01.1908 in den Städtischen Kliniken Nürnberg, die in jener Zeit über 1100 Betten verfügte. 1912 ließ sich Frank zunächst als praktischer Arzt in Nürnberg nieder. Seit 1914 nahm er aktiv als Militärarzt am Ersten Weltkrieg vorwiegend an der Westfront teil. Nach Ende des Krieges 1918 spezialisierte er sich im Fach Gastroenterologie. Der Reichsmedizinalkalender von 1926 weist ihn als niedergelassenen Facharzt für Magen-, Darm- und Stoffwechselkrankheiten in Nürnberg aus. Seine Praxis befand sich in bester Zentrallage Nürnbergs an der Ecke Königstrasse/Bankgasse.

Unterschrift Ludwig Franks, Bildquelle: Bayerisches Landesentschädigungsamt München
Unterschrift Ludwig Franks, Bildquelle: Bayerisches Landesentschädigungsamt München

Im Juli 1912 hatte Ludwig Frank Gretchen (Grete) Ottenstein geheiratet, die einer Nürnberger jüdischen Kaufmannsfamilie angehörte. Deren Schwester war die Dermatologin Berta Ottenstein, die bis 1933 in der Universitäts-Hautklinik Freiburg tätig war.

Frank war vielseitig kulturell interessiert. Er spielte aktiv – bis zum 70. Lebensjahr – seit seiner Jugend Klavier und Flöte. Er war Mitglied der alten, liberalen Nürnberger Loge „Zu den drei Pfeilen“ und beteiligte sich an der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, der wissenschaftlichen Vereinigung der deutschen Orientalisten. Frank war Mitglied der ärztlichen Standesorganisationen und Vorstandsmitglied des ärztlichen Bezirksvereins Nürnberg. Als das Nürnberger Theresienkrankenhaus 1928 eröffnet wurde, erhielt Ludwig Frank bis 1933 die Möglichkeit, die Patienten seines Fachgebietes stationär in diesem Krankenhaus als Belegarzt zu betreuen.

Dr. med. Ludwig Frank, Bildquelle: Stadtarchiv Nürnberg, Dr. med. Ludwig Frank um 1930, Passkarte Ludwig Frank, Sign. C21/VII Nr. 41
Dr. med. Ludwig Frank, Bildquelle: Stadtarchiv Nürnberg, Dr. med. Ludwig Frank um 1930, Passkarte Ludwig Frank, Sign. C21/VII Nr. 41

Seit 1933

Frank war als Jude den Verfolgungen der Nationalsozialisten ausgesetzt und erlebte den Ärzte-Boykott am 01.04.1933. An diesem Tag zog eine SA-Wache vor seiner Praxis auf und hinderte Patienten am Zutritt zur Praxis. Von den Nationalsozialisten wurde Frank angepöbelt und bedroht. Er erkannte frühzeitig, dass für ihn eine ärztliche Tätigkeit unter der NS-Diktatur nicht möglich war. Am 05.06.1934 meldete er sich in Nürnberg ab, verließ Deutschland und hielt sich in Palästina in Jerusalem auf. Allerdings konnte er dort nicht Fuß fassen. Drei Jahre später entschloss er sich, mit seiner Familie in die USA überzusiedeln. Am 02.07.1937 erreichten der 52-jährige Ludwig Frank und seine Ehefrau Grete von Cherbourg, Frankreich, aus mit der S.S. Berengaria der Cunard Line New York.

Nach Sprachprüfungen und Ablegen des amerikanischen Staatsexamens gehörte er seit Ende 1938 als Gastroenterologe zum Ärztekollegium des von Dr. H. H. Staats gegründeten Staats Hospitals in Charleston, West Virginia, eine Tätigkeit, die er bis zum Juli 1954 beibehielt. An dem Staats Hospital in Charleston, West Virginia, war der aus Köln geflohene Magen-Darm-Spezialist Dr. Harry Cobliner sein Kollege.

Briefkopf Franks in Charleston
Briefkopf Franks in Charleston
Adresskopf Staats Hospital Charleston, West Virginia. Hospital in dem Frank tätig war.
Adresskopf Staats Hospital Charleston, West Virginia. Hospital in dem Frank tätig war.

Im April 1954 starb seine Ehefrau Grete Frank-Ottenstein. Ludwig Frank heiratete im August 1954 die aus Nürnberg stammende und in London lebende Rosa (Rosl) Haynes (ehemals Hahn), geb. Loewi. Aus den USA übersiedelte Frank nach Großbritannien. In seinem Ruhestand widmete sich Frank medizinhistorischen Themen und absolvierte hierzu seit September 1958 eine längere Weiterbildung an der Yale Universität, New Haven. 1961 kehrte Ludwig Frank nach London zurück.

Ludwig Frank in den 1960er Jahren, Bidlquelle: www.ancestry.de
Ludwig Frank in den 1960er Jahren, Bidlquelle: www.ancestry.de

Ludwig Frank starb am 25. Februar 1976 91-jährig in London. Seine zweite Ehefrau Rosa Frank starb 95-jährig im Februar 1993.

Ludwig Franks Mutter Johannette Frank musste am 02.01.1939 ihr Haus, in dem sie mehr als 40 Jahre gewohnt hatte, verlassen. Sie lebte seither im Israelitischen Kranken- und Pfründnerhaus/Altersheim in der Würzburger Konradstrasse 3. Am 23.09.1942 wurde sie, 83-jährig, in das Ghetto Theresienstadt/Terezín deportiert. Sie starb im Ghetto am 11.10.1942. Ihr Haus in der Würzburger Rottendorferstrasse 9 musste, ebenso wie weitere Häuser und Grundstücke der Familie Frank, auf Druck der NS-Behörden 1939 verkauft werden. Ihre Vermögenswerte wurden bei ihrer Deportation von der GESTAPO konfisziert, sie verfielen dem Deutschen Reich.

Der älteste Bruder August Frank wurde bereits am Tag vor dem Novemberprogrom 1938 verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Nach der Entlassung aus dem Konzentrationslager flohen August Frank sowie der jüngere Bruder Oswald Frank 1939 in die USA. Die Schwester Helene Ottenstein gelangte nach Großbritannien. Die zweite Schwester Irene Sterzelbach floh 1939 nach Montevideo, Uruguay. Nach 1945 kehrte sie nach Europa zurück und lebte seither in Großbritannien.

Nach einer Initiative des Archivars der DGVS wurde am 17. 4. 2024 in Würzburg ein Stolperstein zur Erinnerung an die Mutter Ludwig Franks verlegt.

Stolperstein für Ludwig Franks Mutter, am 17.4.2024 in Würzburg verlegt. Foto: Norma Moruzzi
Stolperstein für Ludwig Franks Mutter, am 17.4.2024 in Würzburg verlegt. Foto: Norma Moruzzi
Danksagung

Sehr großer Dank gebührt Frau Professor Norma C. Moruzzi, Chicago, der Großnichte Ludwig Franks, für wichtige Dokumente, besonders für die unveröffentlichte, wesentlich von Ludwig Frank verfasste Familiengeschichte sowie für Fotographien. Den Mitarbeitenden des Stadtarchivs Nürnberg sei für ihre Recherchen sowie für die Melde- und Passkarten Ludwig Franks gedankt.


Quellen und Literatur
zu den Quellen
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Quellen/Literatur/Weblinks

Biografie von Dr. med. Ludwig Frank

Verzeichnis der Quellen

  • Frank L. Bericht ueber 225 Schädelfrakturen (1897-1907) mit Nachuntersuchungen aus dem Städtischen Krankenhaus zu Nürnberg. Med. Dissertation, Würzburg, darin Lebenslauf S. 31f, Staatsbibliothek Berlin-Preußischer Kulturbesitz (SBB-PK) Sign Ja 14141-1910,1
  • Stadtarchiv Nürnberg, Meldekarte Ludwig Frank C21/X Nr. 2 K.867 und Passkarte Ludwig Frank C21/VII Nr. 41
  • The Franks, by Ludwig Frank. Unveröffentlichtes Manuskript zur Familiengeschichte Frank – Loeb, 1958 verfasst und 1963 ergänzt [dieses wertvolle Dokument verdanke ich Prof. Norma C. Moruzzi. Chicago. H Je, Januar 2023].
  • Bayerisches Landesentschädigungsamt München, Reg. Nr. 49039/VII/11240 Band I und II (Wiedergutmachungsantrag Dr. med. Ludwig Frank vom 13.03.1950)
  • Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, LEA 11 767 (Entschädigungsakte Erbengemeinschaft nach Johanette Frank, geb. Loeb)

Verzeichnis der Weblinks