Eine Erinnerungsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
In Erinnerung an

Dr. med.
Richard Appel
1899 - 1987

1924 Niederlassung als praktischer Arzt in Bad Oeynhausen

1933 Flucht über England nach Indien

Lebte seit 1952 bis zu seinem späteren Tode in London

Kopie Titelblatt Dissertationsschrift Archiv H JeJPG
Kopie Titelblatt Dissertationsschrift Archiv H JeJPG
Appel Richard Sprechzimmer Um 1930 Entschädigungsakte Landesarchiv NRW OWL
Appel Richard Sprechzimmer Um 1930 Entschädigungsakte Landesarchiv NRW OWL
Appel Richard Rö Anlage Entschädigungsakte Landesarchiv NRW OWL
Appel Richard Rö Anlage Entschädigungsakte Landesarchiv NRW OWL

Dr. med. Richard Appel

  • 1‌4‌.‌0‌1‌.‌1‌8‌9‌9‌, Bonn
  • 2‌1‌.‌0‌5‌.‌1‌9‌8‌7‌, London
  • Mitglied seit 1928
  • Geflohen 1933, Indien
  • Praktischer Arzt

“Richard Appel wurde geboren am 14. 1. 1899 zu Bonn als Sohn des Kaufmanns Abraham Appel. Nach Besuch der Volksschule in Coesfeld i. W. besuchte er in Euskirchen das humanistische Gymnasium. Am 1. IV. 1917 trat er zum Heeresdienst ein. Im Dezember 1918 entlassen erhielt er aufgrund der Notreifeprüfung das Zeugnis der Reife am Königlichen Gymnasium zu Bonn. Darauf nahm er das Studium der Medizin in Münster i. W. auf, wo er im Mai 1921 die ärztliche Vorprüfung bestand. Während der klinischen Semester studierte er in Bonn, wo er im Mai 1923 das Staatsexamen bestand“, so Richard Appel in seiner Dissertationsschrift. 1925 wurde Appel an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn mit der Arbeit „Die Plattflußbehandlung nach der operativen Methode von Becher“ promoviert, die er an der karitativen orthopädischen Heilanstalt Hüfferstiftung in Münster anfertigte. Das Erstgutachten an der Universität Bonn verfasste der Chirurg Carl Garré.

Appels Mutter war Rosalie Appel, geb. Hertz. Die Familie bekannte sich zur jüdischen Glaubensgemeinschaft.

 

Ausbildung und Wirkungsstätte

Richard Appel strebte zunächst eine Spezialausbildung im Fach Orthopädie an und war dazu in der Hüfferstiftung, einer frühen orthopädischen Fachklinik in Münster, tätig. Dieses Gebiet verfolgte er jedoch nur kurzzeitig. Appel war seit seiner Approbation 1924 in Bad Oeynhausen als praktischer Arzt niedergelassen. Diese Tätigkeit unterbrach er seit 1926 jeweils in den Wintermonaten, um sich in Berlin, London, Paris und Heidelberg in der Inneren Medizin fortzubilden. Er beschäftigte sich zudem mit der Röntgendiagnostik. 1929 schaffte Appel ein eigenes Röntgengerät an. Seit 1930 betrieb er in Bad Oeynhausen eine große erfolgreiche Praxis einschließlich eines Röntgenlabors. In der Praxis waren ein angestellter Arzt als Appels Assistent sowie drei medizinisch technische Angestellte tätig.

 

1933, Flucht über England nach Indien ( Madras, heute Chennai )

Richard Appel erlebte als einziger jüdischer Arzt in Bad Oeynhausen den Boykott jüdischer Geschäfte und seiner Praxis am 1. April 1933. SA-Leute erschienen in seiner Arztpraxis, vertrieben die Patienten, stellten Posten vor seiner Praxis auf und verwehrten den Patienten den Zutritt, zudem entfernten sie Richard Appels Arztschild am Praxiseingang ( so Appels Bericht in seiner Entschädigungsakte, LArch NRW, Abt. OWL ). Im gleichen Monat, April 1933, wurde ihm die kassenärztliche Zulassung entzogen.

In der Folgezeit erkrankte Appel und wurde vorübergehend arbeitsunfähig. Er schloss seine Praxis, ließ seine Wohnungs- sowie Praxiseinrichtung zurück und verließ Deutschland im Oktober 1933. Zunächst suchte er Zuflucht in England. Dort fehlten ihm Geldmittel und Zeit, die notwendigen Prüfungen zur Erlangung einer Lizenz zur Ausübung des ärztlichen Berufes abzulegen.

Mit Unterstützung eines ihm bekannten britischen Kolonialbeamten konnte Richard Appel nach Indien übersiedeln und sich in Madras ( die Stadt wurde 1996 in Chennai umbenannt ) niederlassen. Er erhielt dort als einer der wenigen aus dem Ausland Zugereisten nach sechs Monaten eine Lizenz zu ärztlicher Tätigkeit. Seit Mitte 1934 führte er eine Praxis in Madras.

Richard Appel sorgte dafür, dass seine beiden Eltern Abraham und Rosalie Appel sowie sein Bruder Herbert Appel ebenfalls nach Indien fliehen konnten.

Auch seine Schwester, die in Bonn promovierte Ärztin Liesel ( Lisette ) Appel- Herzberg lebte mit ihrem Ehemann Dr. med. Moritz Herzberg vorübergehend in Madras.

Seine Praxistätigkeit in Madras musste Richard Appel wiederholt wegen Erkrankungen unterbrechen. Seine Praxis wurde in diesen Phasen von einem Vertreter fortgeführt. Appel reiste wiederholt in die Schweiz, um sich in Basel behandeln zu lassen. 1945 übergab Appel seine Praxis in Madras an einen Nachfolger, praktizierte selbst nur noch zeitweise ( u.a. im Distrikt Nilgiris in der Provinz Madras ) und verließ im November 1952 Indien endgültig. Er lebte seither in London, erhielt eine Zulassung zur Ausübung ärztlicher Tätigkeit und praktizierte seit Januar 1954 in der Londoner Wimpole Street. Die beiden Eltern Abraham und Rosalie Appel waren bereits im Juli 1949 aus Indien über Colombo nach London gewechselt, wo sich Richard Appels Schwester, die Ärztin Dr. Liesel Appel-Herzberg aufhielt.

Richard Appel starb am 21. Mai 1987 88-jährig in London. Seine Grabstelle konnte bisher nicht dokumentiert werden.

 


Quellen und Literatur
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Quellen/Literatur/Weblinks

Biografie von Dr. med. Richard Appel

Verzeichnis der Quellen

  • Appel R. Die Plattfußbehandlung nach der operativen Methode von Becher. Medizinische Dissertation, Bonn 1925, Universitätsbibliothek Tübingen, Sign. U 25.432, darin Lebenslauf S. 18f
  • Appel, L. Erfahrungen mit der konservativen Nachbehandlung bei operierten Magengeschwürskranken. Medizinische Dissertation, Bonn 1935, Universitätsbibliothek Tübingen, Sign. U 35.6516, darin Lebenslauf S. 22f
  • Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Ostwestfalen-Lippe / LAV NRW OWL Detmold, Sign. D1 BEG Nr. 8447 ( Entschädigungsakte Dr. med. Richard Appel, geb. 14.1.1899 in Bonn )

Verzeichnis der Literatur

  • Historisches Handbuch jüdischer Gemeinschaften Westfalen und Lippe. Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen. Hg. Hengst K in Kooperation mit U. Olschweski; Ortsartikel Bad Oeynhausen von Heike Plaß, Münster: Verlag Ardey 2013, S 194
  • Reichsmedizinalkalender 1929 und 1933

Verzeichnis der Weblinks