Eine Erinnerungsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
In Erinnerung an

Dr. med.
Alfred John Alexander
1880 - 1950

Approbationsurkunde 1903, <br> Bildquelle Entschädigungsbehörde Berlin
Approbationsurkunde 1903,
Bildquelle Entschädigungsbehörde Berlin

Mitglied seit 1926

Studium in München

Leiter des "Sanatorium Dr. Alexander", Berlin

Nach 1938 General Practitioner in London

Dissertation, München 1903
Dissertation, München 1903
Archiv für Verdauungs-Krankheiten 1918
Archiv für Verdauungs-Krankheiten 1918
Beschlagnahmung des Vermögens Alexanders und Entzug der deutschen Staatsbürgerschaft 1939, Bildquelle Entschädigungsbehörde Berlin
Beschlagnahmung des Vermögens Alexanders und Entzug der deutschen Staatsbürgerschaft 1939, Bildquelle Entschädigungsbehörde Berlin

Dr. med. Alfred John Alexander

  • 0‌7‌.‌0‌3‌.‌1‌8‌8‌0‌, Bamberg
  • 1‌5‌.‌0‌5‌.‌1‌9‌5‌0‌, Zürich
  • Mitglied seit 1926
  • Geflohen 1936, England
  • Berlin
  • Facharzt für Innere Medizin

„Ich, Alfred Alexander, wurde am 7. März 1880 zu Bamberg als Sohn des verstorbenen kgl. Bayer. Advokaten und Rechtsanwalts Dr. Hermann Alexander geboren. Herbst 1886 trat ich in die Vorschule der Wöhlerschule zu Frankfurt a. Main ein, die ich 1889 verließ, um das städtische Gymnasium derselben Stadt zu besuchen. Herbst 1898 verliess ich dasselbe mit dem Zeugnis der Reife und bezog die Universität München, wo ich am 21. Oktober 1898 bei der medizinischen Fakultät inskribiert wurde“, so Alfred Alexander im Lebenslauf in seiner Dissertationsschrift. Der Vater war 1885 gestorben. Die Mutter Bella Alexander, geb. Lehmaier, übersiedelte danach mit ihren Kindern nach Frankfurt am Main.

Dissertation, München 1903
Dissertation, München 1903

 

Ausbildung und Wirkungsstätte

Im Sommer 1900 bestand Alexander an der Münchener Universität das Physikum, wechselte für drei Semester nach Berlin, kehrte zum Wintersemester 1901/02 nach München zurück und legte dort im Frühjahr 1903 das Staatsexamen ab. Im gleichen Jahr wurde er mit der Arbeit „Ueber traumatische kryptogene septische Infektion und traumatische eitrige Gonarthritis“ an der Münchener Universität promoviert.

Seine internistische Ausbildung erhielt Alexander bei Albert Albu, in dessen Berliner Praxis und Poliklinik für Innere Krankheiten. Albu gehörte in jener Zeit neben Ismar Boas, Hermann Strauß und Theodor Rosenheim zu den führenden und frühen Berliner Gastroenterologen. Alexander würdigte Albert Albu bei dessen Tod 1921 mit einem ausführlichen und ehrenden Nachruf im Archiv für Verdauungs-Krankheiten ( 1921; 27: 224 – 226 ). Alexander gehörte zudem zum Kreis der Freunde um Ismar Boas.

Anfänglich beschäftigte sich Alexander mit Fragestellungen zum Diabetes mellitus und publizierte 1908 dazu gemeinsam mit Rudolf Ehrmann die Arbeit „Untersuchungen über den Pankreasdiabetes, besonders über das Blut der Vena pancreatico-duodenalis“. Diese Arbeit hatte er in der Experimentell-biologischen Abteilung des Institutes für Pathologie der Charité angefertigt.

Archiv für Verdauungs-Krankheiten 1918
Archiv für Verdauungs-Krankheiten 1918

Am Ersten Weltkrieg nahm Alexander als Sanitätsarzt teil, leitete vorübergehend ein Lazarett und war als beratender Internist tätig. Seit Mitte 1918 war er mit den Folgen der damaligen Influenza-Pandemie („Spanische Grippe“) konfrontiert.

Nach seiner internistischen Ausbildung hatte sich Alexander als Facharzt für Innere Medizin mit einem Schwerpunkt für Magen-Darm-Krankheiten zunächst in der Oranienburger Straße 68 und später in der Kaiserallee 220 niedergelassen. Die Praxis entwickelte sich rasch mit einer großen Patientenzahl. Zu den Patienten gehörten bekannte Berliner Wissenschaftler, Künstler und Schriftsteller. Von 1925 bis 1936 war er zudem Leiter des eigenen privaten „Sanatoriums Dr. Alexander“ mit 31 Betten in der Berliner Achenbachstraße 15. Mit dem 30.01.1937 verkaufte Alfred Alexander das Grundstück Achenbachstraße 15 mit der Klinik an Paul Hirsch-Mamroth.

Alexander war in den ärztlichen Vereinen sehr aktiv. Er war Vorsitzender der Unterstützungskasse der Ärztekammer Berlin und Mitglied im Vorstand des jüdischen Krankenhauses Berlin. Zudem arbeitete er in der Wohlfahrtspflege.

 

Flucht nach Großbritannien 1936

Nach dem frühen Verlust der Kassenzulassung und wegen der zunehmenden antijüdischen Maßnahmen der Nationalsozialisten floh Alexander 1936 mit seiner Ehefrau Henriette, geb. Picard, nach London. Ihre vier Kinder fanden ebenfalls Zuflucht in Großbritannien. Nach einem zeitweiligen Studium in Edinburgh sowie in Glasgow und den geforderten englischen Prüfungen erhielt Alfred Alexander am 28.10.1937 das Zertifikat, das ihn zur ärztlichen Tätigkeit in Großbritannien berechtigte. Seit 1938 war er als General Practitioner in England wieder tätig. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde er im Oktober 1939 von der Internierung als Enemy Alien befreit. In dieser Zeit wohnte die Familie Alexander im Londoner Stadtteil Kensington, 11 Addisland Court. Seine Praxis befand sich im Herbst 1939 am Londoner Cavindish Place. Später verlegte Alexander die Praxis in die Harley Street und unterhielt auch in der Wimpole Street Praxisräume.

Die NS-Behörden entzogen Alexander im Juli 1939 die deutsche Staatsbürgerschaft. Im November 1939 wurde ihm der Doktortitel durch die Ludwig-Maximilians-Universität München aberkannt. Die britische Staatsbürgerschaft erhielt das Ehepaar Alexander 1947.

Beschlagnahmung des Vermögens Alexanders und Entzug der deutschen Staatsbürgerschaft 1939, Bildquelle Entschädigungsbehörde Berlin
Beschlagnahmung des Vermögens Alexanders und Entzug der deutschen Staatsbürgerschaft 1939, Bildquelle Entschädigungsbehörde Berlin

Alfred John Alexander starb 70-jährig am 15.05.1950 während eines Aufenthaltes in Zürich. Alfred Alexanders Urenkel Thomas Harding hat 2014 und 2016 mit zwei eindrücklichen Publikationen auf die Entrechtung und Verfolgung der Familie Alexander während der NS-Diktatur aufmerksam gemacht.

Eigene Publikationen (Auswahl)

  1. Über Fieber bei Carcinom. Dtsch Med Wochenschr 1907; 33: 176-179
  2. Mit Ehrmann R.: Untersuchungen über Pankeasdiabetes, besonders das Blut der Vena pancreatico-duodenalis. Z exp Path Ther 1908; 5: 367-377
  3. Pentosurie und Darmstörung. Arch Verdauungskr 1918; 24: 286-296
  4. Mit Kirschbaum R.: Zur Hämatologie der spanischen ( epidemischen ) Grippe. Dtsch Med Wochenschr 1918; 44: 1250
  5. Über Typhlitis stercoralis et flatulenta. Arch Verdauungskr 1928; 43: 38-46 (Ismar Boas zum 70. Geburtstag)

Quellen und Literatur
zu den Quellen
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Quellen/Literatur/Weblinks

Biografie von Dr. med. Alfred John Alexander

Verzeichnis der Quellen

  • Bayerisches Staatsbibliothek. Alexander A. Dissertation: Ueber traumatische kryptogene septische Infektion und traumatische eitrige Gonarthritis. München 1903. BSB Sign. Diss. med. 389-16:155f.
  • Deutscher Reichsanzeiger Nr. 168
  • Preußischer Staatsanzeiger vom 24. Juli 1939 (Entzug der Staatsbürgerschaft mit dem 14.7.1939)

Verzeichnis der Literatur

  • Forsbach R, Hofer H-G. Internisten in Diktatur und junger Demokratie. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin 1933-1970. Berlin: Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 2018: 416
  • Harding, Th. Hanns und Rudolf. Der deutsche Jude und die Jagd nach dem Kommandanten von Auschwitz. München: Deutscher Taschenbuch Verlag; 2014:
  • Harding, Th. Sommerhaus am See. Fünf Familien und 100 Jahre deutscher Geschichte. München: Deutscher Taschenbuch Verlag; 2016:
  • Harrecker S. Degradierte Doktoren. Die Aberkennung der Doktorwürde an der Ludwig-Maximilians-Universität München während der Zeit des Nationalsozialismus. München: Herbert Utz Verlag; 2007: 257
  • Schwoch R. Berliner Jüdische Kassenärzte und ihr Schicksal im Nationalsozialismus. Ein Gedenkbuch. Berlin: Hentrich & Hentrich Verlag 2009: 37

Verzeichnis der Weblinks