Eine Erinnerungsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
In Erinnerung an

Prof. Dr. med.
Richard Mühsam
1872 - 1938

Prof. Dr. med. Richard Mühsam, 1932 <br> © ullstein bild – Atelier Balassa
Prof. Dr. med. Richard Mühsam, 1932
© ullstein bild – Atelier Balassa

Mitglied seit 1926

Ärztlicher Direktor des Städtischen Rudolf-Virchow-Krankenhaus in Berlin von 1920 bis 1933

Entlassung aus dem öffentlichen Gesundheitswesen 1933

Archiv H Je
Archiv H Je
Mühsams Grabstätte auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee, Juli 2023 © Benjamin Kuntz
Mühsams Grabstätte auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee, Juli 2023 © Benjamin Kuntz
Briefkopf des Sohnes Richard Mühsams, Dr. Eduard Mühsam in New York. Quelle: Entschädigungsakte Dr. Edith Peritz, Entschädigungsbehörde Berlin. Den Quellenfund verdanke ich Dr. Benjamin Kuntz, Berlin.
Briefkopf des Sohnes Richard Mühsams, Dr. Eduard Mühsam in New York. Quelle: Entschädigungsakte Dr. Edith Peritz, Entschädigungsbehörde Berlin. Den Quellenfund verdanke ich Dr. Benjamin Kuntz, Berlin.

Prof. Dr. med. Richard Mühsam

  • 1‌0‌.‌0‌3‌.‌1‌8‌7‌2‌, Berlin
  • 2‌1‌.‌1‌1‌.‌1‌9‌3‌8‌, Berlin
  • Mitglied seit 1925
  • Berlin
  • Chirurg

Richard Mühsam wuchs in Berlin in der Familie des Arztes Dr. Eduard Mühsam und dessen Ehefrau Clara, geb. Jaffé, auf. Der Vater stammte aus Pitschen/Byczyna, im früheren Kreis Oppeln in Schlesien, heute Polen, die Mutter aus dem heutigen Poznan, Polen.

 

Ausbildung und Wirkungsstätte

Nach dem Abitur studierte Mühsam in Würzburg und Berlin Medizin. Dort legte er 1893 das Staatsexamen ab und promovierte im Juli des Jahres mit der Arbeit „Über den Fundort des Bacillus pyocyaneus und seine Farbproduction bei er Symbiose mit anderen Mikroorganismen“. 1894 erhielt er die Approbation.

Dissertation, Berlin 1893
Dissertation, Berlin 1893

1895/96 arbeitete er bei Carl Weigert am Pathologisch-anatomischen Institut der Senckenbergischen Siftung Frankfurt. Im November 1896 heiratete Richard Mühsam die 1875 in Berlin geborene Helene Ottilie Weigert. 1897 wurde der Sohn Eduard, 1909 die Tochter Gerda geboren.

Von 1896 bis 1906 war er Assistenz- und Oberarzt an der II. Chirurgischen Abteilung bei Eduard Sonnenburg am Städtischen Krankenhaus Berlin-Moabit. Von 1906 bis 1919 hatte er die Funktion des dirigierenden Arzt dieser Abteilung nach dem Ausscheiden Sonnenburgs inne.

Mühsam nahm aktiv am Ersten Weltkrieg teil. 1918 erhielt er eine Titularprofessur.

Seine klinisch-wissenschaftliche Tätigkeit bezog sich auf die Bauchchirurgie, insbesondere die Chirurgie der Magenperforation, die Chirurgie der Appendix sowie der Milz. Vorübergehend beschäftigte sich Mühsam mit der Sexualchirurgie. 1919/1920 kooperierte er mit der Magnus Hirschfeld Gesellschaft und führte zeitweise geschlechtsangleichende Operationen durch.

Archiv H Je
Archiv H Je

Von 1920 bis 1933 war Mühsam Leiter der II. Chirurgischen Klinik am Städtischen Rudolf-Virchow-Krankenhaus (RVK) in Berlin sowie dessen Ärztlicher Direktor.

 

Nach 1933

1933 entzogen die NS-Behörden Richard Mühsam die Position als Leitender Chirurg am RVK Berlin. Aus dem öffentlichen Gesundheitswesen wurde er entlassen. In der Folgezeit konnte er in Berlin eine private Praxis führen. Am 30.09.1938 wurde ihm die ärztliche Approbation aberkannt.

Richard Mühsam starb 66-jährig am 21.11.1938 im Martin-Luther-Krankenhaus in Berlin-Schmargendorf an den Folgen eines perforierten Duodenalulcus.

Mühsams Grabstätte auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee, Juli 2023 © Benjamin Kuntz
Mühsams Grabstätte auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee, Juli 2023 © Benjamin Kuntz
Familiengrabstätte Richard Mühsams, Jüdischer Friedhof Berlin-Weißensee, Juli 2023 © Benjamin Kuntz
Familiengrabstätte Richard Mühsams, Jüdischer Friedhof Berlin-Weißensee, Juli 2023 © Benjamin Kuntz

Mühsams Sohn Dr. Eduard Mühsam, ebenfalls Chirurg,  sowie seine Tochter Gerda M. Breit flohen 1939 aus Deutschland über Schottland und Großbritannieren in die USA. Seine Ehefrau floh im gleichen Jahr zunächst nach Großbritannien. Im Mai 1943 konnte sie von Liverpool aus in die USA einreisen und lebte seither in Denver, Colorado. Dr. Eduard Mühsam lebte in New York und starb 1977.

Briefkopf des Sohnes Richard Mühsams, Dr. Eduard Mühsam in New York. Quelle: Entschädigungsakte Dr. Edith Peritz, Entschädigungsbehörde Berlin. Den Quellenfund verdanke ich Dr. Benjamin Kuntz, Berlin.
Briefkopf des Sohnes Richard Mühsams, Dr. Eduard Mühsam in New York. Quelle: Entschädigungsakte Dr. Edith Peritz, Entschädigungsbehörde Berlin. Den Quellenfund verdanke ich Dr. Benjamin Kuntz, Berlin.

Seine Grabstätte befindet sich auf dem Cedar Park Friedhof, Paramus, Bergen, New Jersey

 

Eigene Publikationen (Auswahl)

  1. Über doppelseitige Oberschenkelamputation bei embolischer Gangrän. Dtsch Ztschr Chir 1903; 70: 339-52
  2. Mit Sonnenburg: E. Compendium der Operations- und Verbandstechnik. Berlin: August Hirschwald Verlag, 1903 (2. Aufl. 1908).
  3. Die Resektion beim perforierten Magen- und Duodenalgeschwür. Dtsch med Wochenschr 1930; 56: 346-347
  4. Was kann und wann muß der praktische Arzt operieren. Leipzig: Georg Thieme Verlag 1928
  5. Mit Hans Hirschfeld: Chirurgie der Milz. Stuttgart: Verlag von Ferdinand Enke, 1930 (= Neue deutsche Chirurgie, Bd. 46)

Beitrag von Dr. med. Harro Jenss, Worpswede. Stand 21.10.2025


Quellen und Literatur
zu den Quellen
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Quellen/Literatur/Weblinks

Biografie von Prof. Dr. med. Richard Mühsam

Literatur

125 Jahre Krankenhaus Moabit, 1872 – 1997. Berlin: Weidler Buchverlag; 1997: S.32f.

Doetz S, Kopke Ch. „und dürfen das Krankenhaus nicht mehr betreten“: Der Ausschluss jüdischer und politisch unerwünschter Ärztinnen und Ärzte aus dem Berliner städtischen Gesundheitswesen 1933–1945. Berlin: Hentrich & Hentrich Verlag; 2018:S. 464

Fischer I. Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte der letzten fünfzig Jahre. Band I. Berlin, Wien: Urban & Schwarzenberg; 1932:S. 1081

Hamann C, Otten U. Die Mühsams, Geschichte einer Familie. In: Jüdische Memoiren Band 11. Berlin: Hentrich & Hentrich Verlag; 2005.

Moll F, Fangerau H. Urologie und Sexualwissenschaft in Berlin 1880 – 1933. Urologe 2016; 55:S. 257-268